Klartext von ÖSV-Girl

„Wir wissen, dass es ein Risikosport ist, aber …“

Vorarlberg
29.01.2025 06:55

Das Wetter erwies sich am Dienstag im italienischen Sella Nevea als Spielverderber! Statt Abfahrtstraining gab es für die ÖSV-Damen eine Partie Volleyball. Und viel Zeit zum Reden – auch über die unseelige Serie an bösen Stürzen, die in diesem Winter zu teils lebensbedrohlichen Verletzungen geführt hat. 

„Ganz oben hat es zuerst mehr als einen Meter geschneit und dann ziemlich weit hinauf geregnet“, erklärte Victoria Olivier, weshalb in Sella Nevea (It) gestern auch das zweite Training für die Europacup-Doppelabfahrt ins Wasser gefallen war. „Jetzt soll am Mittwoch trainiert und am Donnerstag und Freitag je ein Rennen gefahren werden. Wir müssen flexibel bleiben.“

Leonie Zegg und Victoria Olivier (r.) hatten viel Zeit nach der Trainingsabsage.
Leonie Zegg und Victoria Olivier (r.) hatten viel Zeit nach der Trainingsabsage.(Bild: GEPA pictures)

„Jetzt sind diese Stürze etwas anderes“
Statt mit über 100 km/h den Berg hinunter, ging es für „Vici“ nachmittags mit den ÖSV-Teamkolleginnen in die Volleyballhalle, wurde „Cabo“ gespielt und geredet. Auch über die Verletzungsserie, die vergangene Woche in Garmisch mit den Ausfällen von Tereza Nova (Tch), Stephanie Jenal (Sz) und Nina Ortlieb weiterging. „Ich habe die Stürze zum Glück nicht gesehen“, gesteht die 20-Jährige aus Au. „In den vorigen Jahren waren diese Ereignisse für mich weiter weg. Jetzt, wo ich selbst auf der Abfahrt unterwegs bin, ist das aber etwas anderes.“

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Sobald du am Start nur eine Sekunde daran denkst, zweifelst oder zögerst, ist es vorbei. Wenn du fährst, musst du mit voller Überzeugung fahren. Anderenfalls wird es gefährlich.

Victoria Olivier

Sich die Stürze nicht anzuschauen, dient der regierenden Junioren-Weltmeisterin auch als Selbstschutz. „Sonst würde es für mich zu real, würde ich es zu nahe an mich heranlassen“, erklärt sie. „Sobald du am Start nur eine Sekunde daran denkst, zweifelst oder zögerst, ist es vorbei. Wenn du fährst, musst du mit voller Überzeugung fahren. Anderenfalls wird es gefährlich.“

In einer Art und Weise, die sich in ihren Augen zuletzt nochmals verändert hat, wie der Fall der Tschechin Nova zeigt. Die hatte in Garmisch eine Gehirnblutung erlitten, musste operiert und ins künstliche Koma versetzt werden. „Bei ihr, aber auch Cyprien Sarrazin, geht es wirklich ums Leben und nicht – unter Anführungszeichen – nur um eine Knieverletzung“, sagt Vici.

Wenn sich Victoria Olivier aus dem Starthaus einer Abfahrt stürzt, darf sie keine Zweifel haben.
Wenn sich Victoria Olivier aus dem Starthaus einer Abfahrt stürzt, darf sie keine Zweifel haben.(Bild: Peter Weihs/Kronenzeitung)

„Wenn ich zweifle, fahre ich nicht!“
Als Athletin sehe sie ihre Aufgabe darin, aufzuzeigen, damit der internationale Verband etwas macht. „Ich selbst tue mir schwer, da ich nicht richtig weiß, was man ändern kann. Wir wollen ja die Rennen fahren, wollen schnell sein. Und dass es ein Risikosport ist, wissen wir auch alle. Die Frage ist halt, bis zu welchem Punkt es das Risiko wert ist.“ Für sich selbst habe sie die Frage aber geklärt. „Wenn ich vor einer Abfahrt auch nur ein bisschen zweifle, fahre ich nicht. So viel habe ich aus meiner Vergangenheit gelernt“, stellt Olivier klar.

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