„Achtung, Achtung, Achtung“ – eine Bewohnerin von St. Marien (OÖ) warnt auf sozialen Medien eindringlich vor Betrügerbanden. Zwei Unbekannte hätten ihr Haus ausgekundschaftet – unter dem Vorwand, nur nach zum Verkauf stehenden Autos Ausschau zu halten. Der Beitrag ist kein Einzellfall. Die „Krone“ überprüfte die Gerüchte.
Mehrfach warnen sich Bewohner des Kremstals derzeit gegenseitig auf Online-Plattformen vor Gruppen, die herumziehen. So auch in Piberbach: „Einer läutet, der andere kundschaftet aus. Nach jedem Haus wird ein Telefonat geführt. Seid vorsichtig“, schreibt eine Nutzerin. Auf dem Schreibtisch von Bürgermeister Markus Mitterbaur ist die Sache ebenfalls schon aufgeschlagen: „Ich habe vorige Woche eine Nachricht von einem Gemeindebürger bekommen, dass sich Leute herumtreiben und mit der Masche, sie hätten Hunger und Durst, anläuten. Mitgehende kundschaften dann aus“, berichtet der Ortschef.
„Leute klingeln an und verhalten sich komisch“
Ähnliches ist seinem Amtskollegen aus dem rund zehn Kilometer entfernten Bad Hall zu Ohren gekommen: „Die Leute klingeln bei Häusern an und verhalten sich komisch. Die Polizei weiß Bescheid und versucht, das in den Griff zu bekommen“, sagt Ortschef Bernhard Ruf. Was ist nun an den Gerüchten dran – gibt es Vorfälle mit besagten Betrügern wirklich? Strafrechtlich jedenfalls nicht, denn Delikt wurde bisher kein einziges gemeldet: „Uns sind keine konkreten Einbrüche bekannt“, kann die Landespolizeidirektion beruhigen.
Ich habe eine Nachricht bekommen, dass sich Leute herumtreiben und mit der Masche, sie hätten Hunger oder Durst, anläuten.
Markus Mitterbaur, Bürgermeister von Piberbach
Keinen ins eigene Haus lassen
Und auch der Chef der Diebstahlgruppe im Landeskriminalamt, Christian Schmidseder, weiß von keiner aktuellen kriminellen Serie, meint aber grundsätzlich: „Das haben wir das ganze Jahr, dass Bettler unterwegs sind. Die werden irgendwo ausgesetzt und klappern eine Siedlung nach der anderen ab. Es sind vorwiegend rumänische Staatsbürger, die von Haus zu Haus gehen und bei Gelegenheit auch Einschleichdiebstähle begehen“, so der Chefermittler. Sein Ratschlag: „Auf keinen Fall jemanden ins Haus lassen und die Polizei verständigen.“
Erst kürzlich erwischten die Ermittler die Täter einer tatsächlichen Einbruchsserie: Sechs junge Männer, vorwiegend aus Wels und Umgebung, brachen seit November reihenweise in Schulen und Kindergärten ein – die „Krone“ berichtete. Einbrüche in Wohnungen und Häuser haben im langjährigen Schnitt österreichweit hingegen abgenommen. 2014 gab es deswegen noch 17.110 Anzeigen, im Jahr 2023 waren es 7647.
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