Mehr als 3600 betroffene Mitarbeiter, von denen 750 ihren Job verlieren werden – das ist das bislang bekannte Ausmaß der Insolvenz bei Motorradhersteller KTM. Zulieferern der Mattighofener droht der große Aderlass, auch in anderen Branchen und Betrieben kriselt es. Die Situation lässt auch die Reisebranche zittern.
Ein Rekordsommer 2024, nach drei Quartalen 24,1 Millionen Passagiere und damit ein Plus von mehr als sieben Prozent, der Umsatz im Steigflug Richtung der Milliarden-Marke – all das könnten für Flughafen-Wien-Vorstand Julian Jäger Gründe sein, sich entspannt zurückzulehnen. Das tut der Manager aus Pupping aber nicht.
Denn Jäger verschließt die Augen nicht vor der wirtschaftlichen Entwicklung in Österreich, die für Krisenmeldungen in Serie sorgt: die Insolvenz bei KTM, das Sparpaket bei Autozulieferer Stiwa, die Entscheidung von Schaeffler, das Werk in Berndorf zu schließen, dazu Kostensenkungs-Pakete und Effizienzsteigerungs-Programme wohin man schaut.
„Ich denke, als Europa und als Wirtschaftsnation müssen wir sehr darum kämpfen, den Wohlstand zu erhalten, den wir uns erarbeitet haben“, sagt Jäger. Ob man am Flughafen Wien schon spürt, dass sich die heimische Industrie in der Rezession befindet und die Krisensymptome immer sichtbarer werden? „Bei den Flughäfen kommt das ein bisschen später an. Die ersten, die so eine wirtschaftliche Eintrübung spüren, sind die Airlines. Denn die sehen es jeden Tag im Ticketpreis, den sie durchsetzen. Was ich derzeit höre, ist, dass die Buchungen für Weihnachten und das erste Quartal sehr gut sind“, sagt der 53-Jährige. Doch was kommt danach?
Wir haben uns sehr, sehr schnell von der Pandemie erholt, sind in der aktuellen Situation sehr, sehr zufrieden. Doch wir rechnen damit, dass es schwieriger wird, weiterzuwachsen.
Julian Jäger, Vorstand des Flughafens Wien, über den Ausblick auf 2025
„Rechne mit Rahmenbedingungen, die schwieriger werden“
Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt, die Firmen stehen auf der Kostenbremse oder sind überhaupt ins Wanken geraten – das wird Spuren hinterlassen. „Ich rechne mit Rahmenbedingungen, die schwieriger werden“, sagt Jäger. Denn wenn Menschen weniger Einkommen zur Verfügung steht, müssen auch die Ticketpreise nachgeben. Das wiederum trifft die Airlines, die ihre Kapazitäten in solchen Fällen anpassen. Wie solche Kapazitätsanpassungen aussehen können? Das sei von Airline zu Airline unterschiedlich, so der Flughafen-Wien-Chef. Möglich wäre, dass Frequenzen reduziert werden, weniger Flugzeuge stationiert werden oder „dass man Wachstum, das man vorhatte, nicht stattfinden lässt“.
Welche Stimmung nimmt ein Regionalflughafen wie Linz wahr? „Alle sind nervös, was den Sommer 2025 angeht, weil keiner weiß, wie sich die Arbeitslosigkeit auswirken wird“, berichtet Norbert Draskovits, Geschäftsführer des Flughafens Hörsching.
Frankfurt-Comeback gut angelaufen
Seit 28. Oktober hat Linz dank Ryanair eine zweimal wöchentliche Verbindung nach London-Stansted dazu bekommen. Darüber hinaus startete am selben Tag auch Austrian Airlines mit Flügen nach Frankfurt, setzt dafür eine Maschine der Braathens Regional Airlines ein. Das erste Fazit? „Die Auslastungen sind erfreulich gut, die Zahlen werden von Woche zu Woche besser“, sagt Draskovits. Die Passagiere kehren schneller zurück als gedacht.
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