Mutige Zeugin im Landl

Rocker-Prozess: Alle haben Angst, außer „Mutti“

Gericht
25.09.2024 20:29

Viele Zeugen haben im Prozess gegen ein mutmaßliches Hells-Angels-Trio Erinnerungslücken. Im großen Schwurgerichtssaal im Wiener Landesgericht regiert auch am zweiten Prozesstag die Angst. Nur eine Lokalangestellte bleibt bei ihrer Aussage cool. 

„Ich kann nichts dazu sagen“, „Das weiß ich nicht“, „Ich erinnere mich nicht“. Sätze, die im Prozess gegen drei mutmaßliche Hells-Angels-Rocker bei den verängstigt wirkenden Zeugen ständig fallen. Ein Oberösterreicher soll gar mit dem Tod bedroht worden sein, für den Fall, dass er im Prozess etwas sagt. Er musste von der Polizei bei der Fahrt aus Linz ins Wiener Landl begleitet werden und traut sich nur in Abwesenheit der drei Angeklagten aussagen.

Die drei Angeklagten werden von Philipp Wolm, Philipp Wohlmacher und Andreas Mauhart (v. li.) ...
Die drei Angeklagten werden von Philipp Wolm, Philipp Wohlmacher und Andreas Mauhart (v. li.) vertreten.(Bild: Anja Richter)

„Des geht ned guat“
Nur eine Zeugin fällt aus der Reihe: „Mutti“, wie die Bistrodame jenes Tanzcafés in Oberösterreich genannt wird, wo die Bande in der Nacht auf 17. September 2023 randaliert haben soll. Dabei wurden der DJ, der Betriebsleiter und Gäste zusammengeschlagen und verletzt: „Des geht ned guat“, habe die selbstbewusste Zeugin zum Chef gesagt, als sich die Rocker formierten. Sie sei in die Küche gelaufen, um alle Messer und Pizzaroller zu verstecken. Im nächsten Moment sei die Rauferei losgegangen.

Den Mandanten von Anwalt Philipp Wolm will die Frau eindeutig erkannt haben: „Das is a. Die Tätowierungen haben sich so eingeprägt“, sagt die Frau über den zwei Meter großen Hünen aus Deutschland. „Ich hab ihn sicher gesehen. Er wollte am Damenklo telefonieren.“ Der Erstangeklagte selbst sagt, an jenem Abend gar nicht in dem Lokal gewesen zu sein. Im Gegensatz zu Dutzenden seiner mutmaßlichen Rocker-Kollegen, die das Lokal an jenem Abend in Beschlag genommen haben sollen. „Beim Gehen haben sie gerufen: Wir kommen wieder“, erinnert sich die Zeugin. 

Schutzgeld-Erpressung nicht nachweisbar
Weg fällt am zweiten Prozesstag in Wien der Tatbestand „Schwere Erpressung“ – kein Betroffener will die Schutzgelderpressung im Gericht bestätigen. Der spektakuläre Fall, bei dem im Gericht schwerbewaffnete Beamte den Prozess sichern, dreht sich aber unter anderem noch um kriminelle Vereinigung, Wiederbetätigung, schwere Körperverletzung und Suchtgifthandel. Vertagt.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Gericht
25.09.2024 20:29
Loading

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt