Rocker vor Gericht

Noch 3960 Seiten bis zum Urteil im Drogenprozess

Vorarlberg
30.08.2024 09:50
Porträt von Chantal Dorn
Von Chantal Dorn

Beim Prozess um einen Vorarlberger Ex-Motorradklubpräsidenten, der Drogendeals im großen Stil abgewickelt haben soll, wurde am Donnerstag am Landesgericht Feldkirch kein Urteil gefällt – stattdessen müssen sich alle Beteiligten wohl auf ein schier endloses Verfahren einstellen. 

Einer der größten Drogenprozesse der vergangenen Jahre in Österreich ist am Donnerstag am Landesgericht Feldkirch nach zweieinhalb Stunden auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Der Grund dafür: Die drei Anwälte des 39-jährigen Angeklagten hatten sich gegen eine Verlesung des zusammengefassten Aktes ausgesprochen.

Was bedeutet, dass es einige Verhandlungstage mehr brauchen wird, bis der Richter das 3960 Seiten starke Gesamtwerk vorgetragen hat und – so Gott will – ein Urteil gefällt werden kann. „In dem Fall werden wir in den nächsten Verhandlungen ein bisschen lesen“, verkündete der vorsitzende Richter des Schöffensenates, Alexander Wehinger, und vertagte den mit Spannung erwarteten Prozess.

Für den Angeklagten aus dem Raum Bregenz geht es um 15 Jahre Haft. Als mutmaßlicher Drahtzieher eines weit verzweigten Drogenrings soll der bislang Unbescholtene im Zeitraum von 2020 bis 2021 Kokain und Cannabis im Gesamtwert von rund 2,5 Millionen Euro von Spanien über Deutschland nach Österreich geschmuggelt haben.

Lange Liste an Vergehen
Weiters legt die Staatsanwaltschaft Feldkirch dem Mann zur Last, er habe die Weitergabe von 50 Kilogramm Kokain und 63 Kilo Cannabis vermittelt und in einem Fall auch selbst vorgenommen. Darüber hinaus wird der Familienvater verdächtigt, vier Kilo Kokain zum Kauf angeboten zu haben.

Zudem soll er mit dem Besitz eines Teleskopschlagstocks und eines Schlagrings gegen das Waffengesetz verstoßen haben. Im Prozess am Donnerstag schweigt der Beschuldigte eisern und lässt stattdessen sein Staraufgebot an Anwälten – Roland Kier, Andreas Schweitzer und Olivia Lerch – reden. Dabei halten die Verteidiger mit ihrer Kritik am Verfahren nicht hinterm Berg: „Die Anklage stützt sich ausschließlich auf von französischen Polizeibehörden sichergestellte Server mit Chatnachrichten über Kryptomessengerdienste des Angeklagten mit mutmaßlichen Lieferanten und Abnehmern“, so Lerch.

Nachdem das Gericht mehrere Anträge der Verteidigung, etwa die Aushändigung jener von der französischen Polizei sichergestellten Rohdaten, als Erkundungsbeweis abtut und ablehnt, stellt Verteidiger Schweitzer in Richtung Staatsanwalt klar: „Es gibt einen Erlass des Europäischen Gerichtshofes, dass die Rohdaten im Sinne eines fairen Verfahrens dem Angeklagten für Verteidigungszwecke zur Verfügung gestellt werden müssen, damit er Stellung beziehen kann.“

Großes Sicherheitsaufgebot
Der Drogenprozess gegen den Ex-Rockerboss fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen im Beisein etlicher Exekutivbeamter statt. Mehrere im Jänner verhaftete Tatverdächtige des Drogenrings wurden bereits zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

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