Immer mehr Verbrechen im digitalen Raum, auch Cybercrime genannt, werden bei der Polizei angezeigt. Damit Beamte im ganzen Land wissen, was in solchen Fällen zu tun ist, wurde in Linz das erste Cybercrime Training Center Österreichs errichtet. Am Montag wurde es erstmals voll in Betrieb genommen.
Während die generelle Kriminalität sinkt, sind Internet-Verbrechen stark im Steigen. Alleine im Vorjahr wurden bundesweit rund 66.000 Fälle angezeigt, ein Anstieg von 9,4 Prozent zum Jahr 2022. Bei der Aufklärungsquote gibt es Nachholbedarf: Im Vergleich zu rund 60 Prozent bei allen Verbrechen werden nur 30 Prozent der Cybercrime-Delikte jemals aufgeklärt.
Aufrüstung gegen Cybercrime
Um hier nachzubessern, hatte man in Linz im Zuge der groß angelegten Kriminaldienstreform 800.000 Euro in ein eigenes Cybercrime-Trainingscenter investiert. In der Landespolizeidirektion in der Gruberstraße wurden drei Räume eigens zum Zweck der Fortbildung eingerichtet. „Nicht nur in Linz, sondern auch in Bad Goisern, Rohrbach und Grein sollen Beamte wissen, wie man bei Delikten im digitalen Raum handeln kann, worauf man bei Hausdurchsuchungen achten sollte und wie man im Internet Spuren sichert“, betont Landespolizeidirektor Andreas Pilsl.
Interaktive Workshops
Doch bei den Lektionen handelt es sich nicht um „Frontalvorträge“ im herkömmlichen Sinn: Die Grundausbildung, bestehend aus sieben Modulen, wird in einem viertägigen Workshop absolviert. Zwei Trainer betreuen dabei bis zu zwölf Wissbegierige, die in allen Belangen auch gleich selbst Hand anlegen dürfen. Auch ein Arbeitsplatz ist vor Ort aufgebaut, wo die Beamten Hausdurchsuchungen üben können.
Großes Interesse
Die Teilnahme ist aber nicht verpflichtend: „Jeder weiß, wie viel man von einer Schulung mitnimmt, die einen überhaupt nicht interessiert. Stattdessen setzen wir hier auf Mundpropaganda“, erläutert CCTC-Leiter Günter Fabian. Zuerst kommen die rund 650 Freiwilligen (von landesweit rund 4500 Polizisten) zum Zug.
Viel zu sehen
Dabei soll auch eine kleine Ausstellung helfen: In einer Vitrine befindet sich eine Auswahl von „smarten“ Geräten, die mithilfe von Kameras und allerlei Sensoren Daten sammeln, die im Rahmen einer Ermittlung von Bedeutung sein könnten. Hier können unter anderem smarte Hauben, ein Staubsaugerroboter mit Fernsteuerung, Kamera- und Telefonfunktion sowie ein voll vernetzter Kühlschrank unter die Lupe genommen werden.
Eines pro Bundesland
Vorläufig werden in Linz Beamte aus ganz Österrreich ausgebildet. Anschließend soll jedes Bundesland ein eigenes Cybercrime Training Center betreiben.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.