Wien leidet aktuell unter dem enormen Ansturm von Kindern aus Krisengebieten. Wurde die Lage womöglich falsch eingeschätzt?
In Wien werden gerade Containerklassen gebaut. Die sind nötig, weil monatlich Hunderte Kinder im Rahmen des Familiennachzugs in die Stadt kommen. Wie konnte der Stadt diese Entwicklung entgehen? Warum war man nicht vorbereitet?
Offene Antwort im Landtag
Das war diese Woche auch Thema im Wiener Landtag. So gab Integrationsstadtrat Christoph Wiederkehr in der Fragestunde offen zu: „Die Familienzusammenführungen waren nicht unerwartet. Wir sind schon vor der Pandemie davon ausgegangen, dass die Zahlen stark steigen werden.“ Verlassen habe man sich auf die Schätzungen des Internationalen Roten Kreuzes, denn auch die Daten auf Bundesebene wären „mehr als unzureichend“ gewesen. Die Pandemie habe wegen Kontaktbeschränkungen und geschlossenen Auslandsvertretungen viele Fälle anstauen lassen.
Aktuell gibt es einen Datenaustausch zumindest von den Personen, die eine Einreisebewilligung bekommen haben oder noch im Verfahren sind. Wir wissen aber nicht wie viele zum Beispiel bei den Botschaften noch keinen Termin bekommen haben, diese Anzahl an Personen ist nicht einmal zu schätzen, weil wir wissen es einfach nicht.

Integrationsstadtrat Christoph Wiederkehr (Neos)
Bild: Martin A. Jöchl
Kritik von der ÖVP
Kritik gibt es von der Opposition. ÖVP-Integrationssprecherin Caroline Hungerländer: „Die Stadt ist sehenden Auges ins Unglück gerannt und hätte viel früher entsprechende Maßnahmen ergreifen müssen.“
„Wir wissen nicht wieviele noch kommen“
Und es könnte sogar noch schlimmer kommen. Wiederkehr mit einem düsteren Ausblick: „Wir wissen aktuell nicht, wie viele bei den Botschaften noch keinen Termin bekommen haben. Diese Anzahl an Personen ist nicht einmal einzuschätzen – weil, wir wissen es einfach nicht.“
Die „Flucht“ aus den Bundesländern
Doch nicht nur hier tappt Wien weiter im Dunkeln. Denn auch die „Flucht“ aus den Bundesländern nach Wien wird wegen des Neins zur Residenzpflicht nicht weniger werden. Die „Krone“ hat die Zahlen aus dem Vorjahr. Erschreckend: So machen sich drei von vier Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten aus Oberösterreich nach Anerkennung des Schutzstatus auf den Weg nach Wien (Grafik). Das geht aus den Zahlen des Österreichischen Integrationsfonds hervor. Und das, obwohl auch in den Bundesländern Deutschkurse angeboten werden. Auf Wien kommen in dem Bereich noch deutlich größere Herausforderungen zu.
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