Kampf um jeden Euro

Firmenpleiten um 82,4 Prozent gestiegen

Vorarlberg
13.06.2024 06:25

Betroffen sind nach Angaben des KSV1870 vor allem Bauwirtschaft, Handel, Gastro- und Beherbergungsbetriebe.

Eine sich häufig eintrübende Geschäftslage, sinkende Umsätze und fehlende Aufträge haben dazu geführt, dass sich das Insolvenzaufkommen innerhalb des ersten Halbjahres 2024 deutlich erhöht hat. „Der wirtschaftliche Druck steigt und Vorarlbergs Unternehmen müssen um jeden Euro kämpfen. Für immer mehr Betriebe spitzt sich die Lage zu“, erklärt Regina Nesensohn, Leiterin des KSV1870 Standort Feldkirch. Zum Halbjahr verzeichnet Vorarlberg 93 Firmenpleiten, was einem Anstieg von 82,4 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres entspricht.

Probleme gibt es vor allem in der Bauwirtschaft, wo bisher 18 Pleiten (+ 12 Fälle) zu verzeichnen sind. Knapp dahinter folgen Kfz-Werkstätten mit 16 Insolvenzen (+ 4 Fälle). Zudem mussten zehn Beherbergungs oder Gastronomiebetriebe Insolvenz anmelden – immerhin vier weniger als noch im ersten Halbjahr 2023. „Diese drei Branchen geben in der Insolvenzstatistik seit vielen Jahren den Ton an und sind fast für die Hälfte aller Fälle verantwortlich“, weiß Nesensohn. Angesichts eines in Österreich recht hohen Preisniveaus, etwa beim Faktor Energie, leiden diese Branchen besonders.

Die Schäden für die Gläubiger hätten im Vergleich zum Vorjahr stark zugenommen. Rund 80 Millionen wurden in Summe von den Pleitefirmen gefordert. Der Anstieg um 220 Prozent ist laut Nesensohn durch drei Millionenpleiten (König, Inside96 und Fleco Metallbau) im ersten Halbjahr 2024 entstanden.

80 Millionen Euro

betragen die Gläubigerforderungen im ersten Halbjahr. Allein die Firma König meldete 21 Millionen Euro an Verbindlichkeiten.

140 Unternehmenspleiten bis Jahresende erwartet
Die Expertin des KSV1870 geht davon aus, dass sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auch in den kommenden Monaten auf ähnlich hohem Niveau bewegen wird. „Es ist damit zu rechnen, dass wir im Dezember 2024 über ein Insolvenzjahr sprechen müssen, das es in der jüngeren Vergangenheit schon lange nicht mehr gegeben hat“, prognostiziert Nesensohn. Bis Jahresende rechnet sie mit mindestens 140 Unternehmenspleiten.

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