„Machen wir gerne“
Billigflieger-Chef will Abschiebeflüge durchführen
Ryanair-Chef Michael O‘Leary ist für ausgefallene Marketingaktionen bekannt, nun mischt er sich in eine aktuelle politische Debatte ein. Während Großbritannien noch über die umstrittenen Abschiebeflüge nach Ruanda debattiert, bietet er gleich seine Maschinen dafür an – aber nur mit einem Haken.
Die Aktion wäre dabei durchaus heikel – der Plan der britischen Regierung sieht nämlich vor, einstweilige Verfügungen des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ignorieren und illegal eingereiste Migranten über den Luftweg nach Ruanda abzuschieben.
Wie „Bloomberg“ nun berichtete, möchte der Billigfluganbieter Ryanair dabei ein Stück weit mitverdienen. Man wolle diese Flüge „gerne“ durchführen, erklärte Firmenchef O‘Leary dem Blatt. Es habe zwar noch keine Gespräche mit der Regierung dazu gegeben, man sei aber bereit, freie Flugzeuge dafür abzustellen, erklärte er weiter.
Flüge „gern“, aber nur im „Winterflugplan“
Allerdings mit einer wesentlichen Einschränkung: Die Abschiebeflüge sollen demnach nur im „Winterflugplan“ von Ryanair durchgeführt werden, wenn das Unternehmen auch ausreichend freie Flugzeuge zur Verfügung habe, in den Sommermonaten ginge sich das nicht aus, so O‘Leary.
Fraglich ist bei den Äußerungen einmal mehr, wie ernst der Firmenchef es mit seinem Angebot nimmt, gelten polarisierende Wortmeldungen doch als sein Markenzeichen. So bezeichnete er zuletzt etwa die Sorgen wegen des Klimawandels als „völligen Quatsch“ oder meinte öffentlichkeitswirksam, bald eine Extra-Gebühr für übergewichtige Passagiere einführen zu wollen.
Abschiebeplan entzweit Großbritannien
Dass er aber so aktuell eine politische Diskussion aufgreift scheint ungewöhnlich, das Thema an sich entzweit aber jedenfalls die Debatte in Großbritannien. Das britische Parlament hatte erst in der Nacht auf Dienstag nach langem Streit die Abschiebepläne gebilligt. Premier Rishi Sunak erhofft sich dadurch, Migranten von der gefährlichen Überfahrt über den Ärmelkanal abzuschrecken.
Experten bezweifeln jedoch, dass das Vorhaben den gewünschten Effekt haben wird. Kritisiert wird auch, dass Großbritannien Hunderte Millionen Pfund an Ruanda zahlt, aber vermutlich nur ein Bruchteil der irregulär eingereisten Menschen abgeschoben wird. Zudem ist das Unterfangen mit hohen rechtlichen Unsicherheiten behaftet. Einen ersten Anlauf für einen Asylpakt mit Ruanda hatte vor zwei Jahren der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) mit einer einstweiligen Verfügung gestoppt.









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