„Feuern & einsperren“

Dammbruch in Russland: Protest gegen die Behörden

Ausland
09.04.2024 11:40

Dammbrüche haben in mehreren Regionen Russlands zu verheerenden Überschwemmungen geführt. In der schwer getroffenen Großstadt Orsk hat sich deswegen die Wut auf die Behörden entladen, Bewohner sammelten sich zu einer Demonstration (siehe auch Video oben) – ein seltener Anblick im autoritären Russland.

Hunderte Menschen demonstrierten am Montag vor dem Rathaus und warfen den Behörden Versagen vor. „Schande! Schande“, skandierten sie, wie das kremlkritische Portal „Ostoroschno, Nowosti“ berichtete. Die Einwohner kritisierten, dass der Damm, für den nach offiziellen Angaben viel Geld ausgegeben wurde, dem Hochwasser nicht standgehalten haben.

Verantwortliche „gehören entlassen und eingesperrt“
„Menschen nehmen jetzt ein Risiko in Kauf, um sich gegenseitig zu helfen. Egal, was es sonst für Streitigkeiten gibt. Von unserer Verwaltung können wir das nicht behaupten. Sie hat nicht nur die Schande zu tragen, sie gehört entlassen und eingesperrt“, so ein wütender junger Mann bei der Demo.

Vor dem Rathaus in Orsk standen sich Demonstranten und Polizisten gegenüber. (Bild: kameraOne/OSTOROZHNO NOVOSTI)
Vor dem Rathaus in Orsk standen sich Demonstranten und Polizisten gegenüber.

Entschädigung versprochen
Der Bürgermeister und der Gouverneur der Region Orenburg, Denis Pasler, trafen sich schließlich zu Gesprächen mit einer Delegation der empörten Bürger, die Entschädigungen verlangten. Laut Staatsagentur TASS versprach der Gouverneur Bewohnern, die ihre Häuser wegen der Flut verlassen mussten, eine Ausgleichszahlung von 10.000 Rubel (knapp 100 Euro) pro Monat für insgesamt sechs Monate.

Zur Wut in Orsk mischte sich Spott für den russischen Zivilschutzminister Alexander Kurenkow: Er fuhr in einem pompösen Hochwasserboot durch die überfluteten Straßen, um sich ein Bild von der Lage zu machen, während sich die Einwohner mit Kajaks und Gummibooten abhelfen mussten.

Mittlerweile habe der Hochwasserscheitel Orsk passiert und werde bis zum Mittwoch kommender Woche in der Region um die Gebietshauptstadt Orenburg liegen, teilte das Zivilschutzministerium mit. Nach Angaben der Orenburger Stadtverwaltung erreichte das Wasser Montag früh einen Stand von 8,93 Meter – als kritisch gilt eine Marke von 9,30 Meter. Der Bürgermeister sagte, die Situation werde sich in den kommenden zwei Tagen nur noch verschlechtern.

Rekord-Hochwasser
Wie der stellvertretende Zivilschutzminister Viktor Jazuzenko sagte, soll es sich um ein Rekord-Hochwasser handeln. Ein derartig hoher Wasserstand sei bei dem Fluss Ural noch nie zuvor festgestellt worden. Präsident Wladimir Putin ordnete die Bildung einer Sonderkommission der Regierung an, die sich um die Bewältigung der Folgen des Hochwassers kümmern soll.

Mann ertrunken
Betroffen ist nicht nur das Gebiet um Orenburg. Das Zivilschutzministerium warnte vor einer Hochwassergefahr in Tjumen im Westen Sibiriens. Auch dort bereite man sich auf Evakuierungen vor. In Kurgan im Südwesten Sibiriens wurde teilweise der Ausnahmezustand verhängt, weil dort der Fluss Suer über die Ufer getreten ist. In dem Dorf Sekisowo ertrank ein Mann, der trotz eines Verbots versucht hatte, den Fluss über eine Fußgängerbrücke zu überqueren, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Der Mann sei betrunken gewesen.

Der Gouverneur der Region rief alle Bewohner von Dörfern in der Nähe des Flusses Tobol auf, sich in Sicherheit zu bringen. „Warten Sie nicht, bis das Wasser kommt. Es kommt nachts und unerwartet, wird immer mehr, in Gestalt einer hohen Welle“, warnte der Politiker auf Telegram.

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