Großen Wirbel gab es in einer Disco, weil gebürtiger Kosovare und mittlerweile österreichischer Staatsbürger nicht reinkam. Der Türsteher redete sich auf die Kameraüberwachung aus, aber JKU-Forscher winkt ab: Eine derartige „Ausländer-Erkennung“ sei technisch unmöglich.
„Einer meiner Freunde hat mir gesagt, ein Türsteher hat mich zum Gehen aufgefordert, da ich von der Kamera als Ausländer erkannt worden bin! Auch der Türsteher hat mir das bestätigt“, sagt Bardhoku Gazmend (33) aus Zeillern über seinen gescheiterten Disco-Besuch in Amstetten (NÖ). Der Elektrotechniker, der im Kosovo geboren, aber österreichischer Staatsbürger ist, fordert mit seinem Steyrer Anwalt Hubert Niedermayr nun wegen Diskriminierung 3000 Euro Schadenersatz – wir berichteten.
Ein rassistisches Überwachungssystem – gibt’s das wirklich?
Das Vorhandensein einer derartigen Anlage in seiner Disco wird vom dem Betreiber vehement bestritten. Wir wollten wissen, ob’s zumindest theoretisch technisch möglich ist und befragten dazu René Mayrhofer, Institutsvorstand und Leiter LIT Secure and Correct Systems Lab sowie Leiter des Christian Doppler Laboratory for Private Digital Authentication in the Physical World (CDL Digidow) an der Linzer Johannes Kepler- Uni.
„Hängt vom Reisepass ab“
„Grundsätzlich kann eine hoch qualifizierte Anwendersoftware mithilfe von Biometrie, egal ob Gesichtserkennung, Fingerprints, Iris-Scan oder sogar DNA schon sehr viel erkennen. Aber: Ob jemand ein Österreicher oder ein Ausländer ist, hängt ja von seinem Reisepass und nicht von seinem genetischen Profil ab. Angesichts der Tatsache, dass es in Österreich viele Menschen mit unterschiedlicher genetischer Herkunft gibt, ist so eine Unterscheidung nach dem Aussehen schlicht unmöglich“, so der Forscher.
Der Künstlichen Intelligenz kann man vorgeben, was gefiltert werden soll. Wie sie das umsetzt, ist dann die Frage.
René Mayrhofer, Institutsvorstand, Forscher der JKU
Wäre es überhaupt legal?
Künstliche Intelligenz sei zwar auf das Erkennen von Mustern gut trainierbar, die Fehlerquote aber nicht zu unterschätzen. Mayrhofer selbst lehnt solche rassistischen Überwachungsmöglichkeiten natürlich ab, fraglich sei, ob der Einsatz überhaupt legal wäre.
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