Viel Trubel nahe Graz

“Hells Angels” sind da: Volle Hotels, eine Verhaftung

Österreich
01.06.2012 17:45
Das Eintreffen der meisten der rund 1.500 "Hells Angels" zum "World Run" am Schwarzlsee in Unterpremstätten nahe Graz ist am Freitag friedlich abgelaufen. Am Rande kam es laut Polizei allerdings auch zu zwei Zwischenfällen mit einem Verletzten und einem zertrümmerten Lokal. Laut einem deutschen Szene-Beamten sollen auch einige "hoch kriminelle Herrschaften" bei dem Treffen sein.

Bisher gab es eine Verhaftung, ein per Haftbefehl gesuchter "Höllenengel" wurde bei einer Verkehrskontrolle erkannt und festgenommen. Seitens "Hells Angels Austria" distanzierte man sich umgehend von kriminellen Machenschaften in anderen Ländern: "Wir sind hier in Österreich und die anderen sind unsere Gäste." Polizeieinsatzleiter Klaus Rexeis erklärte dazu, dass seit dem Vormittag zahlreiche Kontrollen von Bikern und Clubanhängern, die im Pkw oder mit Bussen anreisen, vorgenommen worden waren.

Die beiden Sprecher der "Hells Angels Austria" zeigten sich vor der Presse überrascht über das hohe Medieninteresse: "Das ist ein 'World Run' wie er jedes Jahr stattfindet. Es ist wie ein Betriebsausflug und darum wollen wir das nicht so sehr nach außen tragen." Sie sehen das Image der österreichischen "Höllenengel" dabei als gut an und sprechen von einem guten Verhältnis zur Bevölkerung. "Was in Deutschland oder sonst wo passiert, ist ein anderes Thema." Das Treffen bringe der Region immerhin rund 10.000 Übernachtungen. "Wir erleben oft, dass wir angepöbelt werden, weil die Leute ausprobieren wollen, wann ein 'Hells Angel' ausrastet", so einer der beiden. Auf jedem Fußballspiel oder Feuerwehrfest mit vielen Betrunkenen gehe es schlimmer zu als hier beim "World Run".

Die "81" weist Rockern den Weg
Die Kennzeichen und Jackenaufschriften der Motorradrocker zeugen von Internationalität: Brasilien, Niederlande, Russland, Italien und natürlich viele aus Österreich. Wegweiser und Eingang kommen nur mit der Zahl 81 (die Ziffern stehen für die Anfangsbuchstaben der "Hells Angels" im Alphabet) als Hinweis aus.

Präsent sind die "Hells Angels" nicht nur am Gelände des Schwarzl Freizeitzentrums, sondern auch in Graz. Beinahe vor jedem Hotel oder Pension in den südlichen Bezirken und den Umlandgemeinden waren Freitag früh die mehrheitlich schwarzen Maschinen aufgestellt. Hier kam es auch zu den ersten Zwischenfällen, die der Polizei als Anzeigen vorliegen - noch bevor der "Lake Side Run" überhaupt begonnen hatte.

Mit Porsche Motorrad umgestoßen
Der erste Zusammenstoß ereignete sich kurz nach Mitternacht in Kalsdorf bei Graz, als ein 44-Jähriger mit seinem Porsche vor einem Lokal das Motorrad eines "Hells Angel" umstieß. "Ich hab' geglaubt, ich bin im falschen Film", so der Steirer zu seiner Begegnung mit "schrecklichen Menschen".

"Ich bin mit meinem Porsche retour gefahren, hab' trotz der Rückfahrkamera das Motorrad hinter mir nicht gesehen und es mit der Stoßstange leicht angeschubst. Im Nu war ich von sechs Lederjacken umringt", erzählte der Steirer. "Sie haben das Auto fotografiert und mich nicht aussteigen lassen. Ich hab' das Fenster heruntergekurbelt und dann den ersten Faustschlag meines Lebens verpasst bekommen."

Wirt die Nase gebrochen: "Was sind das nur für Menschen?"
Der Wirt wollte zweimal den Streit schlichten und wurde zweimal von einem unbekannten Typen niedergeschlagen: "Meine Nase ist gebrochen – was sind das nur für Menschen?" Schließlich wurden zwischen dem Autolenker und dem Motorradbesitzer die Daten "ausgetauscht", allerdings nur einseitig: "Er weiß jetzt, wo ich daheim bin, ich kenne seinen Namen nicht."

Gegen 5 Uhr wurden neun "Hells Angels" in einem Lokal in Graz-Straßgang von einem Unbekannten angepöbelt, woraufhin sie Sessel, Tische und Gläser umwarfen und den Zigarettenautomaten, einen Flachbildschirm und einen Spielgel zertrümmerten. Sie verschwanden ebenfalls noch vor dem Eintreffen der Polizei. Und am Grazer Schönaugürtel rauften sie untereinander und flüchteten dann – sie werden halt auch schon alt – in einem Taxi.

Deutscher Insider: "Die Creme de la creme ist gekommen"
Die steirische Polizei wird bei ihrem Einsatz beim "World Run" neben Verstärkung aus anderen Bundesländern auch von internationalen Kollegen und szenekundigen Beamten unterstützt. Einer von ihnen, ein Polizist aus Berlin, der inkognito bleiben wollte, erklärte: Die "Creme de la creme" der Rocker sei zum Treffen in die Steiermark gekommen. "Die schweren Jungs sind an ihren Lederjacken zu erkennen. Einer der Aufnäher bedeutet, dass das Mitglied schon einmal ein Tötungsdelikt begangen hat", so der Polizist.

Der "World Run" finde nach Auskunft des Deutschen nicht zufällig in Österreich statt: "Die 'Hells Angels' fühlen sich in Österreich wohl, denn hier gab es noch nie Ärger mit der Polizei und daher haben sie auch nicht viel zu befürchten." Der szenekundige Beamte stellte im Laufe des Tages immer wieder bekannte Gesichter in der Menge fest: "Der da z.B. hat vermutlich vor drei Jahren einen erschossen, aber wir können es ihm nicht nachweisen."

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