Haftzeit „erspart“

Mildes Urteil nach Missbrauch mit schweren Folgen

Oberösterreich
14.09.2023 07:00

Ex-Politiker aus dem Traunviertel (Oberösterreich) musste erneut in Steyr vor Gericht. Eines seiner Opfer hatte schwere Körperverletzung erlitten, das wurde erst jetzt klar. Die Verfahrens-Teilung erspart ihm viel Zeit im Knast, aber der Angeklagte nahm das milde Urteil auch nicht an.

Frauen am öffentlichen WC in Weyregg am Attersee heimlich gefilmt, eine Frau zu Hause missbraucht und gefilmt. Dafür war ein 62-jähriger Ex-Gemeinderat aus dem Traunviertel am Landesgericht Steyr zu 30 Monaten, zehn „scharf“, verurteilt worden. Die Strafe hat er abgesessen, kam früher „raus“, musste den Führerschein noch für drei Monate abgeben, bekommt ihn kommenden Montag zurück. Doch bei diesem Prozess war ein Faktum noch offen geblieben. Ein zweites Opfer, das unabhängig vom anderen im Vollrausch sexuell missbraucht worden war - der Angeklagte hatte die Volltrunkene nach einer Party mit nach Hause genommen und ihre Lage ausgenutzt. Aber es war unklar, ob eine schwere Körperverletzung entstanden war.

Bedachtnahme auf früheres Urteil
Nun bescheinigte das Gutachten: psychische Folgen - eine Depression und posttraumatische Störung - länger als 24 Tage und damit eine schwere Körperverletzung. Für dieses Delikt drohen fünf Jahre Mindeststrafe. „Die Teilung des Verfahrens ist für die Staatsanwaltschaft nicht glücklich“, meinte der Ankläger beim Prozess. Denn der Richter muss auf das frühere Urteil „Bedacht nehmen“. Der Anwalt forderte eine bedingte Strafe, weil der Angeklagte allen Weisungen folge, voll geständig sei und bei der Aufklärung mitgeholfen habe. Es war bei ihm das Missbrauchs-Video gefunden worden, als die Polizei wegen der WC-Fotos ermittelte. Die Frau hatte von der Tat nichts mitbekommen! Selbst der Vertreter des Opfers, das schon vor der Tat mit psychischen Problemen und Alkoholmissbrauch zu kämpfen hatte, forderte wenig bis kaum Haft: „Sonst muss meine Mandantin noch lange auf ihr Geld warten.“ Er verlangte 10.000 €, 3000 Euro wurden bezahlt.

Teichtmeister-Vergleich
Einem Vergleich mit Florian Teichtmeister, der wegen der „öffentlichen Ächtung“ milder bestraft wurde, folgte der Richter nicht. 
Doch wegen des ersten Urteils gab es erneut nur 30 Monate, davon zehn unbedingt. Ergibt zwar fünf Jahre Haft, aber zweimal zehn Monate teilbedingt. Bei guter Führung also kaum mehr als ein Jahr hinter Gittern. Ansonsten ist es üblich, dass erst nach der Hälfte der Strafe eine vorzeitige Entlassung gewährt wird - das wären in diesem Fall also mindestens zweieinhalb Jahre im Knast. Das damit milde Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.



Kostenlose Spiele