13.01.2012 17:03 |

Epische Online-Saga

Sternenkrieg für alle: "Star Wars: The Old Republic"

"Star Wars"-Fans sind ein eigenes Völkchen - viele von ihnen kennen die Filme auswendig, haben sich über die neuesten Teile mokiert und sehen in der Saga so etwas wie heiliges Gut. Ende Dezember ist nun "Star Wars: The Old Republic" angetreten, um diese kritischen Anhänger in den Online-Sternenkrieg zu verwickeln - eine wahrhaft epische Fortführung der Jahrtausende umfassenden Geschichte.

"Star Wars: The Old Republic" setzt etwa 300 Jahre nach den "Knights of the Old Republic"-Rollenspielen ein, also ungefähr 3.600 Jahre vor den Geschehnissen der Filme. Vor einigen Jahren wurde die Galaxie durch einen verheerenden Krieg zwischen Sith-Imperium und Republik erschüttert, seither herrscht ein brüchiger Friede. All das erfährt der Spieler in fantastischen Introsequenzen, Vorwissen ist also nicht nötig. Fans der "KOTOR"-Reihe werden dennoch immer wieder durch Hinweise belohnt.

"SWTOR" ist wohl eines der letzten Online-Games mit klassischem Abo-Modell - für den Spieler bedeutet das zwar, dass pro Monat je nach Bezahlweise 11 bis 13 Euro (zusätzlich zum Anschaffungspreis) fällig werden. Dafür kann er sich sicher sein, das Game in vollem Umfang spielen zu können, ohne später für Gegenstände, schnelleres Leveln o.ä. zur Kasse gebeten zu werden. Zudem sind einander so alle Spieler gleichgestellt - niemand kann sich durch echtes Geld unfaire Vorteile erkaufen.

Bevor es losgeht, muss sich der Spieler jedoch für eine Seite und eine von insgesamt acht Klassen (je vier pro Seite) - von Jedi-Ritter über Sith-Krieger bis Kopfgeldjäger, Trooper und mehr - entscheiden, die sich ab Level zehn in jeweils zwei Unterklassen aufteilen. Die Klasse entscheidet über die Geschichte, die der Spieler erlebt, ebenso wie über die Rolle, die er im Kampf einnimmt. Schließlich kann "SWTOR" zwar über weite Strecken allein gespielt werden und fühlt sich so auch wie ein Singleplayer-Rollenspiel an, macht jedoch zumindest an Vier-Spieler-Flashpoints (Dungeons) und "Operationen" (Schlachtzüge) für acht bis 16 Spieler eine Gruppe nötig.

So ist bei der Wahl der Klasse darauf zu achten, ob man lieber als Tank den Schaden kassiert und so seine Teammitglieder beschützt, Schaden austeilt oder als Heiler für die Gruppe sorgt. Zudem unterscheiden sich die Klassen in Nah- und Fernkämpfer - während manche wie der Trooper auf schwere Rüstungen und Riesenkanonen setzen, schlagen etwa imperiale Agenten aus dem Hinterhalt zu, Sith-Krieger und Jedi-Ritter dagegen werfen sich mitten ins Geschehen.

Eigener Handlunsstrang für jede Klasse
Jede Klasse hat einen ganz eigenen Handlungsstrang, die perfekt an die Idee der Klasse angepasst ist. So sieht sich ein Jedi-Ritter etwa als kämpfender Retter der Galaxis, während der Jedi-Botschafter auf Wissensuche geht. So hat jede Klasse eigene Missionen zu erfüllen, viele Aufgaben sind jedoch für viele Spieler einer Seite gleich. So lässt es sich etwa zu zweit als Jedi-Ritter und Jedi-Botschafter prima durch die Welt ziehen, da man sich nicht nur im Kampf ergänzt, sondern auch die meisten Missionen von beiden zu erledigen sind. Seine Faszination aber zieht "SWTOR" aus den klassenspezifischen Missionen. Denn wer etwa als Kopfgeldjäger unterwegs ist, bekommt vom Kampf zwischen heller und dunkler Seite lange Zeit kaum etwas mit. Schließlich ist er damit beschäftigt, an der großen Jagd teilzunehmen...

Einfaches Kampfsystem setzt auf Taktik
Doch bevor es so weit ist, geht es auf verschiedenen Startplaneten daran, die Welt schrittweise zu erkunden. Schnell kommen neue Fähigkeiten hinzu, die der Spieler im Kampf betätigt. Der ist bewusst einsteigerfreundlich: Man klickt auf einen Gegner, um eine einfache Attacke auszulösen, dazu kommen immer mehr Spezialangriffe, die per Shortcut-Leiste oder Tastatur ausgelöst werden. Je mehr Schaden sie anrichten, desto länger brauchen sie, um sich "aufzuladen" - so kann kein Spieler ständig Granaten werfen oder Gegner würgen.

Statt auf Geschwindigkeit und Können setzt das Kampfsystem auf Planung und Taktik. Es gilt, ein Gefühl für die verschiedenen Abklingzeiten zu erhalten und die Moves sinnvoll aneinanderzureihen. Ab Level zehn stehen mit der erweiterten Klasse drei Talentbäume zur Verfügung. Da sich pro Spielweise jedoch nur einer der drei empfiehlt und man zu einem gewissen Zeitpunkt sowieso alle Talente einer Ebene wählen muss, um in die nächsthöhere aufzusteigen, ist die Auswahl in Wahrheit beschränkt. Das ist zwar für ungeübte Spieler von Vorteil, da "verskillen" praktisch unmöglich wird, Profis jedoch wird das recht anspruchslose System unterfordern.

Der Begleiter: Crafting-Helfer mit Herz
Unterstützung – nicht nur im Kampf – erhält der Spieler schon bald vom ersten mehrerer Nichtspielercharaktere. Jeder Begleiter hat seinen eigenen Kopf und persönliche Wertvorstellungen, er meldet sich in Dialogen zu Wort und trifft eigene Entscheidungen. Handelt der Spieler immer wieder gegen den Willen des Begleiters, wird dieser in brenzligen Situationen womöglich keine Hilfe leisten, zudem bietet er einige Quests gar nicht erst an. Stellt man sich hingegen mit seinem Gefährten gut, gibt der sich besondere Mühe, es seinem Meister zu danken.

Wie der Spieler können auch die Begleiter mit Kleidung, Waffen und Upgrades aus- und aufgerüstet werden. Zudem kämpfen sie nicht nur an der Seite des Spielers, sondern sind auch Crafting-Helfer: Jeder Begleiter lässt sich in drei verschiedenen Berufen ausbilden. Er kann damit nicht nur zum Beispiel Kristalle abbauen oder herumliegende Schätze einsammeln, sondern auch allein auf Missionen geschickt werden. Von diesen bringen die Gefährten verschiedene Gegenstände oder Materialien zurück, die sie - je nach gewähltem Beruf - weiterverarbeiten. So verbessern sie Rüstungen oder stellen Kleidungsstücke, Waffen und Implantate her.

Je öfter sie diese Aufgaben erledigen, desto höherwertigere Gegenstände stellen sie her. Ebenfalls praktisch: Per Mausklick liefert der Begleiter all jene Items aus dem Inventar des Spielers beim Händler ab, die nur verkauft werden können (und nicht z.B. als Upgrades verwendet werden).

Das ist auch nötig, denn Gegenstände gibt es im Spiel zuhauf: Zu Waffen, Rüstungen, Helmen, Schuhen und Co. kommen Upgrades, Stimuli und durch den Beruf gesammelte Items – der Spieler wird mit Inventarinhalten gerade zugeworfen. Diese kann er nicht nur bei Händlern verkaufen, sondern zum Teil auch auseinanderbauen – oder aber via Kiosk (Auktionshaus) an andere menschliche Mitspieler versteigern.

Exzellente Vollvertonung
Doch zurück zur Geschichte: Die Besonderheit der Quests liegt in ihrer Präsentationsweise. "SWTOR" ist das einzige MMO, in dem sich der Spieler nicht durch Textwüsten quälen muss, denn jeder einzelne von einer Figur gesprochene Satz ist vertont. Untertitelt werden daher lediglich einige Alienrassen. Mit über 200.000 Zeilen Dialog (mehr als je zuvor in einem Spiel oder Film) hat es das Spiel ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft - und löst beim Spieler das Gefühl aus, mittendrin statt nur dabei zu sein. Schließlich sind die Sprecher exzellent, insbesondere in der englischen Version, die der Spieler auch auf deutschen Servern frei wählen kann. Auch die deutsche Sprachversion kann sich jedoch sehen lassen.

Entscheidungsfreiheit und gute Quests
Doch auch die Quests an sich sind gelungen. Zwar gibt es zahlreiche der bekannten MMO-Sammelaufgaben, doch oftmals läuft der Spieler dabei interessanten Charakteren über den Weg oder erfährt ein Geheimnis über den Auftrag, sodass er vor der Wahl steht: Will er der Wahrheit dienen, auch wenn er damit seinen Gegnern einen Vorteil verschafft? Oder ist er bereit zu lügen, um den Frieden zu wahren? In vielen Dialogen steht es dem Spieler frei, sich Gesinnungspunkte abzuholen, die bestimmen, ob er der dunklen oder hellen Seite dient. So kann auch ein Imperialer Agent Menschenleben verschonen und ein Jedi-Botschafter geldgierig und rücksichtslos agieren.

Der Wechsel auf die jeweils andere Seite, etwa die Läuterung vom Sith zum Jedi oder der umgekehrte Fall, ist jedoch nicht möglich – verständlich, würde dies doch die Spiel- und Erzählstruktur zerstören. Dass der Spieler aber ständig frei wählen kann, ob er – ähnlich wie etwa in der "Mass Effect"- oder "Dragon Age"-Reihe - lieber eine freche oder demütige, abgrundtief böse oder fröhliche Antwort gt hier aus: Die Antwort des Spielers mit der höchsten Punktzahl bestimmt, wie es weitergeht.

Verurteilt ein Gruppenmitglied in einem Dialog also eine Figur zum Tod, kann diese dennoch überleben, wenn der Mitspieler mit der höheren Würfelzahl sie am Leben lässt. Dennoch erhält jeder Spieler nur jene Punkte für die helle oder dunkle Seite, die seiner eigenen Antwort entsprechen. So kann es zwar sein, dass ein Gruppenspiel nicht so endet, wie man das selbst gewollt hätte, man muss aber keine ungewollten Gesinnungspunkte in Kauf nehmen. Insbesondere in Gruppenkämpfen mit unbekannten menschlichen Mitspielern werden Dialoge dank dieses Systems noch spannender.

Wundervolle Musik - klobige Grafik
Zur Stimmung trägt auch die fantastische Musik und der gelungene Einsatz ebendieser bei. Immer wieder sind Originalkompositionen aus den "Star Wars"-Filmen zu hören – Dramatik pur und Gänsehautmomente nicht nur für echte Fans. Da lässt sich sogar der umstrittene Grafikstil vergessen, der leider immer wieder störend wirkt. In Kämpfen sorgt ein wahres Effektfeuerwerk dafür, dass nicht ständig auffällt, wie schmucklos und leer viele Innen- und Außenlevel wirken. In Dialogen jedoch sind die oftmals viel zu flachen, emotionslosen Gesichter mit klobigen Animationen allzu deutlich – der wohl größte Minuspunkt des Spiels. Wie viel mehr möglich gewesen wäre, hätte man sich zumindest bei den Gesichtern für einen realistischeren Grafikstil entschieden, bleibt leider ein Geheimnis.

Anspruchslose Raumschlachten
Ebenfalls nicht besonders aufregend ist ein weiteres Feature, das "Star Wars"-Fans anlocken sollte: die Raumkämpfe. Jeder Spieler erhält etwa ab Level 15 ein eigenes Raumschiff, das er mit Upgrades verbessern kann. Mit diesem zieht er in All-Schlachten, die Credits und Erfahrungspunkte bringen und schick inszeniert sind. Spielerisch handelt es sich jedoch um nicht viel mehr als Moorhuhn im Universum: Wie auf unsichtbaren Schienen bewegt sich das Raumschiff, man weicht lediglich ein wenig aus und ballert auf Feinde.

PvP für Mutige
Wer nicht nur mit, sondern auch gegen menschliche Konkurrenten antreten möchte, kann dies im PvP tun. Hierzu kann er auf einem von drei instanzierten Kriegsgebieten für acht Spieler pro Seite in verschiedenen Modi kämpfen, aber auch PvP-Server stehen bereit. Etwa ab Level 25 begegnet man hier Spielern anderer Fraktionen, wo Angriffe möglich sind, wird automatisch angezeigt. Level-50-Spieler können zudem an der PvP-Schlacht um den Planeten Ilum teilnehmen. Außerdem steht auf Tattoine das Gebiet Outlaw’s Den (Grube der Gesetzlosen) für alle offen – hier ist auch der Angriff Jedi gegen Jedi, Sith gegen Sith usw. möglich.

Fazit: "Star Wars: The Old Republic" erfüllt Fans der Sternensaga sehnliche Wünsche: Einmal selbst über Tatooine und Alderaan stapfen, das eigene Lichtschwert schmieden, mithilfe der Macht Teil der epischen Geschichte sein... Dabei erlebt jeder Spieler mit seiner Klasse von Level eins bis 50 einen eigenen Handlungsstrang – das gibt's sonst in keinem MMO. Die Story wird in exzellent vertonten Dialogen vorangetrieben, zahlreiche Wendungen verlangen moralische Entscheidungen, die Begleiter überzeugen ebenso wie jene Charaktere, denen der Spieler in großen wie kleinen Quests begegnet, fantastische Musik sorgt für Gänsehautmomente – all das zieht den Spieler mitten hinein in diese Welt. Den zehn von zehn Punkten machen jedoch die klobige und schmucklose Grafik, langweilige Raumkämpfe und die mangelnde Charakterentwicklung einen Strich durch die Rechnung.

Plattform: PC
Publisher: Electronic Arts
krone.at-Wertung: 9/10

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