22.06.2022 18:30 |

In Wald nahe Kiew

Journalist von Russen „gefoltert und exekutiert“

Bereits Anfang April war bekannt geworden, dass der ukrainische Journalist Maks Levin und sein Begleiter, ein ukrainischer Soldat, nahe Kiew getötet wurden. Doch während man zuerst glaubte, dies sei während Kampfhandlungen geschehen, enthüllt nun ein Bericht von Reporter ohne Grenzen, dass die beiden von russischen Streitkräften brutal exekutiert und zuvor wohl auch gefoltert worden seien ...

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Vor dem Dorf Moschtschun rund 20 Kilometer vor Kiew hatte es im März heftige Kampfhandlungen gegeben, ein russischer Konvoi hatte versucht, Richtung Hauptstadt vorzudringen. Noch immer liege überall Kriegsmaterial herum, die Hälfte der Häuser in der Gegend sei komplett zerstört, berichten die Ermittler von Reporter ohne Grenzen. Sie untersuchten das Verschwinden und den Tod von Maks Levin, einem ukrainischen Fotojournalisten und seinem Begleiter, einem ukrainischen Soldaten.

Beweise für kaltblütige Exekution
Ihre Leichen waren am 1. April in einem Waldstück entdeckt worden. Eine Untersuchung ergab, dass die beiden bereits am 13. März getötet worden waren. Nun entdeckten zwei Ermittler von Reporter ohne Grenzen „eindeutige Beweise“, dass beide kaltblütig exekutiert wurden.

Levin hatte seine Drohne am 10. März in besagtem Waldstück verloren, musste sich aber aufgrund heftiger Gefechte zurückziehen. Als er drei Tage später wieder zurückkehrte, um die Drohne zu suchen, kamen er und sein Begleiter nicht mehr zurück. „Maks wollte die letzten Bilder der Drohne unbedingt retten. Er hielt sie für besonders wichtig“, berichtet Patrick Chauvel, der für Reporter ohne Grenzen den Ort des Geschehens untersuchte und mit Levin häufig zusammengearbeitet hatte. 

Auto angezündet, Hinweise auf Folter
Levins Auto, ein alter Ford Maverick, war noch vor Ort, allerdings wurde er angezündet, wohl um Beweise zu vernichten, berichtete Reporter ohne Grenzen. Auch Projektile sowie Ausrüstungsgegenstände der russischen Soldaten wurden vor Ort gefunden. Auch konnte man Hinweise für Folter vor Ort sicherstellen sowie DNA-Spuren. Nun will Reporter ohne Grenzen gemeinsam mit den Ermittlern gegen Kriegsverbrechen in der Ukraine versuchen, die letzten offenen Fragen zu kären. 

„Die Analyse der Fotos vom Tatort, der vor Ort gemachten Beobachtungen und der gefundenen materiellen Beweise weisen eindeutig auf eine Hinrichtung hin, der möglicherweise Verhöre oder sogar Folterungen vorausgegangen sind. Vor dem Hintergrund eines von Propaganda und Kreml-Zensur stark geprägten Krieges haben Maks Levin und sein Freund ihren Kampf um verlässliche Informationen mit dem Leben bezahlt. Wir schulden ihnen die Wahrheit. Und wir werden kämpfen, um diejenigen zu identifizieren und zu finden, die sie hingerichtet haben“, ließ Christoph Deloire, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, wissen. 

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