22.06.2022 15:02 |

Nach Sex-Urlaub

Österreicher mit neuem Tripper-Erreger infiziert

Bei einem Reiserückkehrer aus Kambodscha ist im April ein neuer Stamm von Gonokokken-Bakterien nachgewiesen worden. Er hatte auf seiner Reise ungeschützten Sex mit einer Prostituierten gehabt. Der bisher unbekannte Abkömmling des Erregers Neisseria gonorrhoeae, der die Geschlechtskrankheit Tripper verursacht, erwies sich als vielfältig resistent, berichtet die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Sie fordert, die Situation vor allem in Südostasien nun besser zu überwachen.

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Eine Gonokokken-Infektion kann bei Frauen durchaus milde oder sogar symptomlos verlaufen. Bei Männern kommt es in der Regel zum Brennen beim Harnlassen und zum Ausfluss von eitrigem Sekret aus der Harnröhre, ein asymptomatischer Verlauf ist sehr selten. Tripper - in der Fachsprache Gonorrhö - ist hierzulande die zweithäufigste sexuell übertragbare Erkrankung. Wird sie nicht behandelt, kann sie sich laut AGES-Angaben ausbreiten und zu Gelenksentzündungen und Veränderungen der Haut führen. In selteneren Fällen kann es auch zu Herzklappen- bzw. Hirnhautentzündungen kommen.

Für die Erkrankung besteht in Österreich eine beschränkte Meldepflicht, was bedeutet, dass eine Meldung nur erfolgen muss, wenn eine Weiterverbreitung zu befürchten ist. Gegen Gonokokken gibt es keine Impfung, gleichzeitig erweist sich der Erreger als wandelbar. Mittlerweile ist er gegen eine Vielzahl an lange erfolgreich gegen ihn eingesetzte Medikamente resistent.

Gegen mehrere Medikamente resistent
Aktuell setzt man vor allem auf das Antibiotikum Ceftriaxon, oft in Kombination mit Azithromycin. Letzteres Mittel war in den vergangenen Jahren in Österreich gegen immer mehr Bakterien wirkungslos. Bei der Resistenz gegen Ceftriaxon sah es bisher noch besser aus. Der nun beschriebene neue Stamm ist erst der zweite weltweit, der Resistenzen gegen beide gängige Medikamente und einige weitere einschlägige Präparate aufweist.

Bei Prostituierter in Kambodscha infiziert
Aufgetaucht ist die Bakterien-Variante bei einem Mann, der fünf Tage vor Beginn der Symptome in Kambodscha ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einer Prostituierten hatte. Auch nach der Therapie war der Erreger zumindest in einer Harnprobe noch nachweisbar. Das schreiben die an der Nationalen Referenzzentrale für Gonokokken der AGES tätigen Forscherin Sonja Pleininger und ihre Kollegen im Fachblatt „Eurosurveillance“.

Größere Gefahr für öffentliche Gesundheit
Da auch der erste derart umfassend resistente N. gonorrhoeae-Stamm - es handelte sich um Fälle in Großbritannien und Australien im Jahr 2018 - Verbindungen nach Südostasien aufwies, sollten die Überwachungssysteme vor allem in Asien hochgefahren werden. Wenn jetzt neue Abkömmlinge kursieren, die möglicherweise gegen alle verfügbaren Therapieoptionen besser geschützt sind, seien diese als größere Gefahr für die öffentliche Gesundheit anzusehen. Dieser Gefahr sollte mit der Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr, möglichst raschen Diagnosen und leicht zugänglichen, wirksamen sowie günstigen Behandlungen, Kontaktnachverfolgung bzw. einem Impfstoff begegnet werden.

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