16.04.2022 18:55 |

Zwischen NATO, Putin

Riskantes Spiel: Türkei tanzt auf zwei Hochzeiten

Die Türkei vermittelt als NATO-Mitglied zwischen Russland und der Ukraine. Weil Erdoğan ein riskantes Spiel spielt.

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Die Türkei ist der große Vermittler zwischen der Ukraine und Russland. Präsident Recep Tayyip Erdoğan und seinem Außenminister Mevlüt Çavusoglu ist es gelungen, die Friedensgespräche nach Ankara und an die türkische Riviera zu holen. Auch wenn diese momentan auf Eis liegen. Obwohl die Türkei NATO-Mitglied ist, akzeptiert der russische Präsident Wladimir Putin sie als Vermittler.

Mit Russland arbeitet Ankara eng im Syrien-Krieg und beim Erwerb von Luftabwehrsystemen zusammen. Umgekehrt ist die Türkei ein großer Investor in der Ukraine. Erdoğan tanzt auf zwei Hochzeiten.

Zum einen hat sich die Türkei den westlichen Sanktionen nicht angeschlossen. Zum anderen aber die russische Annexion der Krim nicht anerkannt. Moskau missfällt die Lieferung türkischer Drohnen an das ukrainische Militär, die Türkei ist jedoch wirtschaftlich wichtiger Handelspartner in Sachen Infrastruktur, Lebensmittel und Tourismus.

Durchfahrt für Kriegsschiffe gesperrt
Erdoğan hat jedenfalls ein Druckmittel: die Dardanellen und den Bosporus. Bereits kurz nach Kriegsbeginn sperrte er die Durchfahrt ins Schwarze Meer für sämtliche Kriegsschiffe, was ihm durch den Vertrag von Montreux von 1936 erlaubt ist. Aber: nicht nur für Kriegsschiffe der Ukraine und Russlands, sondern auch der NATO.

Durch den Untergang der Moskwa steht Russland vor einem Dilemma. Das Flaggschiff der russischen Marine war das einzige von drei Schiffen der „Slawa“-Klasse, das sich im Schwarzen Meer befand. „Durch die Sperre Erdoğans können sie keinen Ersatz entsenden“, so eine Militärexpertin.

Wie wird Erdoğan auf eine mögliche Bitte der Russen reagieren? Die Mehrheit der Türken hat ein positives Bild von Russland. Und was, wenn es zu einer Konfrontation Russlands mit der NATO kommt? Die Türkei müsste sich entweder gegen das Militärbündnis entscheiden. Oder sie liegt an vorderster Front gegen Russland.

Für Erdoğan geht es auch um Machterhalt
Erdoğans starkes Interesse an Frieden hat auch etwas mit Machterhalt zu tun. Nächstes Jahr steht seine Wiederwahl an. Die Türkei schlittert aktuell durch eine schlimme, von Erdoğan verschuldete Wirtschaftskrise. Sollte es ihm gelingen, im Russland-Ukraine-Krieg erfolgreich zu vermitteln, wäre das für ihn der nötige Beweis, dass nur er das Land aus der Krise führen könnte.

Mögliches Treffen Nehammer-Erdoğan
Bundeskanzler Karl Nehammer telefonierte nach seinem Moskau-Trip Anfang letzter Woche mit Erdoğan und bot seine aktive Unterstützung im Friedensprozess an. Ein kolportiertes Treffen der beiden wird vom Bundeskanzleramt weder bestätigt noch dementiert.

Clemens Zavarsky
Clemens Zavarsky
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