Terrorregime

Afghanistan: Der harte Kurs der Taliban

Ausland
15.04.2022 06:10

In Afghanistan hat sich die Steinzeitfraktion der Islamisten durchgesetzt und zieht ihr altbekanntes Terrorregime gegen Frauen und Andersdenkende gnadenlos durch.

Zehn Millionen Dollar haben die USA auf den Kopf von Sirajuddin Haqqani ausgesetzt. Damit ist der mächtigste Mann in Afghanistan, der Mann, dem als Innenminister Polizei, Militär und Sicherheitskräfte unterstellt sind, einer der meistgesuchten Terroristen der Welt.

Extremisten an der Macht
Er gehört der Steinzeitfraktion der Islamisten an, gilt als absoluter Extremist, der zu keinerlei Konzessionen bereit ist. Haqqani ist für die meisten schweren Terroranschläge in den vergangenen Jahren in Afghanistan verantwortlich. An seinen Händen klebt das Blut Tausender Menschen.

Sirajuddin Haqqani vom radikalsten Flügel der Taliban gibt in Afghanistan den Ton an, seine bewaffneten Schergen patrouillieren durch die Straßen. (Bild: AFP)
Sirajuddin Haqqani vom radikalsten Flügel der Taliban gibt in Afghanistan den Ton an, seine bewaffneten Schergen patrouillieren durch die Straßen.

Schon sehr bald nach dem Abzug der US-Truppen und der Machtübernahme der Taliban im August vergangenen Jahres hat das sogenannte Haqqani-Netzwerk die bis dahin dominierende, etwas gemäßigtere Fraktion, die aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben schien, von der Macht geputscht. Damit waren alle Versprechungen der internationalen Gemeinschaft gegenüber, etwa was Rechte von Frauen und Mädchen anging, vom Tisch.

Schikanen und Drohungen
Das Frauenministerium wurde abgeschafft und durch ein Tugendministerium ersetzt, es gelten wieder strengste Verschleierungsvorschriften, Frauen dürfen alleine nicht mehr verreisen, verloren entweder ihre Posten als Richterinnen, Polizistinnen und in den Ministerien, oder sie sind zumindest massiven Drohungen und Schikanen ausgesetzt.

Eine Afghanin in einer Burka (Bild: AFP)
Eine Afghanin in einer Burka

Außerdem wird Mädchen - entgegen den früheren Versprechungen der Taliban - der Zugang zu höherer Bildung verwehrt. Nach der sechsten Schulstufe gibt es für sie keine öffentlichen Schulen mehr. Studentinnen können, wenn überhaupt, nur noch private Universitäten besuchen.

Systematische Gewalt gegen Frauen
Frauen und Mädchen gelten vielen Männern wieder als Freiwild, sind systematischer Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt, wie das Hochkommissariat der UNO für Menschenrechte jüngst festgestellt hat. Unabhängige Menschenrechtsorganisationen, Frauenhäuser oder andere spezielle Einrichtungen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen wurden von den Taliban geschlossen.

Die Frauen Afghanistans sind damit weitestgehend mundtot gemacht. Diejenigen, die auf die Straße gegangen sind, um zu protestieren, wurden verprügelt, mit Tränengas beschossen oder verhaftet.

„Afghanistan ist im freien Fall“
Verstärkt durch den Krieg in der Ukraine und den damit verbundenen Anstieg der Lebensmittelpreise, wird auch die humanitäre Lage in Afghanistan immer schlimmer. 95 Prozent der Bevölkerung können sich nicht mehr ausreichend ernähren. Sieben von zehn Familien befinden sich im permanenten Krisenmodus. Thomas ten Boer, der Landesdirektor der Welthungerhilfe, sagt: „Afghanistan ist im freien Fall.“

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