16.01.2022 07:01 |

Thema des Tages

Kündigungswelle in den Kärntner Spitälern

Leistungsdruck, schwankende Dienstpläne und Corona / Die Herausforderungen sind für viele Mitarbeiter nicht mehr tragbar / Kündigungen und Versetzungsanträge erreichen Höhepunkt

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Die Kabeg zählt zu den größten Arbeitgebern Kärntens, auch dieses Unternehmen hat immer mehr mit Personalproblemen zu kämpfen. Eine Welle an Kündigungen und Versetzungsanträgen überrollt zunehmend die fünf Krankenhäuser in Klagenfurt, Villach, Wolfsberg, Hermagor und Laas, wobei manche Standorte schlimmer betroffen sind als andere.

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Auf einer Station haben im letzten halben Jahr sechs Pflegerinnen gekündigt! Auf einigen Abteilungen ist die Lage dramatisch.

Ronald Rabitsch, Zentralbetriebsrat Kabeg

Die Gründe lassen sich zusammenfassen:
Der Leistungsdruck werde – im Gegensatz zum Personalstand – immer größer, die Dienstplansicherheit sei nicht gegeben, Einspringen und Aushelfen auf fremden Stationen stehe an der Tagesordnung. Dem nicht genug beherrscht noch dazu die Corona-Pandemie den Arbeitsalltag.

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Die Arbeitsbelastung in den Krankenhäusern hat so stark zugenommen, dass viele Leute sagen; ,ich schaffe das nicht mehr’.

Arnold Gabriel, Kabeg-Vorstand

Ganze Abteilung will versetzt werden
Vor allem im CMZ, dem Chirurgisch Medizinischen Zentrum im Klinikum Klagenfurt, sei die Lage mittlerweile dramatisch. „Auf einer Station hat von 18 Mitarbeitern die absolute Mehrheit, also beinahe die ganze Belegschaft, um Versetzung angesucht. Auf einer anderen kündigten sechs binnen weniger Monate“, sagt Ronald Rabitsch, Vorsitzender des Zentralbetriebsrates der Kabeg und ergänzt: „Alleine 2021 gingen rund 460 Versetzungsanträge – freiwillig und dienstlich begründet – nur im Klinikum ein. Hinzu kommen 162 Kündigungen.“

Eine Zahl, die verglichen mit anderen Häusern nicht so schlimm klingen mag. Hinsichtlich der Tatsache, dass diese in den letzten fünf Jahren aber drastisch gestiegen ist, ist die Situation durchaus besorgniserregend.

Corona ist der Hauptgrund
„Die Pandemie hat klar dazu geführt, dass die Fluktuation stärker geworden ist. Neben dem Normalbetrieb müssen die Mitarbeiter ja auch noch die coronabedingten Belastungen stemmen und das ist über lange Zeit nicht machbar. Selbst wenn unser Personal ein extrem hohes Engagement und Flexibilität zeigt“, so Kabeg-Vorstand Arnold Gabriel.

Covid-Personal in Villach kämpft
Auch im LKH Villach habe man vor allem im Intensiv- und Covid-Bereich mit Personalverlusten zu kämpfen. „Die überbordenden Versetzungen sowie die Probleme beim Dienstplan müssen generell minimiert werden“, appelliert Rabitsch und spricht damit die Tätigkeit des Aushelfens an.

Auf fremden Stationen eingeteilt
Vor allem seit der Pandemie wird das Pflegepersonal nämlich häufig auf fremden Stationen eingeteilt, um dort Dienste zu versehen. Oftmals erfolgt die Order dafür nur wenige Stunden vor dem geplanten Dienstantritt des jeweiligen Mitarbeiters, was unter der Belegschaft für Unmut sorgt.

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Die Leute wollen eine Heimat haben, eine Stammstation, wo sie sich wohl und zugehörig fühlen.

Ronald Rabitsch, Zentralbetriebsrat Kabeg

Der Vorstand sieht es ähnlich: „Wie in der Medizin sollte es auch in der Pflege akzeptiert werden, dass jede Abteilung anders ist“, so Gabriel.

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