Komplexitäts-Fan

Covid-Erklärer Klimek „Wissenschaftler des Jahres“

Wissenschaft
10.01.2022 11:01

Der Physiker und Komplexitätsforscher Peter Klimek ist Österreichs „Wissenschaftler des Jahres 2021“. Der 39-Jährige ist zuletzt zu einem der präsentesten wissenschaftlichen Pandemiebegleiter geworden. Einen gewissen Anteil daran hat auch der Quantenphysiker Anton Zeilinger, Österreichs wohl bekanntester Forscher.

Dass ihn die größte Gesundheitskrise seit Generationen einmal so auf Trab halten wird, war für den in einer niederösterreichischen Weinbauernfamilie aufgewachsenen Physiker nicht unbedingt vorgezeichnet. So war Klimek der erste in seiner Familie, der die Matura abgelegt und studiert hat. Schon als Kind hat er im familieneigenen Heurigenbetrieb mitgeholfen.

(Bild: APA/Hans Punz)

Als Jugendlichen faszinierten Klimek die Quantenteleportations-Experimente Zeilingers und er machte sich daran, die Hintergründe zu verstehen. Nach der Übersiedlung der Familie nach Wien war für den sehr guten Schüler, der seine Hausübungen gerne schon in der Schule erledigte, um Zeit für andere Aktivitäten zu sparen, klar, dass er Physiker werden wollte.

Diplomarbeit über Quanteninformation
So startete er sein Physikstudium an der Universität Wien. Im Gegensatz zur Schule musste der nach eigenen Angaben auch stark an den Vorzügen des Studentenlebens interessierte Student hier zu Beginn härter arbeiten, um mitzukommen. Seine Diplomarbeit schrieb er auf dem Gebiet der theoretischen Quanteninformation am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Dann wandte sich sein Interesse jedoch der Chaos-Forschung zu.

Als PhD-Student heuerte Klimek bei Stefan Thurner an, mit dem er heute am Complexity Science Hub (CSH) Vienna und an der Medizinischen Universität (MedUni) Wien zusammenarbeitet. In der Forschungsgruppe für Komplexe Systeme der MedUni näherte sich Klimek verschiedensten Forschungsfragen an. Darunter waren auch Arbeiten zu gesellschaftlichen Problemen, wie der Bürokratie. Die Basis waren immer Daten, die er mittels computergestützter methodischer Zugänge analysierte. Der Physiker wurde zum Komplexitätsforscher.

(Bild: APA/Hans Punz)

Für Vermittlungstätigkeit ausgezeichnet
Diese Methodik wendete er in der Folge auf biologische, wirtschaftswissenschaftliche, gesellschaftspolitisch-soziologische Fragen oder auf Probleme des Risikomanagements an. Dazu kamen Arbeiten, die ihm erste mediale Aufmerksamkeit einbrachten, wie eine eigens entwickelte statistische Methode, um Unregelmäßigkeiten bei Wahlen nachzuweisen. Das Erklären von wissenschaftlichem Inhalten - für seine Vermittlungstätigkeit zeichnet ihn der Klub der Bildungs-und Wissenschaftsjournalisten nun aus - habe er immer als Aufgabe eines Wissenschaftlers verstanden, betont Klimek.

Inhaltlich beschäftigt sich Klimek bereits seit ungefähr zehn Jahren sehr stark mit medizinischen Fragestellungen. Dafür ausschlaggebend war auch eine Krebserkrankung in der Familie. So trieb Klimek unter anderem die Frage an, warum junge und sportliche Menschen derart erkranken. Der Treibstoff für diese Forschungen sind dementsprechend Gesundheitsdaten.

Datenforschung schafft gesellschaftlichen Mehrwert
Letztlich habe sich gezeigt, dass man mit Datenforschung einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen kann, so Klimek. Das tut der nunmehrige Preisträger auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, die er und das Team am CSH etwa im Rahmen des Covid-Prognosekonsortiums begleiten. Klimek und Co. lenkten ihre Forschungsaktivitäten nach Pandemiebeginn sofort stark dieses Thema um. Nicht zuletzt habe die Pandemie eindrucksvoll gezeigt, dass die Ausbreitung von Infektionserkrankungen weit komplexer sein kann als vielfach angenommen.

Vieles musste hier in den vergangenen fast zwei Jahren neu gedacht werden. Der Ansatz, die Welt als großes, komplexes Netzwerk zu verstehen, habe sich hier als hilfreich erwiesen. Sollte die Pandemie abebben, wolle er weiter an der bei weitem nicht trivialen Frage arbeiten, „wie gesund wir Österreicherinnen und Österreicher eigentlich sind“, so Klimek.

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