21.11.2021 06:00 |

Vorteil Delta-Variante

„Werden Wirkung der Maßnahmen schneller sehen“

Österreich bäumt sich am Wochenende ein letztes Mal auf: ein letztes Mal Einkaufschaos, ein letztes Mal Demonstrationsgetöse, ein letztes Mal Party, bevor das Land am Montag in den - hoffentlich letzten - Lockdown geht. Komplexitätsforscher Peter Klimek nennt einen Vorteil der Delta-Variante: Sie führt schneller zu einer höheren Viruslast. Was bedeutet: „Wir sehen die Infektionen schneller - aber auch die Wirkung von Maßnahmen.“

Runterfahren - anderes war nicht mehr möglich bei den Zahlen. Fast erleichtert hat Österreich letztlich die Nachricht aufgenommen, froh, dass das öffentliche Zanken ein Ende findet. Bisher sind 11.993 Menschen mit bzw. an Corona gestorben. Ein einsames, qualvolles Sterben. Zuletzt für die meisten aber nicht auf den Intensivstationen. Warum? Weil manchmal die Menschen gar nicht dorthin wollen. Oder das hohe Alter und die körperliche Verfassung eine Intensivbehandlung zuletzt gar nicht mehr zulassen.

Intensivkapazitäten werden jetzt gebraucht, um zu überleben. 33 Prozent aller Intensivbetten in Österreich, das ist die maximale Grenze, die mit Covid-Patienten belegt sein dürfen. Aber das ist eigentlich zu viel, schon mehr als zehn Prozent belasten Ablauf und Personal.

Gesundheitssystem hält bestimmte Zahl an Neuinfektionen aus
Wie viel hält unser Gesundheitssystem aus? Das weiß die Gesund Österreich GmbH (GÖG): 10.000 Neuinfektionen für maximal zwei Wochen - aber nur dann, wenn sie ausgeglichen über ganz Österreich verteilt wären. Und weder das eine noch das andere ist der Fall. Was es jetzt braucht? „Die Zielsetzung muss auf jeden Fall sein, in nachhaltige Größenordnungen zu kommen“, so GÖG-Geschäftsführer Herwig Ostermann zu Ö1. Zur Erinnerung: Im Vorjahr hatten wir zur gleichen Zeit eine Zwangsruhepause, das brachte uns danach ein Fallgeschehen von 2000 bis 3000 Fällen.

Effekte schneller sichtbar, aber keine Wunder zu erwarten
Epidemiologe Gerald Gartlehner konkretisiert: „Es muss alles getan werden, dass geimpft wird, sowohl der dritte Stich als auch die noch nicht erfolgten Erststiche.“ Weil? „Sonst haben wir im Jänner oder Februar sicher die nächste Welle.“ So etwas wie einen Vorteil gibt es aber: „Delta führt schneller zu einer höheren Viruslast, wir sehen die Infektionen schneller - aber auch die Wirkung von Maßnahmen“, sagt Komplexitätsforscher Peter Klimek zur „Krone“. Bedeutet: „Erste Effekte von Lockdown, aber auch Maßnahmen wie 2G-Regel und 3G im Job werden wir wohl schon in einer Woche sehen können.“

Wunder werde man sich zwar auch nach dem Lockdown keine erwarten können, aber zumindest deutlich niedrigere Neuinfektionszahlen. Und: Es gibt erste Hoffnungen für ein gemeinsames Weihnachtsfest.

„Lockdown ein Zeichen, dass Personal gehört wird“
Wieder 15.297 neue Fälle, wieder 42 Tote mehr, wieder ein Lockdown. „Unsere Spitäler brauchen eine Atempause, das Personal kann nicht mehr“, weiß Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. Ein Lockdown zwischen „Zumutung“ und „Perspektive“, wie er im „Krone“-Interview erklärt.

„Krone“: Herr Gesundheitsminister, hält das alles unser Gesundheitssystem noch aus?
Wolfgang Mückstein: Leider haben wir es nicht geschafft, genug Menschen von der Impfung zu überzeugen, deshalb müssen wir wieder mit der Holzhammer-Methode arbeiten, gibt es wieder einen Lockdown. Das ist unsere letzte Möglichkeit, aber es ist ein Mittel, bei dem wir wissen, dass es wirkt, dass wir in wenigen Wochen wieder eine ausreichende intensivmedizinische Versorgung haben.

Die Hilferufe des Gesundheitspersonals sind schrill.
Wir brauchen kurzfristig Luft in den Spitälern, wir haben Personal, das nicht mehr kann. Die ersten Rückmeldungen zum Lockdown sind positiv, weil jetzt klar ist, dass ein Ende der Situation in Sicht ist. Ein Lockdown ist auch ein Zeichen für das Gesundheitspersonal, dass es gehört wird. Danach gilt der Lockdown für Ungeimpfte, weil das großteils jene sind, die auf der Intensiv landen. Das gibt auch eine Perspektive. Und die Zeit jetzt müssen wir nutzen, um die Menschen rasch zu impfen.

Was fehlt denen, die noch nicht geimpft sind?
Die meisten sind unsicher, das wird auch durch manche Medien und Parteien gestützt. Diese Leute brauchen Aufklärung. Es gibt kein so gutes Medikament wie die Impfung: Es sind bisher mehr als sieben Milliarden Dosen verimpft worden, es gibt Hunderte Studien, die beweisen, dass die Impfung hocheffektiv und sicher ist.

Warum gibt es die Impfpflicht erst im Februar?
Sie kommt, aber die Bevölkerung muss sich darauf einstellen können, sie braucht einen breiten gesellschaftlichen Konsens. Und es braucht eine gescheite Begutachtung und Einbindung aller.

Und was, wenn dann im Gesundheitsbereich noch mehr Personal wegfällt?
Wenn ich in so einem hochsensiblen Bereich arbeite, habe ich eine besondere Verantwortung. Da ist es nicht mehr nur meine persönliche Entscheidung. Und es gibt ja bereits eine Reihe von Impfungen, die beim Eintritt nachgewiesen werden müssen: Hepatitis, Mumps, Masern, Röteln usw.

Ihre Worte zu den Menschen jetzt?
Ein Lockdown erfordert viel Solidarität und Akzeptanz. Hier müssen wir alle zusammenstehen, als Regierung, in der Bevölkerung. Bitte helfen Sie mit.

Silvia Schober
Silvia Schober
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