„Nicht viel Spielraum“

Winter-WM in Katar hat Auswirkungen auf Bundesliga

In fast genau einem Jahr, am 21. November 2022, beginnt die Winter-WM in Katar. Das Fußball-Experiment im Emirat bringt auch die heimische Bundesliga in Terminnot - unabhängig davon, ob sich das ÖFB-Team noch für das Turnier qualifiziert. Die nationalen Ligen müssen ihre Bewerbe 2022 ab Mitte November unterbrechen. Die dadurch entstehende lange Pause für den überwiegenden Teil der Profis, die nicht WM-Teilnehmer sind, sorgt im restlichen Jahr für zusätzlichen Stress.

Die Bundesliga will ihren Rahmenterminplan für 2022/23 bei der Klubkonferenz am 10. Dezember verabschieden. „Es gibt nicht allzu viel Spielraum durch die WM“, sagte der Vorstandsvorsitzende Christian Ebenbauer. Zumindest zwei weitere Runden des Grunddurchganges müssten im Frühjahr gespielt werden. Die Runden-Aufteilung vor und nach der langen Winterpause wäre damit 16:16. Dazu kommen nach Saisonschluss aber noch eine mögliche Relegation und das Europacup-Play-off.

Ein kleines Zugeständnis des Weltverbandes FIFA ist, dass man die Ligasaison 2023 bis 11. Juni verlängern darf. Der darauffolgende nächste Saisonstart kann wegen eines notwendigen Urlaubes für die Spieler und der Vorbereitung aber frühestens sechs Wochen später stattfinden. „Das ist schon das absolute Minimum“, meinte Ebenbauer. „Es geht immer im Kreis.“ Die WM-Folgen sind auch 2023/24 noch zu spüren.

Die laufende Saison endet am 29. Mai mit dem letzten Europacup-Play-off-Spiel. Von 2. bis 14. Juni folgen für das ÖFB-Team vier Länderspiele in der Nations League. Mitte Juli beginnt die Bundesliga wieder, Abstellungspflicht für die WM besteht ab 14. November. Daher dürfte in den meisten internationalen Ligen am Wochenende 12./13. November 2022 noch gespielt werden - obwohl am 21. November in Katar bereits vier WM-Spiele auf dem Programm stehen. Das Wüsten-Turnier ist auf 28 Tage komprimiert.

„Macht nie Sinn, wenn es nur ein Rumpfkader ist“
Sollte sich Österreich über das Play-off im März noch für die WM qualifizieren, rechnet Ebenbauer mit dem Wunsch des Teamchefs, das Nationalteam für die Vorbereitung frühestmöglich zusammenzuhaben. Der Liga-Vorstand zeigte sich gesprächsbereit. Eine frühere Ligapause könne aber nur in Abstimmung mit anderen Ländern erfolgen, sei der Großteil der ÖFB-Teamspieler doch mittlerweile im Ausland tätig. Ebenbauer: „Es macht nie Sinn, wenn es nur ein Rumpfkader ist.“

Nutzt man im November 2022 nicht alle Möglichkeiten aus, müsste der Frühjahrsstart in der Bundesliga 2023 schon im Jänner erfolgen. Das will die Liga eigentlich vermeiden. „Von den klimatischen Bedingungen in Österreich ist das nicht wünschenswert“, sagte Ebenbauer mit Verweis auf den geringeren Fan-Zuspruch und drohende witterungsbedingte Absagen. Zumal durch UEFA-Spieltage auch die Ersatztermine stark eingeschränkt sind - und durch die neue Conference League zu erwarten ist, dass künftig mehr österreichische Clubs auch im Frühjahr noch im Europacup vertreten sind.

Englische Runden sind für die Liga nicht die Lösung. Die Belastung der Spieler und fan-unfreundliche Anstoßzeiten würden dagegen sprechen. Im Herbst 2022 wird es laut Ebenbauer keine Bundesliga-Runden unter der Woche geben, im Frühjahr 2023 höchstens eine oder zwei. „Der Fußball lebt zum Großteil von den nationalen Bewerben“, meinte der Wiener. Dort seien vorhandene Regenerationszeiten und langfristige Planbarkeit das Wichtigste. „Das haut die WM ein bisschen durcheinander.“

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