03.10.2021 06:00 |

Intensivstationen

Die Krux mit der Corona-Auslastung

Warum kann schon eine vergleichsweise geringe Covid-Belegung Probleme auf den Intensivstationen bringen? Das wollten unsere Leser wissen. Die „Krone“ klärt auf.

Intensivstationen sind eigentlich gar nicht darauf ausgelegt, ständig zu 100 Prozent ausgelastet zu sein. Gesundheitsökonom Florian Bachner von der Gesundheit Österreich GmbH: „In der Regel sind Intensivstationen zwischen 75 und 85 Prozent ausgelastet, auf dieser Auslastung basiert auch die Personalplanung.“ 100 Prozent sind schon deshalb nicht möglich, weil es auch immer einen „Puffer für akute Ereignisse braucht“, so Bachner — etwa für Unfälle.

„Ausbildung dauert Jahre“
Auch müssen freigewordene Betten von Grund auf gereinigt und desinfiziert werden, bevor sie wieder einsatzbereit sind – ein zeitintensiver Prozess. Ein weiterer Punkt ist das Personal: Bei hohen Auslastungen der Intensivstationen mit Corona-Patienten müssen Mitarbeiter aus anderen Bereichen abgezogen werden. Das lässt sich natürlich nicht beliebig fortsetzen. Bachner: „Eine Ausbildung für die Intensivstation macht man nicht mal eben so an einem Wochenende - die braucht Jahre.“ Die Schwerstarbeit auf den Intensivstationen hat viele an ihre Grenzen gebracht – nein, gerade in der Pandemie wurde der Beruf des Krankenpflegers für künftige Mitarbeiter nicht attraktiver ...

Covid-Kranke brauchen viel mehr Personal
Wichtiger Faktor bei Covid-Intensivpatienten: Deren Behandlung ist deutlich personalintensiver als jene anderer. So heißt es aus dem Uniklinikum Salzburg – SALK – etwa: Bei einer 40-Stunden-Woche müsse man mittelfristig für jedes Covid-Intensivbett 4,5 Intensiv-Pflegekräfte abstellen – im Schnitt doppelt so viele wie auf einer „normalen“ Intensiv. „Das bedeutet auch: Für ein Covid-Intensivbett müssen zwei ,normale‘ Intensivbetten gesperrt werden.“

Bis zu einer Covid-Auslastung von zehn Prozent geht man davon aus, dass das System die Belastung noch ohne umfangreiche Maßnahmen wie OP-Verschiebungen verträgt. Darüber hinaus nehmen die Probleme stetig zu, die Pflege von Covid-Intensivpatienten tritt immer mehr in Konkurrenz zur Behandlung jener aus dem Regelbetrieb. Kritische Grenze: 33 Prozent. Dann kann der Betrieb kaum mehr aufrecht erhalten werden.

Entlastungsversuche durch OP-Verschiebungen
Damit es nicht dazu kommt, versucht man schon vorher, die Intensivstationen zu entlasten auf Kosten des Regelbetriebs, eben durch OP-Verschiebungen. Denn ein Eingriff birgt immer auch das Risiko, dass der Patient danach ein Intensivbett braucht. Aber eben: Selbst wenn eines frei wäre – was hilft es, wenn das Personal dafür nicht da ist, weil es für Covid-Patienten benötigt wird?

Infos: www.sozialministerium.at unter dem Punkt „Coronavirus - Fachinformationen“

Silvia Schober
Silvia Schober
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