25.08.2021 21:44 |

Was kommt danach?

Deutschland beendet Evakuierung aus Kabul

Das Zeitfenster für die militärische Evakuierung aus Afghanistan schließt sich nun schneller als in Europa erhofft. Da die USA an ihrem Truppenabzug per 31. August festhalten, will nun die Deutsche Bundeswehr Medienberichten zufolge ihre Luftbrücke aus Kabul schon am Donnerstag beenden. Dann solle der letzte Militär-Transporter vom Typ A400M aus der afghanischen Hauptstadt abheben.

Sowohl „Spiegel als auch „Bild“ berichten, Deutschland beende seine Evakuierungsmission bereits vier Tage vor dem Truppenabzug der USA. Insgesamt sollten am Donnerstag vier Airbus A400M mit Evakuierten und deutschen Soldaten von Kabul aus ins usbekische Taschkent fliegen. Unter den Soldaten seien auch Fallschirmjäger und KSK-Soldaten sowie zwei Spezialkräfte-Hubschrauber.

Treffen mit Ministerin geplant
In Taschkent würden sie der letzten Planung zufolge von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, dem Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, und der Wehrbeauftragten des Bundestages, Eva Högl, empfangen. Gemeinsam mit den Soldaten solle es dann am Freitag nach Deutschland gehen. Die Maschinen würden zum Fliegerhorst der Bundeswehr nach Wunstorf in Niedersachen fliegen.

In Kreisen der deutschen Bundesregierung hieß es am Mittwochabend, man könne die Berichte nicht bestätigen. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums sagte, es handle sich um operative Details, zu denen sie sich aus Sicherheitsgründen nicht äußern könne.

Menschen mit Spezialkräften abgeholt
Das Rennen gegen die Zeit nehmen Deutschland und die Verbündeten auch mit dem Einsatz von Spezialkräften auf. Schutzbedürftige werden zu einem Sammelpunkt bestellt und - wie bei einem Einsatz in der Nacht zum Mittwoch - mit Beteiligung des Kommandos Spezialkräfte (KSK) abgeholt. Das Problem: Ein solcher Treffpunkt ist nach dem Abflug von Hubschraubern oder geschützten Wagen „verbrannt“. Er kann kein weiteres Mal benutzt werden.

Deswegen setzen NATO-Staaten unter Führung der USA auch auf Absprachen, die nun mit den militant-islamistischen Taliban als faktischer Ordnungsmacht getroffen werden. Diese geleiteten bereits multinationale Konvois durch ihre Kontrollstellen Richtung Flughafen, wie Abgeordnete im Verteidigungsausschuss am Mittwoch erklärt wurde. Durchaus „verlässlich“ seien sie bei dieser Art Absprachen, die einen Vorgeschmack auf das weitere Vorgehen in Afghanistan geben können.

„Die Taliban sind jetzt Realität in Afghanistan“
Seit Tagen arbeitet die deutsche Bundesregierung an einem Plan B für den schon befürchteten frühen Abzug der US-Amerikaner. Dabei ist eins klar: Ohne die Taliban geht nach dem 31. August nichts mehr. Das machte auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch im Bundestag deutlich: „Die Taliban sind jetzt Realität in Afghanistan. Diese neue Realität ist bitter, aber wir müssen uns mit ihr auseinandersetzen.“

Auch die Türkei hat mit dem Abzug ihrer Soldaten aus Afghanistan begonnen und damit offenbar ihr Vorhaben aufgegeben, bei der Sicherung des Kabuler Flughafens zu helfen. „Die türkische Armee kehrt in unser Heimatland mit dem Stolz zurück, die ihr anvertrauten Aufgaben erfüllt zu haben“, erklärte das Verteidigungsministerium in Ankara am Mittwochabend. Es sei damit begonnen worden, die Soldaten vom Kabuler Flughafen abzuziehen, erklärte das Ministerium. Zuletzt hatte die Türkei 500 Soldaten in Afghanistan stationiert.

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