07.08.2021 15:58 |

Griechen berichten:

„Um Windräder zu bauen, wurden die Feuer gelegt!“

„Feuersbrunst in Athen“, „Griechenland in Flammen“ (siehe auch Video aus einem Vorort Athens) - die Headlines über das Inferno in Griechenland begleiten uns seit gut einer Woche. In Wien wirkte alles noch so weit weg, doch als der Flieger kurz vor unserem Zielflughafen am Peloponnes noch eine Warteschleife drehen musste, waren die ersten Rauchsäulen deutlich zu sehen und das unsichere Gemurmel im Flugzeug zu vernehmen. krone.at-Redakteur Max Mahdalik berichtet aus Griechenland.

Vorweg: Ich bin hier auf Urlaub in Griechenland und wir haben lange hin und her überlegt, ob diese Reise zu gefährlich sein könnte. Doch Bekannte vor Ort haben zumindest insofern Entwarnung gegeben, dass die Feuerwehr und Polizei ziemlich auf Zack sein würden, wovon wir uns auch selbst bereits überzeugen konnten. Und Feuer im August in dieser Region gehören mittlerweile leider zum Alltag.

Abgebrannte Häuser und schwarze Erde
Panik und Angst haben wir hier - Gott sei Dank - nicht erlebt. Oder besser: Nicht mehr. Denn der Nachbarhügel neben unserem Ferienhaus ist abgebrannt. Nicht zur Gänze - das riesige Anwesen eines reichen Russen ist völlig verschont geblieben - aber der Rest ist kohlrabenschwarz. Mehrere Häuser, die in einer Schneise den Hügel in Richtung Meer hinunter liegen, hat es brutal erwischt. Die Dächer und die Fenster sind geborsten, die Mauern stehen wie stumme Zeugen des Brandes auf der nun schwarzen Erde.

„110 schwere Brandnester gibt es derzeit“, erzählt mir ein Elektrohändler, der gerade den wegen der schweißtreibenden Temperaturen erworbenen Ventilator noch im Laden für uns zusammenschraubt, „ich glaube, das kein einziges davon natürlich entstanden ist“, verblüfft er uns.

„Durch den Wind ist alles außer Kontrolle geraten“
Nicht natürlich? „Hier werden Feuer gelegt wegen der Windräder, die gebaut werden sollen. Der Wald auf den Hügeln ist überall Naturschutzgebiet und keiner von uns will diese riesigen Windräder bei uns herumstehen haben - außer denen, die damit Geld verdienen. Und die haben eben nur eine Chance, wenn es diese Wälder nicht mehr gibt“, erklärt uns der Mann, in dessen Geschäft in der Auslage faul eine Katze ihre Pfoten leckt. „Und durch den Wind ist dann alles außer Kontrolle geraten.“ 

Der Wind hat die Brände in diesem Jahr so besonders heftig werden lassen, darüber sind sich alle einig. Und die Rekordtemperaturen, die sich nun einigermaßen beruhigt haben. Und wir Touristen? Am Strand ist das Leben, so wie man es sich ausgemalt hat, die Tavernen sind ebenso gut gefüllt.

Tavernenwirt: „Hoffe, die Touristen bleiben nicht aus“
Ein Tavernenwirt ist besorgt: „Ich hoffe, dass die Touristen nicht ausbleiben, wir sind durch Corona ohnehin schon schwer angeschlagen, wir brauchen jetzt gutes Geschäft. Und lebensgefährlich sind diese Feuer eigentlich nicht, weil wir seit vielen Jahren gewohnt sind, damit zu leben. Jeder wird - auch in der Nacht - von der Polizei oder Feuerwehr rechtzeitig gewarnt, um sein Haus verlassen zu können und nicht in den Flammen gefangen zu sein.“ 

Dennoch bleibt hier vor Ort ein mulmiges Gefühl, immer wieder hat man rauchigen Geruch in der Nase und das Auge sucht den Horizont ab.

Max Mahdalik
Max Mahdalik
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