16.02.2011 16:08 |

Gänsehaut-Rätsel

"Black Mirror III": Finale der Grusel-Adventure-Reihe

Mit einer noch glühenden Leuchtfackel am Tatort eines Brandanschlags aufzutauchen, ist ziemlich gewagt. Darren Michaels, Protagonist in "Black Mirror III", wandert daher umgehend hinter Gitter. Was wie das Ende einer Geschichte klingt, bedeutet im dritten und letzten Teil der deutschen Grusel-Adventure-Reihe erst den Anfang.

Drei Wochen muss der vermeintliche Brandstifter und Mörder in dem kleinen Knast des verschlafenen Städtchens Willow Creek verbringen. Immer wieder plagen ihn schlaflose Nächte, albtraumhafte Visionen und Mordphantasien in dieser Zeit. Als eine unbekannte Person schließlich die Kaution hinterlegt und Darren wieder auf freien Fuß kommt, macht sich dieser auf, die eigene – dunkle – Familienhistorie zu ergründen.

Klingt spannend, ist es auch - zumindest für all jene, die bereits den Vorgänger aus dem Jahr 2009 gespielt haben. Wer das nicht von sich behaupten kann, wird zwar ebenfalls Gefallen am spannenden Verlauf der Geschichte und deren Rätseln finden, viele Anspielungen auf frühere Ereignisse und das Beziehungsgeflecht der Charaktere untereinander bleiben jedoch unergründet. Dieser "Mut zur Lücke" kann allerdings von Vorteil sein, denn gerade eingefleischten Fans dürfte das teils abstruse und allzu schnell herbeigeführte Ende sauer aufstoßen.

Gibt es auf der inhaltlichen Ebene also durchaus Anlass zur Kritik, so präsentiert sich "Black Mirror III" sowohl in technischer als auch spielerischer Hinsicht grundsolide. Abermals greifen die Macher von Cranberry Production auf ihre "2,5 D"-Technik zurück, um zweidimensional gezeichnete Hintergründe und dreidimensionale Charaktere zusammenzuführen. Das Angebot an Schauplätzen rund um Black Mirror Castle und Willow Creek ist allerdings überschaubar, sodass es des Öfteren an bereits besuchte Orte zurückgeht – wenn auch oftmals zu anderen Tageszeiten und bei unterschiedlicher Wetterstimmung. Dankenswerterweise wurde Darren eine Karte spendiert, über welche dieser die Schauplätze schnell und bequem anreisen kann.

Als äußerst komfortabel erweist sich auch die sonstige Steuerung: In typischer Point-and-Click-Manier werden Gegenstände per Mausklick untersucht, bei Bedarf aufgehoben, im Inventar abgelegt und anschließend miteinander kombiniert, wobei der intelligente Mauscursor darüber Auskunft gibt, ob sich ein Item mit einem anderen benutzen lässt. Damit man auch ja nichts übersieht, lassen sich alle Hotspots auf Knopfdruck hervorheben. Unnütze Hotspots verschwinden nach einmaligem Anklicken, sodass man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann.

Konzentration braucht es schließlich auch, um so manch Rätsels Lösung auf die Spur zu kommen. Die Qualität der dargebotenen Kopfnüsse ist durchwegs hoch, wer ein wenig logisch nachdenkt, knackt aber auch härtere Aufgaben. Von allzu absonderlichen Kombinationsrätseln, die manch anderen Genrevertreter auszeichnen, bleiben Spieler in "Black Mirror III" glücklicherweise weitgehend verschont. Sollte dennoch einmal nichts weitergehen, helfen das automatisch aktualisierte Notizbuch oder Darrens Tipps.

Ein schaurig-schöner Soundtrack – Hörproben sowie Trailer gibt es auf der offiziellen Website -  und die bis auf wenige Ausnahmen sehr gute Leistung der Synchronsprecher (einzig die gegen Ende spielbare Valentina konnte mit ihrer monotonen und langatmigen Darbietung nicht überzeugen) runden den Gesamteindruck positiv ab. Einzig den etwas lieblos wirkenden Zwischensequenzen hätten die Entwickler etwas mehr Aufmerksamkeit angedeihen lassen können.

Fazit: Die bis auf wenige Abstriche spannende Story, knackige Rätsel, eine liebevolle und stimmige Aufmachung sowie die gute Steuerung machen "Black Mirror III" zu einem unterhaltsamen Zeitvertreib, bei dem auch das Gruseln nicht zu kurz kommt. Genrefans dürfen bedenkenlos zugreifen, sollten aber zunächst den Vorgänger spielen, um sich auszukennen.

Plattform: PC
Publisher: dtp
krone.at-Wertung: 8/10

von Sebastian Räuchle

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