Die Gefahr, dass dem Herren-Team ein medaillenloses Debakel wie vor einem Jahr bei Olympia in Kanada drohen könnte, wurde bereits zum Auftakt abgewendet. Mit Reichelt ausgerechnet durch jenen Mann, der als Letzter auf den WM-Zug aufgesprungen war. "Erfolg ist die beste Motivation und Medizin", sagte Pum über den nach dem Sieg am vergangenen Wochenende in Hinterstoder vor Selbstvertrauen strotzenden Reichelt.
Der Salzburger präsentierte sich auch in den Stunden seiner ersten Medaille bei einem Großereignis mit Bodenhaftung. Vor allem aufgrund der zahlreichen jüngsten Verletzungen im ÖSV-Team. "Ich weiß zu schätzen, dass ich gesund bist. Das ist sehr viel wert." Beinahe hätte sich Reichelt aber wenige Stunden vor seiner Silber-Fahrt selbst zum Lazarett gesellt.
Glück und Schrecksekunde
"Beim Hangbefahren hatte ich eine echte Schrecksekunde", berichtete Reichelt, der in einer Kompression einen heftigen Schlag kassierte und eine harte Belastungsprobe für sein einst verletzt gewesenes linkes Knie zu überstehen hatte. "Aber ich hatte Glück - so wie den gesamten Tag", sagte Reichelt, für den der Gewinn der Super-G-Kristallkugel 2008 nicht mit der Medaille vergleichbar ist. "Beim Gewinn der Kugel war ich über eine gesamte Saison der Stärkste. Nun war ich an einem Tag X der Zweitstärkste."
Reichelt: "Die WM kann mich am A... lecken"
Vor ziemlich genau einem Jahr war Reichelt noch am Tiefpunkt der Durststrecke angekommen gewesen. Der Radstädter reiste zwar mit nach Kanada zu Olympia, aufgrund seiner zu schwachen Ergebnisse im Vorfeld und einer Ellbogenverletzung kam er dann aber bei den Winterspielen trotz ansteigender Form nicht zum Einsatz. "Das wollte ich heuer nicht mehr. Deshalb hab ich mir gedacht, die WM kann mich am Arsch lecken. Denn wenn man sich zu sehr hineinsteigert, geht es sowieso schief." Die Lockerheit hat sich bezahlt gemacht.
Gute Arbeit von Berthold
Auch für Mathias Berthold (in der Bildmitte, links von ihm sitzt Toni Giger, Chef der ÖSV-Entwicklungsabteilung) hätte das erste Rennen bei einem Großereignis als Herren-Chefcoach kaum besser laufen können. Für Reichelt hatte Berthold einen entscheidenden Anteil an der Silbernen. "Dass ich so locker ins Rennen gegangen bin, geht auf die Kappe vom Mathias. Er hat gesagt, dass er uns cool und lässig skifahren sehen will und wir nicht an Medaillen denken sollen. Das sagt sich zwar leicht, aber er hat das wirklich gut rübergebracht", berichtete Reichelt von der Mannschaftssitzung am Vorabend des Rennens.








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