Dem österreichischen Nationalteam ist die Trendwende gelungen. Nach einem verpatzten Jahresauftakt in der WM-Qualifikation samt historischer 0:4-Heimpleite gegen Dänemark ist die ÖFB-Auswahl rechtzeitig zur EM auf Kurs gekommen. Geschuldet war dies laut Peter Schöttel auch einer schonungslosen internen Aufarbeitung im April und Mai. Mit dem erstmaligen EM-Achtelfinal-Einzug hofft der ÖFB-Sportdirektor auf eine „Initialzündung“ für den gesamten österreichischen Fußball.
Lob hatte Schöttel nach dem entscheidenden 1:0 gegen die Ukraine auch für den Teamchef parat. „Franco Foda hat sicher ganz großen Anteil an der Performance bei dieser Europameisterschaft“, meinte der Wiener am Dienstag im ÖFB-Quartier in Seefeld. Der März sei ein sehr schwieriger Lehrgang gewesen. „Danach waren wir alle miteinander sehr unzufrieden, sehr selbstkritisch.“ Man habe Kleinigkeiten geändert, viel Gespräche geführt - im Betreuerteam und mit den Spielern.
„Wir haben gesagt, dass wir nach dem letzten Lehrgang und der Niederlage gegen Dänemark nicht zur Tagesordnung übergehen können“, erklärte ÖFB-Präsident Leo Windtner. Die Aufarbeitung sei professionell und auch mit „externem Support“ erfolgt. Auf Details wollten aber weder Windtner noch Schöttel eingehen.
„Diese Maßnahmen haben offenbar gefruchtet“, sagte Schöttel. Man sei gegen die Ukraine, als es darauf ankam, in allen Bereichen die bessere Mannschaft gewesen. „Es war für mich auch nicht zu erwarten, dass wir so dominant sind. Wir waren frischer im Kopf, in den Beinen.“ Auch in der Analyse sei einiges richtig gemacht worden.
Das gilt es nun auch vor dem Achtelfinal-Duell mit Titel-Mitfavorit Italien am Samstag in London zu tun. Laut Schöttel sei in den beiden abschließenden Gruppenspielen der Italiener gegen die Schweiz (3:0) und Wales (1:0) jeweils ein ÖFB-Scout in Rom im Stadion gewesen. Dieser hätte in der Nacht auf Dienstag bereits berichterstattet. „Wir haben uns in der Vorbereitung auf mögliche Achtelfinal-Gegner auch schon recht intensiv mit Italien beschäftigt“, verriet Schöttel.
Die Italiener sind 30 Spiele ungeschlagen, haben die vergangenen elf ohne Gegentor gewonnen. Österreichs Sportchef beeindruckt aber nicht nur die Statistik. „Sie spielen in der ganzen Bandbreite des Fußballs gut - in Ballbesitz, wenn sie den Ball verlieren und schnell zurückerobern, und sie schalten auch gut um.“ Dazu komme laut dem Ex-Verteidiger als „Prunkstück die Abwehr mit ihren alten Recken“ Giorgio Chiellini (36 Jahre) und Leonardo Bonucci (34).
„Wir wissen, was da am Samstag auf uns wartet“, betonte Schöttel. Die Italiener müssen nach drei Heimspielen nun aber auch erstmals bei der EM reisen. Schöttel: „Dass wir Außenseiter sind, steht außer Frage, aber ein Außenseiter, der selbstbewusst auftritt.“ Das Spiel im Wembley-Stadion gegen die „vermutlich beste Mannschaft bis jetzt im Turnier“ sei ein ganz besonderes. „Da womöglich diese ganz große Sensation zu schaffen - das treibt uns schon an.“
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.