21.06.2021 15:39 |

15% Steuer für Firmen

„Erste Maßnahmen in fünf Jahren verankert“

Die sieben führenden Industriestaaten (G7) haben sich auf ein Grundgerüst für eine weltweite Steuerreform geeinigt. Vorgesehen ist eine Mindeststeuer für Großkonzerne in Höhe von 15 Prozent. Außerdem sollen Großkonzerne künftig dort Steuern zahlen, wo sie ihre Umsätze machen. Ob und wann das umgesetzt wird und was das für die EU und für Österreich heißt, das erklärt Dr. Simon Loretz, Ökonom am Institut für Wirtschaftsforschung und Experte für Besteuerung, im Gespräch mit krone.tv-Journalistin Damita Pressl.

„Ziel ist, dass man die größten Unternehmen trifft. Man versucht nicht, jeden einzelnen Bäcker mit 15 Prozent zu besteuern“, stellt Loretz klar. „Das trifft überproportional amerikanische Unternehmen.“ Dennoch haben die USA die Regelung vorgeschlagen und wollten ursprünglich sogar einen Mindeststeuersatz von 21 Prozent - aber warum? Es gibt bereits mehrere Alleingänge, etwa die Digitalsteuer in Frankreich, klärt Loretz auf. Nun hätten die USA ein Interesse daran, dass „dieses nationale Fleckenwerk beseitigt wird und ein globaler Kompromiss kommt“.

15 Prozent - aber wovon?
Einige Details müssen aber noch ausgearbeitet werden: „Wie treffsicher es wird, hängt von der konkreten Ausgestaltung ab. Da hapert es noch.“ Etwa muss klar definiert werden, auf welchen Gewinn die 15 Prozent Steuern fällig werden. Denn globale Gewinne zu besteuern, reicht nicht: Amazon zahlt global rund 20 Prozent Steuern, in Europa aber kaum welche. Daher ist der Zusatz, dass Firmen dort zu besteuern sind, wo sie Umsätze machen, so wichtig. Außerdem ist etwa zu klären, ob es Steuerfreibeträge für Investitionen und Innovationen gibt.

Loretz hält es für durchaus realistisch, dass die Mehrheit der Länder zu einem Kompromiss findet. „In den letzten 20 Jahren hat sich sehr viel geändert“, weil auch der internationale Druck steige. Die großen Länder werden mitmachen, schätzt Loretz. „Steueroasen haben relativ viel zu verlieren“, aber: „Es ist generell egal, wenn ein Land nicht mitmacht.“ Denn hier könnten die großen Länder dann nachbesteuern, und „viele Unternehmen werden nicht so einfach alles auf die Cayman Islands verlagern können“.

„Erste Maßnahmen in fünf Jahren“
„Wir werden in fünf Jahren noch kein perfektes internationales Steuersystem haben, aber ich glaube, wir bewegen uns langsam in die richtige Richtung, weil der internationale Druck zunimmt“, sagt Loretz. „Die ersten Maßnahmen könnten in fünf Jahren in den nationalen Steuergesetzen verankert sein.“ Die Schätzung, Österreich könne dadurch drei Milliarden Euro an Steuereinnahmen hinzugewinnen, hält Loretz aber für unrealistisch. „Wie viel es wirklich wird, hängt von der konkreten Ausgestaltung ab“, er rechne aber mit rund 600 Millionen. „Das ist relativ viel.“

Damita Pressl
Damita Pressl
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