19.06.2021 00:00 |

Steine als Risiko

Immer Ärger mit der Galle

Plötzliche starke Schmerzen oder ständige Verdauungsprobleme deuten auf Probleme mit der Galle hin. Wen in diesem Organ „Steine“ quälen, sollte über eine Operation nachdenken. Denn die Symptome können akut werden.

Gallensteine sind unberechenbar! Man kann nicht vorhersagen, wann diese zum Gesundheitsrisiko werden. „Sie können symptomlos und ,friedlich‘ im Körper verbleiben, aber am nächsten Tag zu Entzündung oder Gallestau führen. Mitunter besteht dann in seltenen Fällen sogar Lebensgefahr!“, führt Univ.-Prof. Dr. Martin Schindl, Facharzt für Chirurgie aus Wien, aus. Grundsätzlich gilt aber: Die meisten Menschen nehmen ihre „Steinchen“ über viele Jahre gar nicht wahr. Manchmal bestehen wiederkehrende Beschwerden wie Drücken oder Ziehen im rechten oberen Bauchraum, die nach der Nahrungsaufnahme stärker werden und dann wieder verschwinden. Oftmals wird die Diagnose auch relativ zufällig im Zuge einer Ultraschall-Untersuchung für einen anderen Zweck gestellt.

Nicht zu ignorieren ist jedoch eine Kolik des Hohlorgans, welches eigentlich der Speicherung und Eindickung der in der Leber produzierten Galle dient. Dr. Schindl: „Dabei handelt es sich um heftige, krampfartige Schmerzen im Oberbauch, die in ,Wellen‘ ablaufen und über Stunden andauern können. Manchmal werden die Schmerzen stärker und dauerhaft, sind mit Fieber sowie Krankheitsgefühl verbunden. Dann liegt häufig eine zusätzliche Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis) vor.“ Hier sollte rasch ärztliche Hilfe hinzu gezogen werden, denn diese kann bis zur eitrigen Einschmelzung der Gallenblase mit Durchbruch und Bauchfellentzündung (Peritonitis) voranschreiten. Dann herrscht in kurzer Zeit Lebensgefahr! Eine ernste Situation besteht ebenfalls, wenn Steine von der Gallenblase (besonders wenn sie kleiner als einen Zentimeter sind) in die -gänge gelangen und dort zu einem Gallestau (Cholestase, Ikterus) sowie einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse (biliäre Pankreatitis) führen. Innerhalb von 48 Stunden sollte auch hier medizinisch eingegriffen werden, da es sonst ebenfalls lebensbedrohlich werden kann.

Wann ist ein Eingriff notwendig?
„Wenn Sie abrupt sehr starke Schmerzen im Oberbauch quälen, die gürtelförmig ausstrahlen, eine gelbe Hauttönung aufweisen oder immer wieder kolikartige Beschwerden haben, sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Dann ist eventuell ein chirurgischer Eingriff angezeigt“, erklärt Dr. Schindl. Früher wurden die Probleme teilweise medikamentös behandelt. Das Ziel war, cholesterinhaltige Steine durch die Einnahme von Gallensäuren langsam aufzulösen, leider meist mit geringem Erfolg. Denn sie verschwanden nicht vollständig und gingen mitunter über den Gallengang ab - mit dem Risiko, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse auszulösen. Auch die Zertrümmerung war in den 1980er bis 1990ern in Mode, brachte aber ebenso wenig Erfolg. Heute entfernt der Arzt die Gallenblase mittels „Schlüsselloch Chirurgie“, d. h. minimal-invasiver Technik mit kleinen, 5-10 mm breiten Öffnungen in der Bauchdecke. Selbst nach ihrer Beseitigung wird Gallenflüssigkeit in der Leber produziert, die durch den Gallengang in den Zwölffingerdarm fließt, um dort die Verdauung der Nahrung zu unterstützen. Danach ist es möglich, normale Kost zu essen.

Interview auf krone.tv

21. 6.: „Gallenblase“ - 17.20, 19.25 Uhr und am 22. 6. um 7.15 Uhr und um 12.10 Uhr. Univ.-Prof. Dr. Schindl beantwortet im Interview mit Moderatorin Raphaela Scharf Fragen zum Thema. Informationen zum Empfang finden Sie hier.

Eva Greil-Schähs
Eva Greil-Schähs
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