15.04.2021 17:01 |

Konzern macht ernst

MAN setzt Leasingarbeiter in Steyr auf die Straße

Nach dem klaren Nein der Mitarbeiter zur Übernahme des Standorts in Steyr wird MAN nun nach und nach Leiharbeiter entlassen. Dadurch verliert in den kommenden Wochen die Hälfte der 278 Leiharbeiter ihren Job. Diesem Schritt soll letztlich die Schließung des Werks folgen. Indes sind neue Verhandlungen über einen Sozialplan angelaufen.

Die MAN-Zentrale in München hat eine Woche nach dem Nein der Belegschaft zur Übernahme des Standorts Steyr durch Investor Siegfried Wolf Schritte zur Schließung des Werks eingeleitet. „Als eine der ersten Maßnahmen werden wir die Anzahl der Leiharbeitnehmer am Standort von 278 in den nächsten Wochen um zunächst rund die Hälfte reduzieren. In einem weiteren Schritt werden wir uns auch von den übrigen Leiharbeitnehmern trennen“, teilte die Zentrale in München in der APA mit.

MAN setzt nun Plan B um
Ziel sei gewesen, das Werk unter einem neuen Eigentümer mit einer neuen Perspektive zu erhalten. Nachdem dieser „Plan A“ abgelehnt worden sei, „setzen wir jetzt den angekündigten ,Plan B‘ der Schließung konsequent um. Einen ,Plan C‘ gibt es nicht“, stellte der Konzern klar.

Zudem beginnen Verhandlungen über den Sozialplan, da der bisherige an eine Übernahme durch Wolf geknüpft war. Eine entsprechende Einladung wurde der Arbeitnehmervertretung überstellt.

Kündigungen, aber Auftragsbücher voll?
Arbeiterbetriebsrat Helmut Emler hat laut eigenen Angaben bisher nur inoffiziell gehört, dass die Zentrale an die 125 Leasingarbeiter nicht mehr weiter beschäftigen will - und das, obwohl die Auftragsbücher voll seien. Wenn nach wie vor 86 Lkw in 4,5 Produktionstagen pro Woche vom Band gehen müssen und dieses Volumen mit der Stammbelegschaft aufrechterhalten werden soll, könnte dies laut Emler nur bedeuten: Zwei Sonderschichten, durch das Streichen der Freischicht Freitagnachmittag und das Einführen einer zusätzlichen am Samstag.

Damit stehe auch eine Überstundenverpflichtung im Raum. Die gleiche Stückzahl mit Überstunden zu produzieren, bezeichnet er als „wirtschaftlichen Wahnsinn“. Aber offensichtlich „spielt Geld bei der aktuellen MAN-Führung keine Rolle“.

SPÖ drängt weiter auf staatliche Beteiligung
Die SPÖ Oberösterreich tritt weiterhin für eine staatliche Beteiligung am zur Schließung vorgesehenen Werk in Steyr ein. Das bekräftigte die Landesvorsitzende Birgit Gerstorfer am Donnerstag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Betriebsrat vor den Werkstoren.

Anders sieht das der ÖVP-Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner, der davor warnte, die Zukunft des Werks in Steyr und der Mitarbeiter für parteipolitische Zwecke zu verwenden. Das wäre alles andere als förderlich.

Schließung könnte Konzernmutter VW Milliarden kosten
Der Linzer Zivilrechtsexperte und Rektor der Johannes Kepler Universität (JKU), Meinhard Lukas, meinte, dass die geplante Schließung des Werks die deutsche Konzernmutter VW Milliarden kosten könne. So gebe es für das Werk nicht nur einen Standortsicherungsvertrag, sondern auch einen Kündigungsverzicht seitens des Unternehmens. Damit würden im Falle einer Schließung Kündigungsentschädigungen bis zum Jahr 2030 fällig werden, sagte Lukas auf Anfrage der APA. Die praktische Konsequenz einer Werksschließung und Kündigungen wären Kündigungsentschädigungen für die entgangenen Löhne, „da sprechen wir aufsummiert über die Jahre über Milliardenbeträge“, so Lukas. Für die Höhe der Entschädigungen wären auch Einkommen aus neuen Jobs zu berücksichtigen.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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