09.12.2010 18:30 |

Juwelier überfallen

War das ein Coup der "Pink Panther"-Bande?

Sie sind professionell, militärisch geschult und brutal: Die Mitglieder der legendären "Pink Panther"-Bande, die aus Serbien und Montenegro stammen, weltweit agieren und auf Juwelierüberfälle spezialisiert sind. Lieblingsbeute: Nobeluhren. Der Coup in Klagenfurt dürfte auf das Konto dieser Bande gehen.

Seit zehn Jahren ist diese Bande, deren Mitglieder im Armenhaus des Balkan rekrutiert werden, auf Beutezug: 190 Fälle in 27 Ländern auf vier Kontinenten sind aktenkundig. Beute bisher: Luxusuhren und Juwelen um 250 Millionen Euro!

Interpol ermittelt derzeit gegen 400 Verdächtige. Selten wird einer der Verbrecher geschnappt. Wie im Juni Vladimir L. in seiner Heimat Montenegro. Am 24. November fasste der Schwerverbrecher, der bereits sieben Jahre in Belgien abgesessen hatte, weitere acht Jahre aus: Wegen eines Juwelierüberfalls in Frankfurt. Dabei war L. nur ein sogenannter "Soldat". Einer, der mit Komplizen die Überfälle ausführt. Die Hintermänner sind nicht zu fassen.

Laut Peter Dürstinger, dem "Pink Panther"-Experten beim Bundeskriminalamt, werden auch in Österreich zahlreiche Überfälle dieser Bande zugerechnet. Wie jener vom 28. November 2005 in Eisenstadt (Burgenland), bei dem ein Räuber auf der Flucht einem jungen Juwelier-Angestellten ins Gesicht geschossen hatte, das Opfer ist seither gelähmt und ein Pflegefall.

Diamantring in Cremedose versteckt
Kriminalist Herbert Rogl: "Die Vorgangsweise der Täter in Klagenfurt ist mit jener dieser Bande identisch." Warum heißt sie "Pink Panther"-Bande? Nach einem Überfall in London wurde ein 800.000-Euro-Diamantring in der Cremedose einer Gangsterbraut entdeckt, ein Versteck wie im "Pink Panther"-Film 1963.

Fast schon wieder Alltag im Juweliergeschäft
Im überfallenen Juweliergeschäft ist einen Tag nach dem brutalen Raubüberfall fast schon wieder Alltag eingekehrt. Eine Angestellte erinnert sich an den schrecklichen Moment: "Ich wollte von einem anderen Verkaufsraum gerade eine Uhr holen, als der Maskierte ins Geschäft stürmte. Ich bin dem ersten Täter praktisch direkt in die Hände gelaufen", so die 38-Jährige, die vom Maskenmann mit einer Pistole bedroht wurde: "Als er mir die Waffe an die Schläfe drückte, dachte ich eigentlich nur wirres Zeug. Panik war keine da."

Binnen zwei Minuten war der Coup vorbei. Die Höhe der Beute umschreibt Juwelier Otto Heller (Bild): "Es ist so viel, wie wenn ein schönes, nicht zu kleines Haus abbrennt." Nicht einmal 24 Stunden nach dem Überfall waren die geplünderten Auslagen und Vitrinen bereits wieder aufgefüllt. "Dank meiner exzellenten Verbindungen zu den Konzernleitungen können die Kunden wieder aus dem vollen Angebot auswählen", so Otto Heller, der übrigens vor 15 Jahren bei einem Überfall selbst in seinem Geschäft stand: "Der Täter hatte mich damals mit Kampfgas außer Gefecht gesetzt und verletzt."

Von den Tätern dieses Überfalls fehlt weiter jede Spur. Sie dürften die Beute schon längst außer Landes gebracht haben.

von Martin Radinger und Wilfried Krierer ("Kärntner Krone") und kaerntnerkrone.at

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