23.01.2021 10:28 |

Krebstherapie

Wie lässt sich Eierstockkrebs am besten vermeiden?

Österreichische Fachärzte der MedUni Graz stellen ein Modell vor, mit dem Hunderten Frauen das Leben gerettet werden könnte. Zugrunde liegt eine prämierte Studie

Viele Leser werden sich noch an die beliebte Gesundheitsministerin Dr. Sabine Oberhauser (2014-2016) erinnern. Sie starb vor knapp vier Jahren an Eierstockkrebs. Selbst Ärztin mit enormer Kraft und starkem Willen konnte sie den übermächtigen Gegner nicht besiegen. So geht es Jahr für Jahr 500 weiteren Frauen in Österreich, 700 bekommen jährlich die Diagnose.

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Das Ovarialkarzinom ist unser großes ungelöstes Problem in der Gynäkologie.

Univ-Prof. Dr. Karl Tamussino, Vorstand, Geburtshilflich-gynäkologische Univ.-Klinik Graz

Diese fünfthäufigste Krebstodesursache bei Frauen wird meist erst sehr spät entdeckt, denn es gibt weder eine zuverlässige Möglichkeit der Früherkennung (Tumormarker, Bildgebung) noch eine Screeningmethode. Univ-Prof. Dr. Karl Tamussino, Vorstand, Geburtshilflich-gynäkologische Univ.-Klinik Graz: „Das Ovarialkarzinom ist unser großes ungelöstes Problem in der Gynäkologie. Die herkömmlichen Eierstockzysten haben damit übrigens nichts zu tun. Wir wussten ja lange nicht, wo das Krebsgeschehen herkommt. Das hat sich aber vor ca. 20 Jahren bei der genetischen Testung von Frauen bei familiärer Häufung von Brust- und Eierstockkrebs mit der Entdeckung von Mutationen an den BRCA-Genen geändert und gezeigt, dass sich die Frühform eigentlich im Eileiter - der Verbindung zwischen Gebärmutter und Eierstöcken - bildet. Daher ist es seit Jahren Standard geworden, bei einer notwendigen Entfernung der Gebärmutter auch die Eileiter mitzunehmen, während der Eierstock erhalten bleibt, da er wichtig ist für die hormonell Funktion.“

Ein Fachärzteteam aus der Steiermark diskutierte daher, ob es nicht noch weitere Möglichkeiten der chirurgischen Prophylaxe gäbe, damit diese Krebsvariante erst gar nicht mehr entstehen könne. Univ.-Prof. Mag. Dr. Selman Uranüs, Klinische Abteilung für Allgemeinchirurgie und Spezialist für Laparaskopie, MedUni Graz: „Wir hatten die Idee, Frauen im Zuge von Gallenblasenentfernung anzubieten, auch die Eileiter zu entfernen.“ Die meisten dieser Eingriffe werden minimal invasiv durchgeführt („Schlüssellochchirurgie“), so ergibt sich daraus keine zusätzliche Belastung. 7500 Patientinnen unterziehen sich pro Jahr einer Gallenblasen-OP. So startete eine Befragung, um herauszufinden, ob das für betroffene Frauen eine Option wäre. „Bei den dafür ausgewählten Patientinnen im Alter ab 45 ohne familiäres Risiko gab es 90% Zustimmung“, berichtet Gynäkologin OA Mag. Dr. Gordana Tomasch. „Eierstock und Eileiter haben unterschiedliche Gefäße. Die Entfernung des Eileiters wirkt sich nicht auf die Funktion des Eierstocks aus. Wir wollten auf jeden Fall klarstellen, dass wir die Patientinnen nicht vorzeitig in die Wechseljahre schicken.“ Eine künstliche Befruchtung wäre daher dennoch weiterhin möglich. Beim nachfolgenden Projekt („SaLCHE“), das bei einer Fach-Präsentation sogar einen Preis bekam, bot man Frauen aus der Zielgruppe vor einer Gallenblasenentfernung eine gleichzeitige Eileiterentfernung an, was tatsächlich sehr gut angenommen wurde. Nun sollen weitere Erhebungen folgen, um die Methode zu etablieren.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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