05.01.2021 08:01 |

„Krone“-Interview

Innauer: „Genau das ist der Fluch der Tournee“

Skisprung-Legende Toni Innauer zieht Zwischenbilanz und spricht über die Durststrecke der österreichischen Adler. Den unglaublichen Lauf der Polen vergleicht er mit einer Fußball-Mannschaft der 90er.

„Krone“: Herr Innauer, wie fällt ihre Zwischenbilanz der Vierschanzentournee vor dem Finale in Bischofshofen aus?
Toni Innauer: Die Stimmung in Österreich und Deutschland ist ein bisschen geknickt, der Bergisel hat wieder Schicksalsberg gespielt. Die Bilanz ist daher eine verrückte, zumal die Tournee ohne Zuseher stattfindet - dafür sportlich absolut hochklassig ist!

Was vor allem an der polnischen Mannschaft liegt.
Hier sehe ich das Dänemark-Phänomen von 1992, als deren Mannschaft überraschend die Fußball-EM gewann. Auch die Skispringer waren ja weg, mit dem Kopf zuhause. Dann durften sie plötzlich doch starten. Dadurch entstand eine Leichtigkeit, die man nicht künstlich herstellen kann. Ihre Kaltschnäuzigkeit hat sich immer weiter gesteigert.

Dafür läuft’s bei den Österreichern nicht rund. Sind wir nach den Seriensiegen (2009-2015) zu verwöhnt?
Man muss einkalkulieren, dass es solche Schwankungen gibt. Das Potenzial der einzelnen Sportler ist aber deutlich besser als ihre Ergebnisse. Da rede ich von Kraft, aber auch von Huber, der Weltklassesprünge gezeigt hat, oder Aschenwald. Sie haben bisher nicht aufs Papier gebracht, was sie können. Genau das ist der Fluch der Tournee! Man kann sich kaum erholen.

Zum Abschluss wartet mit Bischofshofen eine rot-weiß-rote Erfolgsschanze. Warum ist das so?
Das hängt mit der besonderen Dramaturgie zusammen. Dort löst sich oft der Knoten, ist der Druck weg.

Kamil Stoch geht als Leader ins Finale. Lässt er sich den Sieg noch nehmen?
Er ist nicht der schnellste Anfahrer. Schon Jens Weißflog hat dort die Tournee verloren, ich ebenfalls. Bei normalen Verhältnissen lässt er sich das aber nicht mehr nehmen, glaube ich.

Wer wird Tagessieger?
Ich tippe auf Kubacki, als Joker fürs Podest sehe ich Eisenbichler und Hayböck.

Christoph Nister, Kronen Zeitung

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