15.12.2020 10:43 |

Beste Schachspielerin

„Das Damengambit“: Deja-vu für Judit Polgar

Die als beste Schachspielerin aller Zeiten geltende Ungarin Judit Polgar war einst ein Wunderkind. Genauso, wie Beth Harmon, aus der Netflix-Serie „Das Damengambit“. Und das, was Beth gegenüber den männlichen Mitspielern erlebt, ist für sie ein Deja-vu. Die meisten Herren-Schachspieler reagierten extrem schräg, wenn sie gegen sie verloren haben. 

Auch Polgar sah sich im männerdominierten Sport mit sexistischen Vorurteilen konfrontiert: „Ich habe fast immer gegen männliche Gegner gespielt. Oft war ich die einzige Frau im Turnier“, sagte sie der französischen Nachrichtenagentur “AFP“ gegenüber.

Stellte Rekord auf - schräge Reaktionen
Polgar (44) trug schon mit 15 den Titel „Jüngster Schachgroßmeister aller Zeiten“ und wies damit Legenden wie Bobby Fischer hinter sich. Danach schlug sie weitere große Kaliber der Schachwelt. „Der erste Großmeister, den ich bezwang, schlug mit seinem Kopf gegen die Wand im Aufzug. Ein anderer wollte mir nicht die Hand geben und stürmte beleidigt aus dem Saal“.

Parallele zum Film
Ähnlich, wie in der Netflix-Serie „Das Damengambit“, in dem sich Beth mit dem russischen Champion Vasily Borgov misst, etablierte sich Polgar  zu einem großen Gegner von Garri Kasparow, der von vielen als bester Spieler der Schach-Geschichte gehandelt wird. Was ihn aber nicht daran hinderte, sich abfällig über das Frauenschach zu äußern.

1988, an der Schacholympia, war Judit gerade mal 12 Jahre alt. Sie spielte mit ihren älteren Schwestern Zsuzsanna und Zsofia in einem Team und gewann Gold für Ungarn. Kasparow war damals Weltmeister und sehr beeindruckt vom Spiel des Wunderkindes. Aber gleichzeitig nannte er sie eine “Zirkuspuppe“ und behauptete, Frauen sollen sich mit Kinderkriegen zufriedengeben. Und er schloss es aus, dass ihn je eine Frau schlagen könnte.

Kasparow eine Lehre erteilt
„Frauen können mit so einem Druck nicht umgehen, ich bin mir fast sicher, dass das für sie unmöglich ist“, soll er laut Polgar ungarischen Journalisten gesagt haben. Doch er irrte sich. 14 Jahre später verlor Kasparow (unten im Bild) gegen Polgar in Moskau, nicht nur für die Ungarin war das ein „historischer Moment“ im internationalen Schachsport.  

„Ich saß mit einem Deja-Vu-Gefühl vor dem Bildschirm, als ich die Anspannung von Beth vor ihrem entscheidenden Spiel gegen Borgov sah. Sie war sich nicht sicher, ob sie mit dem Ganzen umgehen kann, das war das, was ich auch gegen Kasparow gespürt hatte“, erzählte die Schach-Legende.

Viel Sexismus
Seitdem hat sie sich mit Kasparow versöhnt. Ihr Gegner wurde von Netflix für den Film als „technischer Berater“ engagiert. Polgar versicherte: Sie genoss die Serie und konnte durchaus Parallelen zur realen Welt feststellen. Sie bestritt aber, dass Alkohol und Medikamente sich positiv auf die Leistung eines Spielers auswirken könnten: „Das würde im modernen Schach eine Spitzenleistung unmöglich machen“, sagte sie. Und fügte hinzu: „Aber Sexismus ist noch viel mehr präsent, als im Film dargestellt. Damit müssen alle Schachspielerinnen kämpfen.“

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