„Mit Haft gedroht“

Zugangsverbot für Wiener Journalisten auf Lesbos

Wien
14.12.2020 18:25

Während in Österreich und Europa um Lockdowns und Massentestungen gestritten wird, vegetieren auf der griechischen Insel Lesbos weiterhin Tausende Flüchtlinge unter menschenunwürdigen und nunmehr winterlichen Bedingungen. Jetzt wurde auch eine österreichische Recherchegruppe daran gehindert, die Lager zu besuchen. Die Rede ist von einer Informationssperre um die Flüchtlingslager vonseiten der griechischen Behörden. Nur wenige Reporter schaffen es, zu den Lagern vorzudringen.

„Menschenverachtender Zynismus kennt innerhalb der Europäischen Union keinerlei Grenzen mehr“, sagt Rubina Möhring, Präsidentin von „Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich“ in einer Mitteilung ihrer Organisation. Möhring erinnert unter anderem daran, dass die EU seinerzeit als Friedensprojekt gegründet worden war. „Ist dies inzwischen alles Schall und Rauch?“

Das Verhalten der EU gegenüber den Flüchtlingen sei per se ein Skandal für eine mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Organisation. Nicht minder unbegreiflich sei, dass eine Gruppe von Journalisten nicht von der österreichischen Vertretung in Griechenland unterstützt worden sei, kritisiert die Journalistin.

Vor einigen Tagen hatte es ein Arte-Reporter geschafft, einige Eindrücke aus Moria zu erlangen, die „Krone“ war zuletzt Anfang Oktober vor Ort.

Reise von Schauspielerin und Bischof organisiert
Organisiert hatte die Informationsreise für drei Journalisten die Schauspielerin und Aktivistin Katharina Stemberger gemeinsam mit Bischof Hermann Glettler. Demnach waren die Behörden auf Lesbos wohl bereits vorab über das Kommen der Gruppe informiert worden. „Uns unverständlich war und ist, dass wir keine Unterstützung, weder seitens des österreichischen Außenministeriums noch der Österreichischen Vertretung in Griechenland, erhielten“, ärgert sich auch Stemberger.

„Im Gegenteil, es wurde uns massiv davon abgeraten, zu versuchen, das Lager auf Lesbos zu besuchen. Es könnten über uns Haft- und massive Geldstrafen verhängt werden“, so Stemberger, Initiatorin der Aktion „Courage - Mut zu Menschlichkeit“.

Außenministerium: „Wegen Corona zu Verschiebung geraten“
Das Außenministerium stellte auf krone.at-Anfrage klar, dass man lediglich wegen der Corona-Bestimmungen von einer Reise nach Griechenland abgeraten habe. Vorwürfe, wonach man den griechischen Behörden dabei habe helfen wollen, eine Berichterstattung zu verhindern, lässt man nicht gelten. Man habe lediglich eine Verschiebung des Aufenthalts empfohlen.

3000 Unterkunftsmöglichkeiten in Österreich gefunden
Die Aktion „Courage - Mut zu Menschlichkeit“ - zuletzt wurde dort, wie berichtet, unter anderem ein Video-Adventkalender ins Leben gerufen - gibt an, inzwischen über 3000 private Unterkunftsmöglichkeiten in Österreich ausfindig gemacht zu haben. Zumindest 144 Flüchtlinge könnten in einem ersten Schritt problemlos aufgenommen werden. Viele Kriegsflüchtlinge auf Lesbos hätten nicht nur eine hohe Anerkennungsquote, sondern auch bereits positiv beschiedene Asylanträge, heißt es seitens der NGO. „Was also spricht dagegen, diese humanen Angebote seitens privater österreichischer Haushalte anzunehmen?“, fragt RSF-Leiterin Möhring.

Was dagegenspricht, hat Österreichs Bundesregierung bereits mehrfach erläutert. Das offizielle Österreich fürchtet einen Pull-Effekt durch die Aufnahme von Flüchtlingen. Man hatte sich bereits im Sommer dazu entschlossen, stattdessen vor Ort zu helfen. Die ersten Zelte aus Österreich wurden Ende November aufgestellt.

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