26.11.2020 08:46 |

Tote Tiere vergraben

Dänemark kämpft nach Keulung gegen „Zombie-Nerze“

Mit einem mehr als kuriosen Problem hat Dänemark zurzeit zu kämpfen: Die nach der Massentötung vergrabenen Nerze gelangen wieder an die Oberfläche. Das Phänomen, das in vielen Medien mit dem Begriff „Zombie-Nerze“ betitelt wurde, hat eine natürliche Ursache: Verwesungsgase drücken die Kadaver wieder aus dem Boden.

Der Grund für die Massentötung der Nerze war eine Mutation des Coronavirus, die sich rasch in den Pelzfarmen ausbreitete - auch auf Menschen sprang diese über. Aus Angst, die neue Version könnte die in Entwicklung befindlichen Impfstoffe gegen den Erreger unwirksam machen, wurde die Keulung von Millionen Tieren angeordnet. Doch nun kämpft Dänemark mit den Folgen dieser schwerwiegenden Entscheidung.

Kadaver werden durch Bildung von Gasen „aus der Erde gepresst“
Denn die Kadaver wurden in Massengräbern beigesetzt - und offenbar nicht tief genug vergraben. Lediglich in einem einen Meter tiefen Graben wurden sie verscharrt. „Während die Körper verwesen, bilden sich Gase“, zitierte die Zeitung „The Guardian“ den Polizeisprecher Thomas Kristensen. „Das sorgt dafür, dass sich das Ganze ein wenig ausdehnt. Auf diese Art werden die Nerze, im schlimmsten Fall, aus der Erde gepresst.“

Die Polizei in West Jutland, wo die Kadaver auf einem Militärübungsplatz vergraben wurden, muss nun zusätzlich Erde aufschütten, wo die Körper wieder an die Oberfläche kommen. Das Problem sei der sandige Untergrund, erklärte Kristensen. Die Erde sei zu leicht, um die verscharrten Tiere in ihrem Grab zu halten.

Kontamination des Trinkwassers befürchtet
Die Lage des Massengrabs sorgte zudem für Kritik: Viele befürchten, dass die Tiere zu nah bei Seen und unterirdischen Wasserspeichern begraben wurden - so sei die Kontamination von Trinkwasser riskiert worden. „Es scheint, dass niemand wirklich die Konsequenzen kennt“, ärgerte sich Susan Münster vom dänischen Wassergremium. „Ich finde das sehr bedenklich.“ Auch der Bürgermeister Leif Brogger ist erzürnt, wie die Angelegenheit gehandhabt wurde: „Die Behörden setzen die Umwelt aufs Spiel und nützen sie als Müllplatz.“

Zaun wird um Massengrab errichtet
Und wie reagiert die Regierung? Diese spricht von einem „temporären Problem“ und versprach, das Areal rund um die Uhr zu bewachen und einen Zaun zu errichten, „um potenzielle Gefahr für Mensch und Tier zu vermeiden“. Von den Kadavern gehe laut Kristensen jedenfalls kein Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus aus, da diese vor dem Eingraben desinfiziert worden seien und die Übertragung über die ausgeatmete Luft erfolge. Es sei außerdem „nie gesund, sich toten Tieren zu nähern“, warnte der Polizeisprecher.

Miriam Krammer
Miriam Krammer
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