07.11.2020 06:00 |

Nichts verpassen!

KW 45 - die wichtigsten Neuerscheinungen der Woche

Musik als Lebenselixier - besonders für das Wochenende, wo man hoffentlich auch Zeit dafür hat. Wir haben für euch wieder die besten Alben und Veröffentlichungen der Woche zusammengesammelt. Quer durch alle Genres ist hier garantiert für jeden was dabei. Viel Spaß dabei!

All diese Gewalt - Andere
Max Rieger ist schon seit Jahren die aufregendste Persönlichkeit im deutschen Indie-Kosmos. Mit dem Postpunk seiner Hauptband Die Nerven trifft er stets den Zahn der Zeit und einer ganzen Generation, als Produzent hat er Platten von Drangsal, Ilgen Nur, Jungstötter oder Mia Morgen veredelt. Mit seinem Metalprojekt Obstler ging er in der Breitenwirkung unlängst ziemlich unter, All diese Gewalt sollte das nicht passieren. Im Gegensatz zu seiner Hauptband zeigt sich Rieger hier verletzlich und labil. Songs wie „Gift“ werden von vorsichtig akzentuierten Beats angetrieben und dahinter verbergen sich fragile Momente, inhaltsvolle Texte und sehr viel Herzschmerz. Schmerzhaft sei auch der vierjährige Songwriting-Prozess gewesen. Eine wundervolle, aber auch intensive Herbstplatte, die die deutsche Musikszene von ihrer starken Seite zeigt. 7,5/10 Kronen

Alte Bekannte - Bunte Socken
Der Name ist Programm, denn das deutsche Kollektiv ist A-Cappella-Freunden nicht unbekannt. Hinter den Alten Bekannten steckt niemand Geringerer als die Wise Guys, die sich 1990 schon in der Schule zusammenfanden und bis vor drei Jahren gemeinsam die Bühnen der (europäischen) Welt eroberten, bevor sich so mancher innerhalb der Band beruflich neu orientieren wollte. Noch nicht einmal ein halbes Jahr später haben ein paar der Wise Guys unter dem Banner Alte Bekannte schon das Debüt „Wir sind da!“ veröffentlicht, drei Jahre später sind wir mit „Bunte Socken“ schon bei Album Nummer drei gelandet - so schnell kanns gehen. Zwangloser Vokalpop, der bewusst und geschickt prekäre Themen umschifft und für gute Laune sorgen will. Handwerklich hervorragend, aber garantiert nicht jedermanns Sache. 6/10 Kronen

Alter Bridge - Walk The Sky 2.0 EP
Rechtzeitig zum taufrischen Lockdown beehren uns auch die US-Vorzeigerocker Alter Bridge mit einem kleinen Lebenszeichen, das über die trüben Zeiten hinweghelfen soll. „Walk The Sky 2.0“ ist, wie es der Name schon ankündigt, ein kleiner Aufguss zum letztjährigen Erfolgsstudioalbum, auf dem sich Alter Bridge runderneuert zeigten. Mit „Last Rites“ gibt es zu Beginn einen stampfenden Song, den Myles Kennedy und Co. während des Lockdowns geschrieben haben, aufgefettet wird das bunte Treiben von sechs Liveversionen des letztjährigen Studioalbums, die während der zweiwöchigen US-Tour 2019 aufgenommen wurden. Nicht viel Neues, aber doch einiges Tröstliches für die Fans der Alternative-Rocker. Zeit für das nächste Studioalbum ist ja sicher auch gerade vorhanden. Ohne Bewertung

Ólafur Arnalds - Some Kind Of Peace
Wenn wir nach dem besten Soundtrack für diese herausfordernden Tage suchen, dann sind wir beim Isländer Ólafur Arnalds zumindest nicht falsch. Der 34-jährige Multiinstrumentalist hat sich in seinem Heimatstudio am Hafen von Reykjavik eingeschlossen, um Musik zu kreieren, wie sie nur von dieser so mystischen nordischen Insel kommen kann. „Some Kind Of Peace“ ist im Direktvergleich zum 2018er Vorgänger „Re:member“ introvertierter und retrospektiver ausgefallen, doch mehr denn je gelingt Arnalds der galante Spagat zwischen der so populären Neoklassik und elektronischen Ambient-Klängen. Mit dem britischen Chartstürmer Bonobo, dem deutschen Singer/Songwriter Josin und seinem isländischen Landsmann JFDR hat er sich auch ein paar illustre Gäste ins Boot geholt. „Some Kind Of Peace“ brauchen und suchen wir alle und Arnalds unterstützt uns dabei fragil und sanftmütig. Ein wundervolles Werk, das zum Träumen und Schwelgen einlädt. 7,5/10 Kronen

Baby Queen - Medicine EP
Als „Alt-Pop-Sensation“ wird die junge Baby Queen in diversen Indie-Medien bereits bezeichnet und fürwahr, das 3-Track-Lebenszeichen „Medicine“ könnte der Türaufstoßer für eine respektable Karriere bedeuten. Der Hardcore-Fan von Taylor Swift schafft es, Mainstream-tauglichen Pop mit ehrlichen Geschichten über die Einnahme von Antidepressiva mit einer Indie-Slacker-Attitüde zu vermischen. Bella aka Baby Queen sucht einen Weg, sich aus dem Wulst an Herausforderungen und Verantwortungen in diesem Leben herauszuziehen und Frieden für sich selbst zu finden - Teenage Angst für die Generation Z, die mit Sicherheit Zuspruch erhält. „Medicine“ ist eine der spannendsten und interessantesten Neuveröffentlichungen in diesem Jahr und verspricht Großes. Ohne Bewertung

Dame Shirley Bassey - I Owe It All To You
James Bond ist derzeit aus unterschiedlichsten Gründen in aller Munde. Den neuen mit Daniel Craig wollte die Produktionsfirma aufgrund der Corona-Krise (erfolglos) an Streaming-Anbieter verkaufen und der einzig wahre Ur-Bond Sean Connery verstarb vor wenigen Tagen im Alter von 90. Eine Bond-Legende ist auch die Waliserin Shirley Bassey, die vor allem mit „Goldfinger“, aber auch „Diamonds Are Forever“ zur Titellied-Legende wurde. Natürlich hat die heute 83-Jährige auch in vielen anderen Sparten für Furore gesorgt und ist mittlerweile über 70 Jahre (!) im Musikgeschäft tätig. „I Owe It All To You“ ist ein emotionaler, aber auch kitschfreier Abschied von ihrem Publikum, auf dem sich ihr auf den Leib geschriebene neuen Songs mit Cover-Versionen und Klassikern paaren. Schöner kann man sich eigentlich nicht verabschieden. Ohne Bewertung

Reb Beach - A View From The Inside
Reb Beach braucht man Hard-Rock-Fans nicht länger vorstellen. Er hat sich über die Jahre nicht nur bei Whitesnake einen respektablen Namen gemacht, sondern auch mit seiner Band Winger vorwiegend in den USA für Furore gesorgt. In Europa erreichte Beach nie den Kult und Bekanntheitsgrad wie in seiner Heimat, mit „A View From The Inside“ wird sich das auch nicht ändern. Erstmals versucht er sich nämlich gänzlich instrumental und erinnert dabei an die frühen Großtaten eines Steve Vai oder Paul Gilbert. Natürlich sind die handwerklichen Fertigkeiten des Sechssaiten-Virtuosen über alle Zweifel erhaben, doch wie bei allen Instrumentalalben scheitert es auf Dauer einfach am Spannungsbogen. Nach vier Songs hat man eigentlich alles gehört, es geht aber trotzdem noch fast dreimal so lange weiter. Strikt für Die-Hard-Fans, andere sollen lieber zu seinen etatmäßigen Werken greifen. Ohne Bewertung

Bertram - Chamäleon
Die heimische Rockszene hat bekanntermaßen so einige Perlen im Talon, die viel zu wenig beachtet werden. Dazu gehört gewiss auch Bertram, dessen Name nun keinen offensichtlichen Rock’n’Roll-Mief verbreitet, was aber nichts zur Sache tut. „Chamäleon“ ist das zweite Album, der sich in Songs wie „Camouflage“, „Fake“ oder „Hysteria“ bewusst mit den betäubenden Verfehlungen und Mechanismen der Gegenwart auseinandersetzt und diese Themen durchaus bunt verpackt. Mal klingt das nach spätem Grunge, mal nach Alternative Rock und zwischendurch auch nach wüstenstaubigem Stoner Rock. Zwischen Fragilität und vorpreschenden Momenten ist alles vorhanden, der Zeitgeist ist Bertram zum Glück nur inhaltlich, aber nicht musikalisch wichtig. Ziemlich 90er, das Ding, gut so. Am 4. Dezember sollte er mit Rote Augen im Wiener Chelsea auftreten (wer’s glaubt…) 7/10 Kronen

Jesper Binzer - Save Your Soul
Weltberühmt in der Heimat - so geht es rund um den Globus vielen Künstlern. In Dänemark etwa der kultigen Rockband D-A-D, deren Gottstatus hier kaum zu erfassen ist, weil man bei uns vor etwa 200 Besuchern konzertiert. Frontmann Jesper Binzer hat sich nach längerer Zeit wieder einmal auf Solopfade begeben und mit „Save Your Soul“ ein souveränes neues Rockalbum eingespielt. Die einzelnen Songs sind sehr persönlich gehalten und weisen, wie schon von seiner Hauptband gewohnt, durchaus großen Hymnencharakter auf. Die Joker-Optik, die bei Binzers Solowerk mitschwingt ist sicher kalkuliert, so viel lässt sich sagen. „Save Your Soul“ ist der Hauptband gar nicht so fern, traut sich in manchen Songs aber doch stärker auszuscheren und schraubt den Härtegrad teilweise sogar an. Wird in die Dänemark durch die Decke gehen, so viel ist gewiss. 7/10 Kronen

Birdy - Piano Sketches EP
Zweifellos besitzt die Britin Birdy eine der schönsten und eindringlichsten Stimmen in der modernen Populärmusik. Schade, dass ihr letztes Album schon wieder vier Jahre zurückliegt, aber für 2021 gibt es Hoffnung. Rechtzeitig zum zweiten Lockdown legt uns die sympathische Performerin eine 4-Track-EP auf den verfrühten Gabentisch, der freilich keine Wünsche offenlässt. „Piano Sketches“ wird, wie der Name bereits sagt, von einem filigranen Piano und ihrer zerbrechlichen Stimme getragen. Vor allem das eindringliche „Open Your Heart“ und die wundervolle Nummer „Island Lights“ wissen voll zu überzeugen. Die Verschmelzung aus Tastenklängen und ihrem Timbre ist schlussendlich auch eine Rückkehr zu ihren ganz frühen Tagen im Alter von acht Jahren, als sie mit der Musik begann. Wundervoll. Ohne Bewertung

Déluge - ÆgoTemplo
Dass sich der Black Metal in den letzten Jahren gewaltig entwickelt hat und vor allem eine Frankreich eine entscheidende Rolle dahingehend angenommen hat, das ist längst kein Geheimnis mehr. Es tut Bands und Genre gut, das Normen und Dogmen aufgebrochen werden. Déluge sind in diesem Bereich an der Front zu finden, würzen sie ihre Auffassung von Schwarzmetall mit Post-Hardcore und partiellen Sludge-Klängen. Das Saxofon in „Oppobre“ geht dann zwar ein bisschen zu weit (das passt irgendwie nur zur Ihsahn), ansonsten ist der Mix aus schwindelerregenden Speed-Kaskaden, Sprechgesang und gespenstischer Atmosphäre durchaus landestypisch und sehr gut gelungen. „Ægo Templo“ sticht nicht zwingend aus dem breiten Feld der starken Konkurrenz heraus, weiß sich aber geschickt im Spitzenfeld festzusetzen. Macht Lust auf mehr. 7/10 Kronen

Ecliptica - 15 In A Row
15 Jahre durchhalten im Sharktank Musikbusiness ist auch alles andere als eine Selbstverständlichkeit, so viel sei gesagt. Auf das Jubiläum aber so stolz zu sein, dass man gleich ein ganzes neues Studioalbum danach benennt kommt eher selten vor. Sei’s drum, wenn es Ecliptica Spaß macht, soll es so sein. Die Wiener rund um Gitarrist Markus Winkler lassen sich auch auf dem sechsten Rundling nicht aus dem Konzept bringen und servieren wieder eine flotte und mit zahlreichen Hits gespickte Palette aus 80er-Hard-Rock, schmierigem Power Metal und traditionellen Heavy-Metal-Zitaten. Mit „Speed Kings“ findet sich sogar eine echte Formel-1-Verbeugung auf dem Werk, das mit „Masterpiece Of Love“ oder „Mighty Wings“ echte Ohrwürmer aufweist. Well done! 7,5/10 Kronen

Fates Warning - Long Day Good Night
So lange Leerläufe wie Guns N‘ Roses oder AC/DC haben Fates Warning zwar nicht, bei den Prog-Metal-Urgesteinen aus Connecticut muss man aber auch zwischen drei und neun Jahre auf neue Alben warten. Die triste Herbst-Lockdown-Zeit verkürzen uns Jim Matheos, Ray Alder und Co. nun mit „Long Day Good Night“, dem ersten Werk nach vier Jahren Pause. Mit mehr als 70 Minuten versorgt man die vielen Fans, was die immer heißer werdende Gerüchteküche über ein drohendes Ende der Genre-Legende natürlich noch extra aufköcheln lässt. In Songs wie „Shuttered World“ oder „Glass Houses“ zeigen Fates Warning überraschend viel Härte, doch auch die aus längst vergangenen Tagen geglaubten elektronischen Elemente verstärken sich wieder, während man auch gekonnt auf gemächlicherem Plüsch wandelt („The Way Home“). In den elfeinhalb Minuten von „The Longest Shadow Of The Day“ verbrät die Band mehr Ideen, als viele Epigonen es auf mehreren Alben schaffen. Ein Ende wäre sehr schade, aber vielleicht ist das Abtreten in lichten Höhen gar keine schlechte Idee… 7,5/10 Kronen

Seamus Fogarty - A Bag Of Eyes
Auch gediegene Singer/Songwriter müssen irgendwann mit der Zeit gehen. Der in London wohnhafte Ire Seamus Fogarty hatte nach zwei starken und erfolgreichen Alben genug vom Gewohnten und experimentiert auf „A Bag Of Eyes“ vermehrt mit elektronischen Elementen, Synthesizern und einem Drum-Computer. Da paart sich eine zart gestimmte Akustikgitarre mit wabernden Drones oder wird die ländliche Schönheit eines Banjo-Klanges mit computeresken Soundkaskaden verwoben. Das klingt wesentlich abgedrehter als es im Endeffekt gelungen ist, denn „A Bag Of Eyes“ verliert nie das Gespür für das Wesentliche und setzt das Songwriting stets an die Spitze. Textlich erzählt er von Volleyball spielenden Nonnen, nostalgischen Erinnerungen oder Bushaltestellen und Hausbränden. Eine wunderbare Fusion von Tradition und Moderne, der es nur etwas am Hitpotenzial fehlt. 7/10 Kronen

JW Francis - We Share A Similar Joy
Oklahoma, Paris, nun New York City - JW Francis ist, so wie es für Singer/Songwriter, die Erfahrungen sammeln wollen gehört, in den relativ wenigen Jahren seines Lebens schon ordentlich herumgekommen. Mit Reisen ist vorerst einmal Schluss, dafür war Zeit genug, um die Indie-Preziose „We Share A Similar Joy“ fertigzustellen. Mit dem dumpfen Lo-Fi-Sound erinnert er natürlich an kühle Städte im nordwestlichen Amerika, wo immer der Wind weht und die Karriere-Perspektiven endenwollend sind. Mit der Ode an seine Wahlheimat, „New York“, oder „Good Time“ zeigt Francis hier und da auch, dass ihm das fröhlich ausgerichtete Up-Tempo auch gar nicht so schlecht zu Gesicht steht. Das Debütalbum des live mehr als umtriebigen Strahlemanns ist durchaus gelungen, auch wenn er das Rad der Indie-DIY-Szene damit nicht neu erfindet. 7/10 Kronen

Marina Kaye - Twisted
Die 22-jährige Marina Keye feierte in ihrer Heimat Frankreich schon als Teenager mehr als respektable Erfolge. Als ihre Debütsingle „Homelass“ auf Platz eins der Single-Charts ging, war sie gerade einmal 16 Jahre jung. Zwei Alben, zahlreiche Touren und viele Singles später ist Kaye eine nicht mehr wegzudenkende Konstante am französischen Pophimmel und braucht sich nicht vor der internationalen Konkurrenz verstecken. Das beweist nicht zuletzt ihr Drittwerk „Twisted“, auf dem sie sich mit hittauglichem Songwriting und einer mehr als fetten Produktion durchaus an Größen wie Lady Gaga orientiert, ohne dabei plump auf die Nase zu fallen. Im Gegensatz zu den US-Superstars ist Kaye musikalisch wesentlich dunkler unterwegs, hat einen wesentlich „europäischeren“ Zugang zum Mainstreampop, der ihr gut zu Gesicht steht. Das Album dreht sich durchgehend um ihre Gedanken, Erfahrungen und Reifeprozesse und weist mit „Twisted“, „Scream“ oder „Visions“ richtig starke Songs auf. In den USA wäre Kaye längst ein Superstar, hierzulande mahlen die Mühlen langsamer. 7,5/10 Kronen

LAL - Meteors Could Come Down
Das kanadische Duo LAL bestehend aus Rosina Kazi und Nicholas Murray bietet seit mittlerweile mehr als zwei Dekaden minimalistisch-entschlackten Electro an, der die Tanzfläche nicht als Partyplattform, sondern eher als Widerstandsbewegung sieht. Minimalistischer als auf den Anfang des Jahres aufgenommenen Songs von „Meteors Could Come Down“ klangen aber selbst die auf Reduziertes stehenden Ahornblätter noch nie. Angeleitet vom Bestseller-Buch „Pleasure Activism“ geben die beiden emotionale Blicke in ihr Innenleben und erschaffen damit mehr unfreiwillig als gewollt den perfekten Soundtrack für die gefühlte Apokalypse, die das Jahr 2020 rundum so prophezeit. Mit welchem Soundtrack wandelt man über einen zerstörten Planeten und sucht Hoffnung? Wohl mit diesem Album. 7/10 Kronen

Little Mix - Confetti
Das Girlgroup-Quartett Little Mix aus England ist das erfolgreichste ihrer Zunft seit den großen Spice Girls. Was mit dem letzten Album „LM5“ nicht mehr gelang, nämlich wieder an die Spitze der Albumcharts zu kommen, sollte „Confetti“ in prekären Corona-Zeiten nun gelingen. Was die Single-Auskoppelungen wie etwa „Break Up Song“, „Holiday“ oder „Not A Pop Song“ bereits ankündigten, setzt sich auf Langstrecke mühelos fort - die Band mäandert geschickt zwischen R&B, Pop und leichten Soul-Anflügen, ist dabei ungemein wuchtig produziert und schlägt geschickt die Brücke zwischen nostalgischen Spät-90s-Girlband-Ausflügen und zeitgemäßen, mit Hip-Hop und Rap-Parts versetzten Sounds. Ein garantierter Hit, dem es freilich an Ecken und Kanten fehlt, der an den massiven Erfolgen der Band nichts ändern wird. 7/10 Kronen

Ibrahim Maalouf - 40 Melodies
So kann man sich zum Geburtstag natürlich auch beschenken. Anlässlich des 40ers hat der französisch-libanesische Trompeter Ibrahim Maalouf einfach einmal tief in seiner reichhaltigen Diskografie gegraben, ein paar neue Tracks hinzugefügt und stellt mit einem sehr intimen Duett mit seinem langjährigen Wegbegleiter Francois Delporte eindrücklich vor. Jazzsound, Big-Band-Klänge, Pop und sanfte Rock-Zitate finden allesamt Platz auf dem bunten Werk, die bekannten orientalischen Einflüsse dürfen ebensowenig fehlen wie eingängige Hymnen und so manch ausgeklügelte, etwas dissonantere Komposition. Die meist sehr ruhigen, aber stets lebensbejahenden Tracks sollen aber nicht nur Maalouf selbst, sondern das Leben als solches feiern. Ein Album zum Zurücklehnen. Ohne Bewertung

Thelonious Monster - Oh That Monster
Die große Geste ist den Kaliforniern von Thelonious Monster wichtig. „Oh That Monster“ ist bereits das zweite Comebackalbum, schließlich hat sich die Truppe rund um Frontmann Bob Forrest schon zweimal aufgelöst, nur um dann doch wieder Lust auf juveniles Zusammenspielen zu bekommen. Freilich war ihr Punkrock mit Alternative Rock-Zitaten früher populärer als in der Gegenwart, konnte man auf dem 1992er Rundling „Beautiful Mess“ sogar Tom Waits als Gast begrüßen - Chapeau! Dass Forrest den neuen Rundling als ultimatives Highlight der Band sieht liegt auf der Hand, in der Realität schaut die Sache dann doch etwas anders aus. Dafür sind Songs wie „Falling Behind“ oder „Teenage Wasteland“ nicht zur zu handzahm und altersmilde geraten, die Mischung aus Reggae, Psychedelik und Alt-Rock beginnt irgendwann schlichtweg zu nerven. „Oh That Monster“ musiziert am Zeitgeist und der eigenen Qualitätskontrolle vorbei. Schade, verpasste Chance. 5/10 Kronen

Mae Muller - No One Else, Not Even You EP
Mit ihrem breiten, nordenglischen Akzent, ihren frechen und selbstkritischen Texten und einer kecken Pop-Ausrichtung hat sich Mae Muller in den letzten Jahren nicht nur einen Vertrag beim Branchenriesen Universal ersungen, sondern sich auch verstärkt in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit transferiert. Ihre brandneue EP „No One Else, Not Even You“ dreht sich angriffig und schonungslos um gescheiterte Beziehungen und zeigt sich in Songs wie „HFBD (Happy Fucking Birthday)“ oder „So Annoying“ einmal mehr schonungslos im Umgang mit Vergangenem. Dass Gwen Stefani ihre große Heldin ist, hört man den flotten Songs auch musikalisch an. Der Kurs stimmt jedenfalls, die acht neuen Tracks wissen auf jeden Fall zu überzeugen. Weiter so! Ohne Bewertung

No_4mat - No Fear
New York City bietet derzeit gezwungenermaßen viele Möglichkeiten, um es sich daheim gemütlich zu machen und an neuen Sounds zu schreiben. Das hat der Produzent No_4mat in den letzten Monaten bestmöglich ausgenutzt, um nun sein Debütalbum „No Fear“ vorlegen zu können. Die Mischung aus Trance, Disco, Synthwave und Videospiel-Soundtracks hat schon auf seiner millionenfach gestreamten Single „1992“ funktioniert, hier ist es nicht anders. Das nostalgische 90er-Feeling stößt auch aus Songs wie „Metal Gear“ oder „Game Six“ hervor und auf der breiten Soundpalette ist von sanften Ambient-Klängen bis hin zu tanzbaren Dancefloor-Nummern alles vorhanden, was die Elektronik so hergibt. Manchmal ist das Ganze etwas zu artifiziell angelegt, doch für einen gemütlichen Lockdown-Cyberspaceabend ist hier alles angerichtet. 6,5/10 Kronen

October Drift - Naked EP
Mit ihrem Debütalbum „Forever Whatever“ haben October Drift für ordentliches Rascheln im Kritikerwald gesorgt, was nicht zuletzt am ausgefeilten Songwriting und der eindrucksvollen Stimme von Frontmann Kiran Roy. Die kommen auf dieser nachgelegten 4-Song-EP „Naked“ noch viel besser zur Geltung, weil das raue, kratzende Timbre fast perfekt zu den sanften Akustikversionen der Albumsongs „Naked“ und „Cinnamon Girl“ passt. Dass die Songs auch ohne die bekannte Gitarrenwand funktionieren beweist, wie ausgefeilt die Nummern sind. Natürlich gibt es auch zwei neue Songs zu bewundern. „Still“ erinnert in seiner akustischen Einfachheit an die Beatles, „Like The Snow We Fall“ ist eine elegante Hymne, die sich zu einem atemberaubenden Crescendo steigert. Wie schade, dass man so ein Material noch länger nicht live sehen kann. Ohne Bewertung

Orianthi - O
Im Gitarrensegment hat die Australierin Orianthi Panagaris alles richtig gemacht. Schon als Teenager wurde sie von Carlos Santana entdeckt und quasi vom Soundcheck auf die Bühne geholt. Es folgten Touren als Livegitarristin von Prince, ZZ Top, Steve Vai, Michael Jackson (!) und schlussendlich Alice Cooper. Die Ex-Freundin von Richie Sambora ist aber auch solo umtriebig und nach etwas längerer Pause endlich wieder Zeit für ein neues Album gefunden. „O“ passt auf das italienische Hard-Rock-Label Frontiers Records wie die Faust aufs Auge. Die zehn Songs befinden sich stets im klassischen Gitarrenbereich und pendeln zwischen eruptiv („Contagious“, „Impulsive“) und besinnlicher-balladesk („Crawling Out Of The Dark“, „Rescue Me“). Dazwischen gibt es kuriose Tracks wie „Blow“, die einen Marilyn-Manson-Rhythmus haben und dann doch eher stumpf dahinrocken. Ein zeitloses Hard-Rock-Album, das aber freilich nicht über die enge Nische hinausstrahlt. 7/10 Kronen

Pale Honey - Some Time, Alone
Kings of coolness - zumindest in ihrer Heimat Schweden sind Pale Honey seit einigen Jahren so etwas wie der nächste heiße Scheiß. Kann man das beim dritten Album überhaupt noch sein? „Some Time, Alone“ ist zumindest keine kongruente Fortsetzung der beiden gefeierten Vorgänger, mit denen das Duo Tuva Lodmark und Nelly Daltrey den fast schon vergessen geglaubten Alternative Rock aus dem Tiefschlaf holten. Anno 2020 kommen auch Pale Honey nicht mehr am nostalgischen Synthesizer-Trend vorbei und würzen ihre basischen Tracks vermehrt mit warmer Elektronik, die irgendwo zwischen den Cocteau Twins und Joy Division nicht an der Vergangenheitsfalle vorbeischrammt. Der verträumte Minimal Rock ist noch immer hypnotisierend und fein, etwas mehr zur Schau gestellte Motivation und weniger Lässigkeit würden Pale Honey aber guttun. Da ist mehr drin. 7/10 Kronen

Pole - Fading
Der deutsche Glitch-Künstler Stefan Betke zeigt mit seinem Projekt Pole elektronische Musik gerne von seiner etwas anderen Seite. „Fading“ ist der Nachfolger des erfolgreichen „Wald“, das mittlerweile fünf Jahre auf dem Buckel hat. Mit vielen unterschiedlichen Klangschichten arbeitet der Künstler Persönliches auf. Seine Mutter erlitt Demenz und Betke beobachtete den geistigen Verfall, der soweit ging, dass sie nach dem Verlust des Erinnerungsvermögens am Ende wie eine noch zu füllende Hülle ihrer selbst war. Der Kopfhörer ist bei den detailreichen Kompositionen dringend empfohlen, denn nur dort entfachen Tracks wie „Tangente“, „Traum“ oder „Röschen“ ihre volle Kraft. Mit Dub-Referenzen und einem trotz der schweren Thematik spielerischem Zugang gelingt Betke aka Pole ein starkes Manifest elektronischer Problembewältigung. 7/10 Kronen

Rooks - The High Road
Jay Bowcott, Brent Rossall und Darryl Swart kennt ihr? Die Band Rooks ist euch ein Begriff? Nein? Beides nicht? Nicht verwunderlich, denn das kanadische Trio ist noch nicht mal in deren Heimat wirklich groß. Umso lächerlicher, dass man die Rooks im ausufernden PR-Sprech als „Supergroup“ ankündigt. Wenn man derartige Übertreibungen ausblendet, stellt sich aber schnell heraus, dass deren Debütalbum „The High Road“ ein wundervolles und gleichsam klassisches Rock-Album ist, das sich wie ein Chamäleon zwischen Classic Rock, Alternative-Zitaten und selten eingestreuten Boogie Rock bewegt. Besonders gut klingt das, wenn man sich wie etwa in „Canyons“ am Ende in Richtung Jam-Session bewegt und die Musik einfach mal plätschern lässt. Songs wie „Fire“ zeigen, dass ihnen auch dicke Hose gut zu Gesicht steht. Ein schönes Rockalbum zwischen Nostalgie und Moderne. 7/10 Kronen

Sólstafir - Endless Twilight Of Codependent Love
Die Isländer von Sólstafir haben in den letzten Jahren eine unheimlich Erfolgsserie hingelegt und sich - nicht zuletzt auch aufgrund immer weicherer Songelemente - von einer respektierten Metalband zu einem progressiven, hochmelodischen Kompositionsmonster hochgearbeitet, das sich seine Fans auch weit außerhalb der Szene verinnerlicht hat. Doch gerade das Fehlen harscher Klangelemente hat langjährige Fans auch etwas Abstand gewinnen lassen, wodurch Frontmann Adalbjörn und Co. auf „Endless Twilight Of Codependent Love“ nun versuchen, den Graben zu schließen. Auf dem sehr persönlichen Werk behandelt er seine einstige Alkoholabhängigkeit und die depressiven Phasen, die ihm in kreativer Hinsicht wiederum förderlich waren. Neben Black-Metal-Zitaten gibt es wieder viel Post Rock und Avantgarde-Klänge zu hören, zunehmende Orgel-Parts und Reggae-Ansätze wirken etwas verstörend. Zudem sind 77 Minuten - bei aller Liebe - doch etwas zu ambitioniert. Quo vadis, Sólstafir? So gut die Songs auch sein mögen, das Album wirkt in sich viel zu zerfahren. 6/10 Kronen

Jeff Scott Soto - Wide Awake (In My Dreamland)
Der New Yorker Jeff Scott Soto hat eine mehr als respektable Karriere als B-Sänger hingelegt. Nicht nur sang er auf den beiden ersten Alben des Gitarren-Exzentrikers Yngwie Malmsteen, 2006 und 2007 stand er auch vor dem Mikro der AOR-Legende Journey. Zuletzt machte er mit den Allstar-Kapellen W.E.T. und Sons Of Apollo auf sich aufmerksam. „Wide Awake (In My Dreamland)“ ist nun das erste Soloalbum seit drei Jahren - man hat ja derzeit viel Zeit. Überraschungen finden sich darauf natürlich nicht, denn Soto spielt brav die gesamte Palette des zeitlosen Classic Rock herunter. Melodielastigkeit („Someone To Love“), kerniger Hard Rock („Mystified“) oder eine Pianoballade („Without You“) halten sich angenehm die Waage und bieten genau das an, was man von ihm kennt und erwartet. Hard Rock von der Stange könnte man sagen, das wäre aber doch zu gemein. 6,5/10 Kronen

JC Stewart - When The Light Hits The Room EP
Aufmerksame Pop-Fans werden nicht erst jetzt über den sympathischen Nordiren gestoßen sein. JC Stewart hat schließlich schon mit One Directions Niall Horan, Rudimental, Zak Abel und nicht zuletzt Durchstarter Lewis Capaldi zusammengearbeitet. „When The Light Hits The Room“ ist die längst fällige Debüt-EP, die in vier Songs eindrucksvoll zeigt, warum er zu den aufstrebendsten Popstars der Gegenwart zählt. Darin versteckt sich natürlich alles, was ein junger Mann so miterlebt. Der Wunsch nach einer „Friday Night“ (gilt das jetzt eigentlich auch?), die Hoffnung, jemanden für den „Rest Of My Life“ zu finden oder die bescheidene Einschätzung „Hard To Believe“, wo der Liebe seiner Angebeteten gar nicht fassen kann. Da wächst eine große Karriere heran! Ohne Bewertung

Surma - The Light Within
Im Heavy Metal ist es gemeinhin gar nicht so unüblich, dass Ehepaare oder Lebenspartner miteinander musizieren. So handhabt das jetzt auch der Frontmann der Färöer-Folker Týr, Heri Joensen, der mit seiner Angetrauten Viktorie Surmøvá (Bohemian Metal Rhapsody) das Projekt Surma aus der Taufe gehoben hat, um voll und ganz der gemeinsamen Leidenschaft des Symphonic Metal zu frönen. Spielwitz und Freude an der Sache kann man den beiden keineswegs absprechen, doch aus dem Wulst des Genre-Mitbewerbs stößt „The Light Within“ zu keiner Zeit heraus. Angenehm ist, dass die Songs meist recht kurz und knackig gehalten sind und beide keine große Lust auf ausladende Epen verspüren, doch wenn in einem Song wie „Cages Of Rage“ neben opulentem Orchester auch noch ein Kinderchor um die Ecke kommt, dann bildet sich das Karies wie von selbst. Muss man mögen, ich bin dafür die gänzlich falsche Adresse. 5/10 Kronen

Tiña - Positive Mental Health Music
Dirty Country Rock aus dem Süden Englands - ja geht denn das überhaupt? Warum nicht? Schließlich haben sich schon Motörhead auf dem Cover ihres Welterfolgsalbums „Ace Of Spades“ (Happy Birthday zum 40-Jährigen btw) in Cowboyausstattung auf einer britischen Baugrube fotografieren lassen und einen Hauch von Nevada versprüht. Tiña rund um Frontmann Joshua Loftin sind aber wesentlich zugänglicher und fassbarer, schließlich verarbeitet der Frontmann auf dem Debüt „Positive Mental Health Music“ einen Nervenzusammenbruch und die daraus entstandenen Folgen. Umso beachtlicher, dass er schwermütige Texte wie bei „It’s No Use“, „Rooster“ oder „Golden Rope“ meist mit lebensbejahender Musik in Verbindung setzt und damit die Hoffnung am Köcheln hält. So viel Chaos und Wärme gleichzeitig hat man schon lange nicht mehr gehört. Sollte man unbedingt anchecken! 7,5/10 Kronen

Tunng - Dead Club
Das britischen Folktronica-Kollektiv Tunng war ursprünglich ein Zwei-Mann-Projekt, das Songs und Klänge für Werbungen und Softpornos produzierte. Über die Jahre hat sich das Team aber auf zwölf Personen erhöht, Alben entstanden, Konzepte wurden geboren und vor exakt zehn Jahren schaffte man es damit auch in die Charts. Mit dem neuen Werk „Dead Club“ versuchen Tunng etwas ganz Besonderes. Nicht nur setzt man sich in zwölf Songkapiteln mit dem Thema Tod auseinander, man hat auch einen Podcast ins Leben gerufen, der im Wochenrhythmus Thematik und Inhalt begleitet. Wie ironisch, dass man die geplanten Liveshows ausgerechnet wegen COVID-19 nicht in Angriff nehmen kann. „Dead Club“ ist zurückgelehnt, fordernd, spannend und einzigartig zugleich. Eine interessante Klangerfahrung aus ungewohnten Perspektiven. Viel Spaß beim Reinarbeiten. 7/10 Kronen

Urlaub in Polen - All
In der deutschen Krautrock/Psychedelic-Szene kann man Urlaub in Polen zweifellos als Institution betrachten. 2011 war dann aber vorläufig Schluss. Umso sensationeller fällt das Comebackalbum „All“ aus, das tatsächlich so klingt, als wären die letzten knapp zehn Jahre überhaupt nie vergangen. Jan Philipp Janzen und Georg Brenne haben für ein Jubiläumsshow zwar schon 2016 zusammengespielt, aber jetzt wurden wirklich Nägel mit Köpfen gemacht. Mehr denn je ist die Krautrock-Bewegung von Pionieren wie Neu! eine eindeutig hörbare Inspirationsquelle für das Duo, motorische Beats und kühle Rhythmen dominieren das typisch deutsche Werk, das doch so international klingt. Die wilden Saxofon-Ausritte sind gewöhnungsbedürftig, passen aber perfekt zum bunten Treiben, das mehr als würdig ausfiel. Welcome back! 7,5/10 Kronen

Clemens Wenger - Physics Of Beauty
Den Interpreten kennt die österreichische Öffentlichkeit eigentlich basischer und hemdsärmeliger, vor allem als profunden Musiker der fabelhaften 5/8erl in Ehr’n. Dass Clemens Wenger aber auch ganz anders kann, zeigt er immer wieder gerne. Das Album folgt nämlich nicht dem stringenten CD-Konzept, sondern ist interaktiv. Musik, erforschbar als Gamification, wo jeder einzelne Song ein visueller Organismus ist, der sich in geometrischen Linien, Balken und Kreisen bewegt. Dafür hat Wenger mit der Designerin Alessia Scuderi und dem Creative Coder Gianluca Monaco zusammengefunden. Ein besonders spannendes, elektronisch-jazziges und absolut einzigartiges Konzept, das man sich unter www.physicsofbeauty.art am besten selbst ansieht. Möglicherweise der erste Schritt zu einer gesamtkünstlerischen Revolution im Musikbusiness. Ohne Bewertung

Witchrider - Electrical Storm
Sechs lange Jahre haben sich die Grazer von Witchrider Zeit gelassen, um den Nachfolger ihres knackigen Debütalbums „Unmountable Stairs“ in den Orbit zu werfen. „Electrical Storm“ merkt man diese lange Wartezeit zum Glück nicht an, denn all die schönen Vorzüge des Debüts von man auch hier zuhauf: staubtrockene Riffs mit Queens Of The Stone Age-Ästhetik, polternd-rythmisches Drumming, Alternative-Rock-Zitate aus den glorreichen 90er-Jahren und Daniel Dorningers Stimme, die sich im Direktvergleich mit dem Erstwerk stärker von Josh Homme wegbewegt und mittlerweile auch an Eddie Vedder gemahnt. Besonders schön erklingen die instrumentalen Stafetten, die man angesichts des US-orientierten Sounds und mit etwas mehr Mut gerne noch länger gestalten könnte. Mit Fuzzorama Records hat man auch das goldrichtige Label im Rücken - „Electrical Storm“ muss sich vor der Konkurrenz nicht verstecken. 7,5/10 Kronen

Donovan Woods - Without People
Wenn der kanadische Folk-Musiker Donovan Woods des Weges schreitet kann man eigentlich nicht glauben, dass der breite Hüne mit einer derartigen Engelsstimme gesegnet ist. „Without People“ ist das dritte Album in drei Jahren, doch von Abnützungserscheinungen sind wir glücklicherweise noch immer weit entfernt. Wie der Titel schon ankündigt, sind die veränderten Lebensumstände durch Corona der rote Faden, die Songs wurden mit der nötigen Entfernung auch während des Lockdowns zusammengeschraubt. Künstler wie Katie Pruitt, Ashley Monroe oder Tucker Beathard haben Woods tatkräftig unterstützt, um die sensiblen und träumerischen Songs zu kreieren, die sich nicht an der Übersee-Root-Musik klammern, sondern durchaus modern und Mainstream-tauglich erklingen. Das Album dreht sich aber auch um bedrohte Völker in den verschiedensten Ecken dieser Welt. Ein durchaus ambitioniertes und warmherziges Projekt. 7/10 Kronen

Wytch Hazel - III: Pentecost
Aus der Zeit gefallen und ehrfürchtig, so kann man die Kompositionen von Wytch Hazel am besten beschreiben. Eine derart an Fantasy angelehnte, liebevolle Umsetzung klassischen Hard Rocks kann man nur aus Großbritannien erwarten und natürlich sind die hier vorgestellten Herren aus dem ehrwürdigen Lancashire. Hier wird der großen Schule gehuldigt: sehr viel Wishbone Ash mit den Twin-Gitarren, etwas Iron Maiden und Saxon - aber sanfter - und natürlich darf auch die nötige 70er-Huldigung gen Uriah Heep, Jethro Tull und Ritchie Blackmore nicht fehlen. Getragen wird das Dargebotene auch von der einzigartigen, intensiven Stimme Colin Hendras, der sich wohlig vom Gros des Mitbewerbs hervorheben kann. Übrigens: nach den schwedischen Überfliegern Ghost klingen Songs wie „Archangel“ nur im Ansatz, dafür sind Wytch Hazel doch zu bodenständig und bescheiden. 7,5/10 Kronen

Neil Young & Crazy Horse - Return To Greendale
Wenn etwas über alle Probleme dieser Welt hinwegtrösten kann, dann ist es das endlose Archiv von Legende Neil Young. Allein in diesem Jahr hat er es unzählige Male gefüllt, zuletzt veröffentlichte er sogar das Songdebüt seines älteren Bruders Bob (wir berichteten). 2020 geht sich in der Endphase noch mal was aus, dieses Mal führt uns Onkel Neil „Return To Greendale“. Das vollständige Liveset mit Songs, die gut und gerne mal die Zehn-Minuten-Grenzen übertreffen, wird originalgetreu wiedergegeben und ist daneben auch als Film erhältlich. Das dazugehörige Studioalbum „Greendale“ stammt aus 2003 und erzählt von einer fiktiven Stadt, in der die dortigen Einwohner mit sozialen Missständen kämpfen müssen - amerikanischer kann ein Konzept gerade nicht sein. Natürlich hat auch das Liveset einen ganz besonderen Charmen, dem man sich nicht entziehen kann. Ohne Bewertung

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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Montag, 30. November 2020
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