03.11.2020 19:24 |

Staatsspitze nahm teil

Trauergottesdienst im Stephansdom für Terror-Opfer

Kardinal Christoph Schönborn hat am Dienstagabend im Wiener Stephansdom einen Trauergottesdienst für die Opfer des Terroranschlags geleitet, bei dem die Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften ein Gebet sprachen und dabei Gott um Frieden baten. An der Feier nahm die gesamte Politspitze teil, allen voran Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Sebastian Kurz, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig.

Die wenigen Trauergäste, unter denen sich auch mehrere Minister befanden, saßen in der Mitte des Domes, am Boden vor ihnen lag ein Gesteck von weißen Blumen. Vertreter der Religionsgemeinschaften sprachen jeweils ein Gebet aus ihren Heiligen Schriften und entzündeten insgesamt fünf Kerzen für die Toten der vergangenen Nacht.

Schönborn: „Friede ist nie ein fertiges Produkt“
Schönborn sprach von einer „Trauerfeier der Besinnung, des Bittens um Segen und Frieden für alle Verletzten und Verstorbenen und für unser ganzes Land“. Die Religionsgemeinschaften haben gemeinsam eingeladen, um zu zeigen, dass die „bewährte Gemeinsamkeit und Einheit der Religionsgemeinschaften nicht zerstört werden darf und nicht zerstört werden kann“. „Wir bitten um Frieden in unserem Land und in unserem Herzen“, so der Kardinal. Schönborn griff in seiner Ansprache eine der Seligpreisungen auf: „Selig, die Frieden stiften - das sind die vielen, die Tag für Tag ihren Dienst tun. Ob Frieden gestiftet wird, hängt auch davon ab, wie wir unseren Dienst tun.“ Der Friede eines Landes sei ein Netzwerk von vielen einzelnen Aufmerksamkeiten und Rücksichtnahmen, ein Umgangsstil untereinander, etwa der Verzicht auf Hasspostings und „auf das Schüren von Neid und Vorurteil“, so der Wiener Erzbischof. Schließlich sei Friede nie „ein fertiges Produkt.“

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural, verurteilte den islamistischen Anschlag als „abscheuliche Tat auf das Schärfste“. „Wir leben in einer Stadt, in der Kirchen zusammenarbeiten und zusammenhalten, und ich bin dankbar, dass wir diese Zusammenarbeit und diesen Zusammenhalt demonstrieren können.“ Er ersuchte Allah in seinem Gebet, „die Trauer zur Hoffnung zu machen und die Welt zu einem Ort des sicheren Friedens“.

Auch der lutherische Bischof Michael Chalupka und Metropolit Arsenios (Kardamakis) baten um Frieden, Trost, Erbarmen und Vergebung. Die Israelitische Kultusgemeinde wurde durch Vizepräsidentin Claudia Prutscher vertreten. Mit dem Anzünden von Weihrauch am Ende wurde das Aufsteigen der Gebete und Fürbitten in den Himmel symbolisiert. Beendet wurden die Trauerfeierlichkeiten mit einem Segenslied.

Aufgrund polizeilicher Sicherheitsbestimmungen und der geltenden Corona-Maßnahmen war die Zahl der Trauergäste stark eingeschränkt. Damit alle Menschen im Land mitfeiern konnten, wurde der Gottesdienst vom ORF live übertragen. Einige Trauernde hatten sich mit Kerzen vor dem Stephansdom eingefunden.

Die offiziellen Vertreter der Republik hatten bereits vor dem Trauergottesdienst mit einer Kranzniederlegung der Opfer des Terroranschlags gedacht. Am Montagabend wurden bei dem Angriff vier Zivilisten und der Attentäter getötet. Mehrere Verletzte befinden sich noch in kritischem Zustand. Bundespräsident Van der Bellen sprach von einer „dunklen Nacht, die wir hinter uns haben“.

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