24.10.2020 19:04 |

Die wichtigsten Fragen

Corona-Regeln: Was jetzt gilt und was sie bringen

Und es werden täglich mehr: Um den rasanten Anstieg der Corona-Neuinfektionen zu stoppen, gelten ab Sonntag neue Regeln. Doch was bringen sie? Die „Krone“ hat bei Experten nachgefragt.

„Stellen Sie sich vor, das Virus ist eine Fußballmannschaft“, sagt Simulationsforscher Niki Popper. „Eine gleichbleibend gute Mannschaft, die immer dieselbe Taktik spielt. Wir können nicht annehmen, dass sie plötzlich schlechter spielt - was wir aber tun können, ist, unsere Gegentaktik zu verbessern.“ Das versucht die Regierung mit den neuen Regeln auch. Doch funktioniert das?

Was bringt die Maske?
Der Mund-Nasen-Schutz verringert das Infektionsrisiko messbar, wie Studien belegen. Dass die Maske nun also in beinahe allen öffentlichen Innenbereichen Pflicht ist, ist sinnvoll. Doch auch bei Outdoor-Events muss man sie tragen. „Auch das ist sinnvoll, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann. Denn auch wenn weniger Aerosole in der Luft sind - die Maske hält die Tröpfchen auf“, sagt der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter.

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Die Maßnahmen zeigen, es wird alles probiert, um nicht zusperren zu müssen. Wenn sich alle daran halten, wird sich die Lage verbessern.

Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner

Ist der Abstand wichtig?
Ja, sagen alle Experten weltweit - der Babyelefant ist neben der Hygiene und der Maske die wichtigste Maßnahme im Kampf gegen Corona. Die Ein-Meter-Regel ist deshalb ab Sonntag wieder Pflicht - dieses Mal auch rechtlich abgesichert.

Sind die neuen Begrenzungen bei Veranstaltungen sinnvoll?
„Die Rechnung ist sehr einfach. Je weniger Menschen man trifft, desto weniger kann man potenziell anstecken“, sagt der Mathematiker Popper. Bei privaten Treffen gilt ab Sonntag: drinnen sechs, draußen zwölf plus maximal sechs minderjährige Kinder. Bei professionellen Events sind drinnen 1000 Menschen zugelassen, draußen 1500. „Die Zahl ist nicht unwichtig, die Regel müsste man dennoch differenzierter sehen“, findet Hutter, „weil die Flächen nicht miteinbezogen werden.“ Ein Theater sei nicht mit der Wiener Stadthalle zu vergleichen.

In der Gastronomie bleibt die Maskenpflicht aufrecht, was aber ist neu?
Neu ist, dass ab Sonntag nach der Sperrstunde im Umkreis von 50 Metern um einen Betrieb kein Alkohol mehr konsumiert werden darf. „Das ist durchaus wirksam, um die Menge aufzulösen“, erklärt Hutter. Doch was bringt die 22-Uhr-Sperrstunde, die im Westen gilt? „Wenn man früher geht, hat man weniger Zeit, jemanden anzustecken“, sieht Hutter die Regel pragmatisch - und mahnt, nicht bei jeder Maßnahme sofort zu überlegen, wie man sie am besten umgehen kann. Der Mediziner spricht dabei die Verlagerung von Partys in den privaten Bereich an. „Es ist nun nicht die Zeit für Feiern“, sagt Hutter, „wir müssen die Zahlen senken, ansonsten haben alle massive Nachteile.“ Gemeint sind nicht nur die Hospitalisierungen, sondern auch der drohende Wegfall der Wintersaison, der zu mehr Kurzarbeit und zu mehr Arbeitslosigkeit führen kann.

Müssen wir auf Feiertage und religiöse Veranstaltungen verzichten?
„Die Feiertage bereiten uns Sorgen“, sagt Popper, der zur Mobilität forscht. „Im Alltag sehen wir immer dieselben Menschen“, erklärt der Wissenschaftler. „Fahren nun alle nach Hause und treffen dort jeden Tag eine andere Tante, erweitert sich das Netzwerk massiv.“ Auch Hutter appelliert, die Zusammentreffen heuer anders zu organisieren.

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Nächste Woche werden die Hospitalisierungen steigen. Das ist fix, denn diese Menschen haben sich schon angesteckt.

Niki Popper, Simulationsforscher

Maßnahmen wirken nur, wenn alle mitmachen
Denn ob all diese neuen Maßnahmen etwas bringen, hänge davon ab, ob sich die Menschen auch daran halten. Steigen die Zahlen weiter, werde es - zumindest lokal - weitere Verschärfungen brauchen. Es liege nun einmal mehr an jedem Einzelnen, seinen Teil dazu beizutragen.

Anna Haselwanter, Kronen Zeitung

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