Mutter (81) getötet

Nach Prozess enthaftet: Täter zurück im Mordhaus

Jener Mann, der im April im Wahn seine Mutter erschossen hat, ist (fast) ein freier Mann. Das Geschworenengericht in Steyr (OÖ), das über seine Einweisung in eine psychiatrische Anstalt entscheiden musste, sprach diese nur bedingt aus. Was in der Praxis bedeutete: Er wurde sofort – mit Auflagen – enthaftet.

Als „sanften Riesen“ beschreibt Verteidiger Andreas Mauhart seinen Mandanten. „Bei der Tat war er nur mehr Passagier in seinem Körper.“ Mauhart und das Gutachten von Adelheid Kastner konnten auch die Geschworenen überzeugen. Sie bejahten den Mord und die Zurechnungsunfähigkeit zum Tatzeitpunkt.

Staatsanwalt beantragte Einweisung
Eine Einweisung in die Psychiatrie, wie sie Staatsanwalt Helmuth Laimer gefordert hatte, hielten sie nicht für notwendig. Diese wurde unter Auflagen – regelmäßige Behandlung und Bewährungshilfe – nur bedingt ausgesprochen. Nicht rechtskräftig.

„Grüß Gott, ich habe meine Mutter ermordet“
Der Landwirt kehrte damit in jenes stattliche Anwesen zurück, in dem vor einem halben Jahr der Mord passiert war. „Grüß Gott, ich habe meine Mutter ermordet“, sagte der in seiner Heimat beliebte Landwirt am 25. April emotionslos am Telefon zur Polizei.

Kein Streit mit Mutter
Im Wahn hatte der 46-Jährige seine Mutter (81) erschossen. Gott habe es ihm befohlen, sagt er. Vor der Polizei gab er als Motiv an, dass die Mutter ihm oft Vorhaltungen gemacht habe, weil er noch unverheiratet war und keinen Hoferben hatte. Von Streit mit der Mutter will er heute aber nichts mehr wissen. Er wolle das Ansehen der Verstorbenen erhalten, erklärt er Richter Wolf-Dieter Graf.

Zukunftsangst
Ausgelöst hatten den Wahn vor allem Zukunftsängste wegen eines Google Datencenters neben seinem Grund. Deshalb wollte er auch am Tag vor der Bluttat nach Kalifornien reisen, um mit den Google-Chefs zu sprechen. Der Hit „Hotel California“ im Radio hatte ihn auf die Idee gebracht. An der Grenze zu Deutschland wurde er aufgrund der Corona-Maßnahmen zurückgeschickt.

Arzt hielt Landwirt für ungefährlich
Seine Reaktion: Als ihm auf der Rückfahrt der Sprit ausging, zog er sich aus und lief nackt neben der Autobahn weiter, bis ihn Polizisten stoppten. Er wurde dem Amtsarzt vorgeführt, dem er auch von seiner 2006 diagnostizierten Erkrankung, paranoide Schizophrenie, berichtete. Der Mediziner sah keine Gefahr . . . Wenige Stunden später fielen die tödlichen Schüsse.

Claudia Tröster, Kronen Zeitung

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Sonntag, 29. November 2020
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