06.10.2020 06:02 |

Hoffen auf Hilfe

Der Herbst ist für den Tourismus gelaufen

Ohne Kurzarbeit, Zuschüsse, Kredite kann die Tourismusbranche nicht überleben.

„Es war die Buchungslage für den Herbst nicht so schlecht, das ein oder andere Städtehotel hätte wenigstens kostendeckend arbeiten können", sagt Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Aber durch die Reisewarnungen müsse man bei den Banken nun argumentieren, warum man überhaupt aufsperrt. Der Fixkostenzuschuss zwei sei für den heimischen Tourismus entscheidend, so Reitterer.

Branchensprecherin Susanne Kraus-Winkler will die Kurzarbeit verlängern, Lohnnebenkosten kurzfristig senken und Zahlungsfristen aussetzen. Ein Fonds von 500 Millionen Euro, gespeist von Tourismusbank und Kreditwirtschaft, soll Bilanzen betroffener Betriebe absichern. Zudem müsse man Gästen zeigen, dass Österreichs Umgang mit der Pandemie nicht so schlecht ist, wie es dargestellt werde. „Die neue Währung ist Sicherheit“, erklärt die Präsidentin des ÖHV. 

Aus Erhebungen in Innsbruck weiß man, dass Gäste nicht Angst davor haben, an Corona zu erkranken, sondern vor den Konsequenzen: „Die Sorgen betreffen Quarantäne, negative Folgen im Job oder dass die Krankenversicherung nicht zahlt, wenn man aus einem Risikogebiet kommt“, erklärt Karin Seiler-Lall (TVB, Innsbruck). Sie plädiert für eine Risikowarnung auf EU-Ebene, damit es im Winter nicht so weitergehe, denn für die Herbstferien sei es zu spät.

Situation ist „dramatisch“, „ein Jammer“ und „existenzbedrohend“
„Wirklich katastrophal“, heißt es aus Wien. „Ein Jammer“, sei die Situation in Salzburg. „Existenzbedrohend", lautet die Einordnung aus Tirol. Kurzum: Dem Städtetourismus in Österreich geht es schlecht. „Sehr schlecht“, wie Reitterer, selbst Inhaberin eines Hotels in Wien, erklärt. „Vergangene Woche hatte ich fünf Gäste im Haus“, sagt sie. Eine Mutter, die ihre Kinder in Wien besuchte. Ein Gast, der einen Termin in der Stadt hatte - „aber Touristen kommen gar keine“.

Die Reisewarnung aus Deutschland habe der ohnehin prekären Situation den Gnadenstoß verpasst. Und dies offenbar auch in Bundesländern, in denen sie gar nicht gilt: „Zahlreiche deutsche Gäste haben bei uns storniert“, erklärt Walter Veit, Vertreter der ÖHV in Salzburg. Man wisse um die Nähe zu Tirol, die Reisewarnung sei übergeschwappt. Nun sei alles leer - „es kommt einfach gar niemand mehr“, sagt Veit. Die Herbstferien seien gelaufen, dennoch hoffe man, dass die Reisewarnungen aufgehoben werden, „damit wir wenigstens die Winterbetten füllen können“, so der Hotelier.

Ähnlich ist auch die Situation in Innsbruck, wo das (Alt-)Stadtbild von Baustellen, nicht von Touristen geprägt ist. „Wir haben zehnf bis 20 Prozent Auslastung“, sagt Karin Seiler-Lall, Chefin des Innsbruck Tourismus. So könne man keine Unternehmen führen.

Urlaub am Land: Gut gebucht, aber kurzfristig
Kärnten war im Sommer einer der wenigen Gewinner im heimischen Tourismus - sofern man in Zeiten mit bis zu 100 Prozent Gästeausfällen von Gewinnern sprechen kann: Zumindest im Hochsommer machten österreichische Urlauber das Minus der ausländischen Gäste wett, im August gab es ein Nächtigungsplus von 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit Herbst wird es naturgemäß stiller rund um die Seen.

Auch heuer? „Ja“, sagt Josef Petritsch, Hotelier vom Klopeiner See und Branchensprecher. Leichter hätten es Betriebe, die in den vergangenen Jahren investiert haben. „Dort ist die Nachfrage gut“, so Petritsch. Ein Problem sind Reisewarnungen: „Auch wenn sie Tirol betreffen, spürt Kärnten das. Ausländische Gäste unterscheiden oft nicht.“

In der Steiermark sei die Herbstnachfrage „sogar gut bis sehr gut“, sagt Erich Neuhold vom Steiermark Tourismus. „Wir verlängern den Herbst bis in den November hinein - eine extra lange Sommersaison“, so Neuhold. Und: „Nicht nur Nächtigungsgäste sind fleißig im Land unterwegs, sondern heuer auch stark spürbar Tagesausflügler.“ Ein Trend, der sich ebenfalls aus Corona entwickelt hat: Denn Urlaubsentscheidungen werden deutlich kurzfristiger getroffen. „Teilweise nur wenige Tage vorher und sehr wetterabhängig.“ Deshalb, so Neuhold, seien „gute, dem Gast entgegenkommende Stornoregelungen“ wichtig.

Kronen Zeitung/krone.at

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