21.08.2020 08:10 |

Putin-Kritiker im Koma

Nawalny nicht transportfähig für Reise nach Berlin

Der lebensgefährlich erkrankte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny, der in Deutschland medizinisch behandelt werden sollte, ist laut Angaben seiner russischen Ärzte nicht transportfähig. Ein Flugzeug, das den prominenten Gegner von Russlands Präsident Wladimir Putin nach Berlin bringen sollte, war in der Nacht zum Freitag aus Deutschland gestartet. Die Sprecherin Nawalnys, Kira Jarmisch, erhebt den Vorwurf, er sei „absichtlich vergiftet“ worden.

Der Gesundheitszustand von Nawalny sei zu „instabil“, als dass er nach Deutschland gebracht werden könnte, heißt es. Nawalnys Sprecherin kritisierte am Freitag auf Twitter, die Entscheidung der Ärzte sei eine „Bedrohung für sein Leben“. Der russische Oppositionelle war am Donnerstag nach einer mutmaßlichen Vergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Sollte in der Berliner Charité behandelt werden
Der Rettungsflug für Nawalny wurde von „Cinema for Peace“ organisiert. Der Initiative zufolge ist die Berliner Charité bereit, Nawalny, der in einem Spital in Omsk liegt, zu behandeln. Zuvor hatte bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Behandlung des 44-Jährigen in einem deutschen Krankenhaus angeboten.

Der Oppositionelle hatte seiner Sprecherin Jarmisch zufolge auf dem Flughafen von Tomsk in einem Café einen Tee getrunken. Die Agentur Interfax meldete unter Berufung auf den Café-Besitzer, dort würden nun die Überwachungskameras überprüft. Der Fluggesellschaft S7 zufolge nahm Nawalny auf dem Flug nach Moskau nichts zu sich. Er habe sich kurz nach dem Start unwohl gefühlt. 

Prominentester Kritiker von Präsident Putin
Nawalny ist einer der prominentesten Kritiker Putins. In den vergangenen Jahren hat er als Organisator von Protesten wiederholt Haftstrafen verbüßt. In Russland finden im September Regionalwahlen statt. Nawalny und seine Mitstreiter haben im Vorfeld Kampagnen für oppositionelle Kandidaten gestartet. In Diplomatenkreisen wurde zudem auf die jüngsten Massenproteste in Weißrussland verwiesen. „Putin hat Angst“, sagte ein EU-Vertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte. „Er schickt eine Botschaft an sein eigenes Volk, nicht das zu Hause zu probieren, was sie im TV in Belarus sehen.“

Kreml weist die Anschuldigungen zurück
Die russische Regierung wies unterdessen Anschuldigungen zurück, dass sie unliebsame Personen mit Gift aus dem Weg schaffen lässt. Dieser Vorwurf wurde unter anderem nach dem Tod des russischen Ex-Spions und Regierungskritikers Alexander Litwinenko erhoben, der 2006 in London an einer Vergiftung durch Polonium in seinem Tee starb. Auch der Angriff mit Nervengift auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal 2018 im britischen Salisbury gehört dazu.

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