Normalerweise verirrt sich eine Handvoll Wackerer zu den Zeltweger Gemeinderatssitzungen, bei der Sondersitzung platzte der kleine Raum aber aus allen Nähten: Bis hinaus auf den Gang standen die etwa 80 Kiebitze, die auf den Schlagabtausch zum Finanzskandal gespannt waren.
Pfarrer, Alt-Bürgermeister, Kamera-Team - alles war da. Und es knisterte von Anfang an. Der Platz von Bürgermeister Kurt Haller blieb frei - ein Symbol für den Graben zwischen der mit absoluter Mehrheit ausgestatteten SPÖ und ÖVP-Chef Helmut Ranzmaier, der als einziges Mitglied der Opposition mit Leidenschaft in den Ring stieg.
"Hetzjagd auf Bürgermeister"
Doch am Beginn stand eine Abrechnung von Vizebürgermeister Hermann Dullnig (SPÖ): Medien und ÖVP würden eine "menschenverachtende Hetzjagd" auf Haller veranstalten, der enorme Druck und telefonische Morddrohungen hätten zum Nervenzusammenbruch geführt. Höhnisches Lachen von einigen Besuchern - die stickige Luft war mit reichlich Gift angereichert.
Die SPÖ-Strategie war klar: Alle Schuld an der Misere liege beim ehemaligen Leiter der Finanzabteilung. Die restlichen Vorwürfe? "Hetze" und auch "Medieninszenierung" - so setzten sich die Stadtroten immer wieder zur Wehr.
Alle Anträge wurden abgeschmettert
Der "schwarze" Ranzmaier wollte mit gleich neun (!) Anträgen Aufklärung erzwingen: Da ging's um Subventionen an den Eishockeyklub, 900 Umbuchungen an nur einem Tag oder den jüngsten Rechnungsabschluss. Die SPÖ lehnte nach 15-minütiger Beratung alle Anträge (mit Unterstützung der KPÖ) ab: Es prüfen ja ohnehin Gemeindeaufsicht und Staatsanwaltschaft.
"Die SPÖ wird das durchstehen!"
Die Roten gingen zum Gegenangriff über, warfen Ranzmaier Kontakte mit dem Ex-Finanzchef vor, es fiel das Wort "Polit-Rambo". SPÖ-Stadtrat Günter Reichhold, der von großem wirtschaftlichen Schaden für Zeltweg sprach, donnerte in den Raum: "Die SPÖ wird das durchstehen!" Ein Teil des Publikums applaudierte, der andere schüttelte den Kopf. Nach eineinhalb Stunden fiel der Vorhang.
Beim Skandal waren die Besucher so klug wie zuvor. Ein Sittenbild war der Abend aber allemal: eine mauernde SPÖ, eine uneinige Opposition mit teils skurrilem Abstimmungsverhalten und viele tief fliegende Hackeln. Gute Nacht, Zeltweg!
von Jakob Traby, "Steirerkrone"
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