Lokalaugenschein

„Das Baby hätte doch nicht sterben müssen“

Oberösterreich
17.06.2020 06:00

Blumen und Kerzen stehen dort, wo Freitagabend ein Spaziergänger das tote Baby fand. Passanten mit Kindern oder Hunden sind beim Pregartenteich in Freistadt in Oberösterreich unterwegs. Fast jeder hält kurz inne. Beim „Krone“-Lokalaugenschein gab es viele Worte des Unverständnisses, aber keines des Hasses gegenüber der Mutter.

„Es ist der idyllischste Ort in ganz Freistadt“, sagt Albert Wögerer, der in dritter Generation am Ufer des Teichs eine Tischlerei führt, hier lebt und arbeitet. Doch ihm und seiner Gattin ist in der Vorwoche, als das Baby im Teich abgelegt worden war, nichts aufgefallen.

(Bild: Dostal Harald)

Taucher im Einsatz
Taucher haben nun intensiv am Ufer gesucht, wo kurz vor dem Fund die Fischer die Sträucher ausschnitten und durchs Wasser wateten – vielleicht wurde so unbemerkt die versunkene und irgendwie im Gehölz verkeilte Leiche freigegeben. Gefunden wurde nichts.

„Hätte man uns doch das Kind vor die Tür gelegt“
„Man hätte doch uns das Kind vor die Tür legen und anläuten können“, sagt der Tischler, der vor Jahren eine tote Frau im Teich gefunden hatte - ein Selbstmord.

„Warum nicht in die Babyklappe gegeben?“
„Es gibt doch Babyklappe oder anonyme Geburt. Das Kind hätte doch nicht sterben müssen“, pflichtet ihm Brigitte Kohlberger (81) bei, während sie mit Hund Nico die Runde um den Pregartenteich dreht.

(Bild: Dostal Harald)

„Keine Schwangere aufgefallen“
Ebenso Reinhard Eder, der auch ums Eck wohnt und der als braver Opa mit Enkerl Paul hier oft unterwegs ist: „In der Vorwoche waren wir nicht hier, aber auch sonst ist mir nie eine Schwangere in der Umgebung aufgefallen.“

(Bild: Dostal Harald)

Unverständnis, kein Hass
Ob die Mutter aus der direkten Umgebung ist, weil der Teich doch versteckt liegt? „Vielleicht, aber es kommen auch sonst viele Leute her“, sagen die Spaziergänger. Auch andere zeigen Unverständnis, warum das Kind nicht abgelegt wurde, wo es gefunden wird, statt es zu töten. Aber Hass gibt’s keinen: „Man weiß ja nicht, was wirklich los war.“

Leiche wird eingeäschert
Die Stadtgemeinde Freistadt ist für die Leiche verantwortlich. Man hat sich für eine Einäscherung entschieden, damit die Mutter, falls sie sich meldet, eine Beisetzung abhalten kann.

Markus Schütz, Kronen Zeitung

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