28.07.2010 10:34 |

15-Euro-Ballerspass?

"Blacklight Tango Down": Shooter mit Ecken und Kanten

Für wahrlich günstige 15 Euro steht nun der First-Person-Shooter "Blacklight Tango Down" in den Download-Regalen. Vielversprechend liest sich die Beschreibung, umfangreich die Liste an Features, als bravourös wird die "Unreal Engine 3"-Optik angepriesen. Kurz: Es soll sich wohl um die Eierlegende Wollmilchsau unter den Multiplayer-Egoshootern handeln. Also her damit und losgeballert…

Doch ganz so flott geht es dann doch nicht. Denn die erste Hürde wartet in der Menüführung des Spiels, die gleichermaßen schlicht ist, aber auch zu Anfang etwas Verwirrung stiftet. Gut, dass da ein Button "Schnelles Spiel" funkelt, der einen rasanten Einstieg ins Spielgeschehen verspricht. Eben noch eine Gold-Mitgliedschaft freigerubbelt und schon – nein, doch nicht. Denn zuerst läuft die Suche nach gerade aktiven Spielen, die nur auf meinen Beitritt gewartet haben. Wohl ob des erst kürzlichen Erscheinens des von Zombie Studios entwickelten Titels, fällt das Ergebnis eher mager aus, aber schließlich findet sich doch ein laufendes Deathmatch und man landet auf dem hyperrealistischen Schlachtfeld im rauen Blacklight-Universum.

Story sucht man vergebens
An dieser Stelle sei sogleich angemerkt, wer auf der Suche nach einer Story hinter dem massenhaften Verschleiß von Blei ist, wird hier kaum fündig. Zwar kann man sich textlich über einen schwelenden Konflikt zwischen den Blacklight Special Forces (die "Guten") und einigen Rebellen, dem sogenannten Orden (die "Bösen"), schlau machen, aber das war's dann auch schon. Und auch auf Zwischensequenzen wurde im "Black Ops"-Modus konsequenter Weise verzichtet. Dieser bietet übrigens die Gelegenheit, sich an vier Spezialmissionen alleine oder im Team zu versuchen. Die KI der Gegner reicht allerdings gerade so weit, dass deren instinktives Deckungsverhalten dem einer überreifen Himbeere gleicht.

Rankingssystem und Waffenarsenal als Motivationsspender
Die Liste an Features hält hingegen, was sie verspricht. Zum einen wären da sieben Multiplayer-Spielmodi: Deathmatch, Team Deathmatch, Domination, Retrieval (ähnlich einem CTF-Mode), Last Man Standing, Domination und Detonate. Alle Varianten sind zwar alt bekannt, aber "kultsolide". Die Gefechte lassen sich auf zwölf Maps austragen, die allesamt einen optischen Leckerbissen darstellen. Besonders die bemerkenswerte Fernsicht und die "Licht-durch-Nebel"-Effekte tragen ihren Teil dazu bei.

Ein stattliches Arsenal an auf- und umrüstbaren Kanonen, diverses explosives Wegwerfequipment sowie Ausrüstungs- und Panzerungszubehör stehen dem schießfreudigen Gamer zur Verfügung. Mittels Rankingsytems lassen sich die Wummen freischalten und aufmotzen, was sich durchaus positiv auf die Spielmotivation auswirkt. Das ist es letztlich auch, was den Finger am Abzug festhält.

"Hyper Reality Visor" verleiht individuelle Note
Insgesamt setzt das Low-Budget-Game auf Altbewährtes und maßt sich auch nicht an, das Rad neu erfunden zu haben. Lediglich der "Hyper Reality Visor" (HRV) verleiht dem Titel eine individuelle Note. Dieses Feature, das nicht für den Dauereinsatz ausgelegt wurde – gewährt dem Spieler kurzfristig einen Röntgenblick, der Gegner und Matchmarks durch Mauern hindurch sichtbar werden lässt. Das bringt frischen Wind und nimmt ebendiesen den Dauercampern aus den Segeln.

Das Gameplay selbst ist unprätentiös, Steuerung und Waffenhandhabe angelehnt an die "Call of Duty"-Reihe – angelehnt, wohlgemerkt! Leider fehlt ein Tutorial, das dem unerfahreneren Spieler die Grundlagen und Spielvarianten näherbrächte. Das führt speziell zu Beginn häufig zu einem "Try and error"-Vorgehen, das mitunter die Nerven strapaziert. Die Modellorganismen von Freund und Feind bewegen sich zwar etwas steif, was jedoch im Kugelhagel kaum ins Gewicht fällt.

Mündungsfeuer vs. Techno-Beats
Auch akustisch liegen in "Blacklight Tango Down" Licht und Schatten nah beieinander. So ist einerseits der Sound brechender Schüsse und explodierender Wurfware satt und knackig geraten. Dagegen muss man für die Hintergrundmusik, die im immer gleichen Techno-Beat das Trommelfell in Schwingung versetzt, schon wahrlich hartgesotten sein.

Fazit: Man bekommt mit dem Download-Game "Blacklight Tango Down" zu einem relativ unschlagbaren Preis ein solides Multiplayer-Shooter-Vergnügen mit einem motivierenden Rankingsystem geboten. Dass es dabei eine Kehrseite der Medaille gibt, darf jedoch nicht verwundern: Mangels Tutorial und (noch) kleiner Spielergemeinde fällt der Einstieg holprig aus. Eine echte Hintergrund-Story sucht man vergebens und die vier "Black Ops"-Missionen werden lediglich durch die Menge an Gegnern zur Herausforderung. Optisch allerdings gibt es an den zwölf Maps nichts zu meckern und auch das Leveldesign kann sich durchwegs sehen lassen. Wer also hauptsächlich die Fingerfitness mit einem bleihaltigen First-Person-Shooter aufrecht halten will, trifft hier mittelfristig ins Schwarze.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Ignition Entertainment
krone.at-Wertung: 5/10

von Fritz Schneeberger

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