21.02.2020 12:00 |

Besaß Waffen legal

Hanau-Terrorist nutzte Waffen für Spezialeinheiten

Der mutmaßlich rechtsextreme Terrorist von Hanau, Tobias R., war Sportschütze, besaß mindestens drei Waffen und hatte auch eine waffenrechtliche Erlaubnis dazu. Mit zwei von ihnen soll der 43-Jährige das unfassbare Verbrechen in der deutschen Stadt durchgeführt haben, als er am späten Mittwochabend in zwei Shisha-Bars neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen und danach in seiner Wohnung seine Mutter und sich selbst getötet haben soll (siehe auch Video oben). Mit den von ihm verwendeten Pistolen ist eine schnelle Schussfolge möglich, was bedeutet, dass es das Ziel des Schützen gewesen sein dürfte, in kurzer Zeit möglichst viele Menschen zu töten.

Wie die „Bild“ berichtet, habe der 43-Jährige in der Terrornacht mit einer Walther PPQ sowie einer SIG Sauer P226 geschossen. Letztgenannte ist eine Selbstladepistole des deutschen Herstellers SIG Sauer und weist mit 15 Schuss eine hohe Munitionskapazität auf. Diese Waffenart wird laut Angaben des Unternehmens weltweit von zahlreichen Sicherheitskräften oder Militärs getragen - unter anderem laut Wikipedia vom US-Secret-Service, den Navy Seals, der britischen Armee oder auch von den israelischen Streitkräften.

Auch die Walther PPQ wird von zahlreichen Polizeieinheiten weltweit als Dienstwaffe verwendet - laut dem ebenfalls deutschen Hersteller in mehreren deutschen Bundesländern, in Polen und den Niederlanden, aber auch in Malaysia und Taiwan oder von der chilenischen Air Force. Die Abkürzung PPQ steht für „Polizeipistole Quick-Defense“. Die Waffe wurde vor allem für Spezialeinheiten entwickelt und ist im durchgeladenen Zustand dauergespannt und sofort schussbereit. Auch in die Walther PPQ passen bis zu 15 Schuss.

Zahlreiche Patronenhülsen an beiden Tatorten
Diese 30 möglichen Schuss dürfte Tobias R. auch abgefeuert haben. Ob er zudem nachgeladen hat - vor allem zwischen dem ersten und dem zweiten Tatort -, wird von den Ermittlern noch eruiert. Es wurden an den Orten des rechtsextremen Verbrechens offenbar zahlreiche Patronenhülsen gefunden. 

Knapp eine Millionen Deutsche besitzen privat Waffen
In Deutschland waren Anfang 2019 nach Angaben der Bundesregierung mehr als eine Millionen Privatpersonen im Besitz von meldepflichtigen Waffen oder Waffenteilen. Der Deutsche Schützenbund zum Beispiel verzeichnete im vorigen Jahr mehr als 1,3 Millionen Mitglieder. Wer in Deutschland - oder auch in Österreich - eine Waffe besitzen will, muss strenge Voraussetzungen erfüllen. Laut „Bild“ wurde die charakterliche Eignung zum Führen von Waffen bei Tobias R. vor einem Jahr überprüft.

Auch bei dem Schützenverein Diana Bergen-Enkheim, dessen Mitglied Tobias R. war, konnte man nichts über den Terroristen sagen, das auf eine furchtbare Tat wie diese hindeuten würde. Dort beschrieb man den 43-Jährigen als „eher ruhigen Typen“, der in keiner Weise auffällig geworden sei.

Waffenrecht verschärft: „Ist aber keine Vollkaskoversicherung“
Vor wenigen Wochen verschärfte die deutsche Regierung das Waffenrecht. Künftig müssen die Behörden immer beim Verfassungsschutz nachfragen, bevor sie Waffenerlaubnisse vergeben. Das soll Extremisten den Zugriff auf Waffen erschweren. Außerdem müssen Jäger und Sportschützen nach fünf und dann noch einmal nach zehn Jahren nachweisen, dass ihr „Bedürfnis“ nach Waffenbesitz fortbesteht. „Ja, das wird den Zugang zu Waffen für Radikale erschweren, aber es ist keine Vollkaskoversicherung“, sagt Jörg Radek, der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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