20.02.2020 06:00 |

Wiener Wahlkampf

Ludwig: „In der Politik geht es immer ruppig zu“

Eine Personaldebatte im Wiener Wahlkampf! Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) über Pamela Rendi-Wagner, Integration und Superkräfte.

„Krone“: Herr Bürgermeister, wie finden Sie sich auf Ihren neuen Plakaten?
Michael Ludwig: Ausnahmsweise gut frisiert.

Der deutsche Humorist Loriot hat einmal gesagt: „Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen.“
Ja, ich glaube, dass das immer nur ein sehr kurzfristiges Vergnügen ist, wie das eben bei Plakatwerbungen insgesamt der Fall ist.

Was wollen Sie uns mit den Plakaten eigentlich sagen?
Es ist passend, auch zum internationalen Frauentag am 8. März, dass wir in der SPÖ und in der Stadt großen Wert legen auf die Gleichstellung von Frau und Mann.

Und auf den sozialen Zusammenhalt, den es in der eigenen Partei aber nicht zu geben scheint. Parteichefin Pamela Rendi-Wagner spricht über ihre schmerzhafte Zeit an der Spitze, von Selbstzerfleischung und Intrigen. Geht es so schlimm zu in der SPÖ?
Sie spricht offensichtlich über ihre Erfahrungen in der Bundespartei, das kann ich als Vorsitzender der SPÖ Wien nicht nachvollziehen. Wir haben in Wien ein sehr gutes Einvernehmen. Es ist sicher ihre sehr exponierte Situation als Parteivorsitzende, dass sie das anders wahrnimmt.

Was sagen Sie zu Rendi-Wagners Entscheidung zur Vertrauensfrage?
Ich habe sie als nicht für notwendig erachtet. Sie ist auf einem Bundesparteitag mit einer hohen Zustimmung von 97,8 Prozent gewählt worden.

Soll Rendi-Wagner Ihrer Meinung nach Bundesparteivorsitzende der SPÖ bleiben?
Sie hat sich direkt an die Mitglieder gewandt, und ich gehe davon aus, dass sie aus dem Ergebnis ihre Konsequenzen ziehen wird.

Gibt es für Sie eine Untergrenze, ab der sie zurücktreten müsste?
Ich war deshalb nicht für einen solchen Entscheid, weil auch schwer abschätzbar ist, ab wann ein Erfolg überhaupt abzulesen ist. Dass es in der Politik immer ruppig zugeht, ist auch keine neue Erkenntnis. Meiner Meinung nach gibt es eine Währung in der Politik, und die heißt Erfolg bei Wahlen - und wenn sich der einstellt, dann gibt es auch keine Diskussionen.

Angenommen, sie muss gehen, würden Sie die Bundespartei übernehmen. Interimistisch, langfristig?
Nein!

Am Dienstag kam es zu Ihrer ersten Wahlkampfveranstaltung, auch wenn Sie es anders nennen wollen. Sie haben dabei Ihre Pläne für Wien präsentiert. Von der Gratis-Ganztagsschule bis hin zur Pflege-Garantie. Was auffällt, sind die Themen, die nicht angesprochen wurden: Migration und Integration. Gehört das nicht zu den großen Herausforderungen einer wachsenden Stadt?
Ich sehe Integration als wirklich große Herausforderung. Ich war immer der Meinung, dass man das Thema sehr ernst nehmen muss, aber dann muss man auch konkret etwas tun. Und nicht nur darüber philosophieren. Ich glaube, dass der kostenfreie Kindergarten, den wir vor zehn Jahren eingeführt haben, und jetzt der nächste Schritt, nämlich die kostenfreie Ganztagsschule, einer der ganz wichtigen und wirksamen Integrationsschritte sein wird.

Ihr Vorgänger Michael Häupl hat einmal gesagt: Kopftücher sind eine Bereicherung für das Stadtbild. Sehen Sie das auch so?
Das sehe ich nicht so, aber ich glaube, wir haben viele andere Dinge, die im Stadtbild präsenter sind, und ich arbeite auch als Bürgermeister daran, das Stadtbild laufend zu verbessern. Das muss natürlich so sein, sonst würden nicht auch die Wiener so zufrieden mit ihrer Stadt sein.

Ist das türkis-grüne Kopftuchverbot für Unter-14-Jährige eine gute Maßnahme?
Es ist vor allem eine Maßnahme, die sich ausschließlich mit Symbolpolitik beschäftigt. Ich hätte gerne einmal konkrete Integrationsschritte von der Bundesregierung gehört. Vielleicht passiert ja von der jetzigen etwas. Ich warte noch. Bemerkt hätten wir jetzt nix.

Was kommt eigentlich nach der Wiener Wahl? Rot-Grün oder Rot-Türkis?
Man wird sehen, welche Koalitionen sich rechnerisch ausgehen. Und welche Gespräche im Vorfeld schon geführt werden. Ich habe ja den Eindruck, dass es da durchaus Ambitionen gibt, fernab der SPÖ Koalitionen zu schmieden. Und das scheint mir nicht unrealistisch zu sein. Denn es hat Städte gegeben wie Wiener Neustadt, da war eine Koalition zwischen fünf Parteien möglich, um einen SPÖ-Bürgermeister mit 40 Prozent zu verhindern.

Woher holen Sie sich die Kraft für den Wahlkampf? Sport, gesunde Ernährung?
(lacht)
Ja, eindeutig! Die schöpfe ich vor allem aus dem Zuspruch vieler Menschen aus der Stadt. Und ich gehe öfter laufen.

Zitat Icon

Es ist für mich noch nicht erkennbar, dass sich Türkis-Grün gravierend von der Regierung, die aus ÖVP und FPÖ bestanden hat, unterscheidet.

Michael Ludwig über die Bundesregierung

Im Wahlkampf werden Sie eine Reihe dämlicher Fragen beantworten müssen. Ich hätte zum Abschluss fünf für Sie. Welcher Superheld wären Sie gerne?
Michael Ludwig.

Welche Superkraft hat denn bitte Michael Ludwig?
Ich hoffe, Überzeugung.

Was war Ihre letzte Lüge?
Dass ich oft laufen gehe.

Wer aus der SPÖ hat den meisten Sex-Appeal?
(grinst)
Da fallen mir so viele ein, da will ich keine Wertung vornehmen. Aber da ist die Bandbreite sehr groß.

Was ist das politisch Unkorrekteste, das Sie je getan haben?
Witze erzählt zu haben.

Zum Beispiel welchen?
Den kürzesten Witz: Zwei Jäger gehen bei einem Wirtshaus vorbei.

Würden Sie Michael Ludwig wählen, wenn Sie nicht Michael Ludwig wären?
Mit großer Überzeugung. Weil er sich für die Interessen der Menschen in der Stadt einsetzt. Ohne Eigenbefindlichkeiten in den Vordergrund zu rücken.

Michael Pommer, Kronen Zeitung

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