15.02.2020 08:00 |

krone.at-Test

Football, Tactics & Glory: Nix für Schnellschießer

Fußball mit taktischem Tiefgang verspricht „Football, Tactics & Glory“ - und damit Abwechslung für alljene, denen „FIFA“ oder „PES“ zu hektisch sind. Ob der rundenbasierte Kick mit Management-Schwerpunkt überzeugen kann, verrät der Test.

Für angehende Sportdirektoren, Trainer oder Präsidenten bieten diverse Fußballmanager schon ein breites Betätigungsfeld. Doch ist das zeitaufwändig und komplex. So viel Zeit muss man auch erst einmal haben. „Football, Tactics & Glory“ verzichtet fast gänzlich auf das Drumherum. Primär setzt das ukrainische Entwicklerstudio Creoteam auf das Geschehen auf dem grünen Rasen. Sicherheitshalber lächelt Lothar Matthäus vom Cover. Ein wenig prominente Unterstützung hat schließlich noch nie geschadet. Im Spiel taucht er übrigens nirgendwo auf.

Nur die Fleißigen werden belohnt
In Ermangelung vorhandener Lizenzen hören alle Teams und Spieler auf Fantasienamen. Manuelles Editieren der Einträge wäre möglich, Importfunktion gibt es allerdings keine. Nur die Fleißigen werden schließlich belohnt. Diesem Mantra huldigt in gewisser Weise auch das Tutorial, so knapp wie es gehalten ist. Mit einem Team mit ein paar mehr oder weniger motivierten Kickern, die fußballerisch eindeutig eher zu den biederen Handwerkern denn zu den Ballzauberern zählen, geht es schließlich auf den Platz.

Die Grafik, zweckmäßig, irgendwo zwischen Ende der 90er- und Mitte der 2000er-Jahre angesiedelt, zeigt den Platz, beide Teams und einige farbige Kästchen. Willkommen beim Revival der rundenbasierten Spiele. Man denke nur an Klassiker wie „Battle Isle“, „Civilization“ oder „Xcom“. Keine Angst, ganz so komplex wird es nicht, so unterhaltsam möglicherweise allerdings auch nicht.

Runden-Kick
Pro Runde stehen bis zu drei Züge zur Verfügung. Jeder Spieler und demnach auch jeder Gegenspieler verfügt über verschiedene Werte, die darüber entscheiden, wie wahrscheinlich eine Aktion von Erfolg gekrönt sein wird. Je höher etwa der Verteidigungswert, umso größer ist die Chance, dem Gegner den Ball vom Fuß zu nehmen. Die Basics wie Spieler bewegen, passen oder schießen sind schnell verinnerlicht. Doch es gibt Spezialfähigkeiten, die bei Erfolg einen weiteren Zug ermöglichen sowie weitere Elemente, die das Spielgeschehen beeinflussen, aber im Tutorial eben nur sehr knapp angerissen werden. Doch wir halten uns ganz an Lothar:

„Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.“

Eine Frage der Erfahrungspunkte
Anfangs klappt das auch vorzüglich. Ein Lauf ist die Folge. Nichts kann uns aufhalten, der Meistertitel ist uns praktisch sicher. Wären da nicht die nächsten Gegner, die mit besseren Spielern aufwarten können und das eigene Team nach allen Regeln der Kunst auseinandernehmen. Die Erfahrungspunkte, die eingesammelt werden, sollten also sehr weise vergeben werden, um die Fähigkeiten der Kicker zu verbessern. Leider scheinen sie nicht gerade die Cleversten zu sein und brauchen gefühlte Ewigkeiten, um neue Fertigkeiten zu erlernen.

Aber macht nichts - am Transfermarkt tummeln sich schließlich willige Spieler wie Sand am Meer. Blöd nur, dass die Einnahmen kaum für die Bezahlung des aktuellen Kaders reichen. Im Endeffekt verlässt der beste Spieler für gutes Geld den Verein. Neue, noch unbekannte Talente schlagen hoffentlich ein und bringen den Verein voran.

Nichts für Schnellschießer
Bei „Football, Tactics & Glory“ erfolgreich zu sein, heißt, sich strategische Gedanken zu machen, zu planen. Schnellschüsse sind nicht nur nicht nachhaltig, sondern führen unweigerlich in eine Abwärtsspirale. Das weiß auch Lothar, der noch einmal mit einem seiner Bonmots uns hilfreich zur Seite steht:

„Es ist wichtig, dass man 90 Minuten mit voller Konzentration an das nächste Spiel denkt.“

Fazit: „Football, Tactics & Glory“ verfolgt einen interessanten und durchaus unterhaltsamen Ansatz. Diesem stehen allerdings ein altbackenes Design, ein zu rudimentäres Tutorial und ein zu stark steigender Schwierigkeitsgrad entgegen. Ein netter Versuch, der sicher seine Fans finden wird, aber von einem großen Wurf noch weit entfernt ist.

Plattform: PS4 (getestet), PC
Publisher: Toplitz Productions
krone.at-Wertung: 5/10

Harald Kaplan
Harald Kaplan
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