13.02.2020 06:02 |

Olympia in Lake Placid

Moser-Pröll: Mit einem Lächeln zu Olympia-Gold

Bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid heimste Österreich binnen vier Tagen drei Goldene ein - die „Krone“ blickt aus Anlass des 40-Jahre-Jubiläums mit den Protagonisten von damals zurück. Nach dem Triumph von Leonhard Stock am 14. Februar in der Herren-Abfahrt eroberte Annemarie Moser-Pröll am 17. Februar ihr lange ersehntes Olympia-Gold. In der Damen-Abfahrt war sie eine Klasse für sich.

Moser-Pröll erfüllte sich damit im zweiten Anlauf ihren Olympia-Traum. 1972 in Sapporo hatte die Mannschaft durch die Disuqalifikation von Karl Schranz sehr gelitten: „Da wurde uns der Erfolg verwehrt, durften wir erst im letzten Moment überhaupt an den Start gehen.“ Die damals 18-Jährige musste sich aber ihrer großen Schweizer Rivalin Marie-Theres Nadig in Abfahrt und Riesentorlauf geschlagen geben und mit zweimal Silber begnügen.

Die Spiele 1976 in Innsbruck verpasste Moser-Pröll im Zuge einer Auszeit, erst bei der WM 1978 in Garmisch reifte in der sechsfachen Weltcup-Gesamtsiegerin der Entschluss, es in Lake Placid 1980 nochmals zu versuchen. Ein in der Vorbereitung erlittener Knöchelbruch („Die einzig gravierende Verletzung meiner Karriere“) konnte sie nicht aus dem Konzept bringen - ebenso wenig die sechs Saisonsiege, die Nadig bis zu den Spielen in der Tasche hatte: „Ich hatte während der gesamten Vorbereitung meinen Fokus immer nur auf Lake Placid gerichtet, mir Gedanken gemacht, was ich alles berücksichtigen muss, um ja keinen Fehler zu begehen. Und das Wichtigste: Ich wusste, dass ich noch Reserven für Olympia hatte.“

Nichts konnte Moser-Pröll aus der Fassung bringen - auch nicht der Umstand, dass ihre Betreuer am Renntag bei bitterer Kälte (es hatte minus 20 Grad) kurz vor dem Start noch die Skier gewechselt hatten: „Im ersten Moment war ich etwas irritiert, weil ich mit den ursprünglich vorgesehenen Skiern viele Rennen gewonnen hatte. Doch ich hatte totales Vertrauen in meine Betreuer, dachte mir, sie wissen, warum sie das tun.“

Die Vorfreude auf dieses Rennen war der damals 26-Jährigen anzusehen: „Man sah im TV, dass ich ein Lächeln im Gesicht hatte, als ich im Starthaus stand.“ Unten im Ziel wartete ihr 15 Mann starker Fanclub, der sogenannte Lake-Placid-Klub, welcher sie nach Lake Placid begleitet hatte - darunter ihr inzwischen bereits verstorbener Ehemann Herbert: „Beim Rauffahren zum Start mit dem Lift sah ich zufällig ihr vorbereitetes Transparent mit der Aufschrift „Gold“. Sie hatten somit alles längst vorbereitet, das hat mich nochmals richtig beflügelt und mir war klar: Ich darf sie nicht enttäuschen.“

Mit Startnummer 6 legte Moser-Pröll dann mit 1:37,52 Minuten eine Traumzeit hin, lag am Ende sieben Zehntel vor der Liechtensteinerin Hanni Wenzel. Nadig blieb nur Bronze, zeigte aber Größe: „Beim gemeinsamen Abendessen mit meinem Fanclub war Marie-Theres mit dabei, was mich irrsinnig freute. Das war ein Zeichen von Stärke und Anerkennung.“ Moser-Pröll empfand eine „irrsinnige Freude, es doch noch geschafft zu haben. Als Rennen meines Lebens würde ich es nicht bezeichnen, denn da gab es mehrere. Es war aber mit Sicherheit das wichtigste Rennen meiner Karriere.“

Klar war für sie auch, dass dieser Triumph zugleich das Ende ihrer Laufbahn bedeutete: „Ich fühlte mich nach fast zehn Jahren Vollgas einfach ausgelaugt. Um die Verträge zu erfüllen, fuhr ich die Saison noch zu Ende, doch meine Motivation war nach Lake Placid dahin.“ Heute genießt die 66-Jährige ihre Zeit mit Tochter Marion, Enkelsohn Elias und ihren Freunden, schaut immer wieder mal in ihrem früheren Cafe in Kleinarl vorbei und blickt mit Dankbarkeit zurück: „Es ist einfach schön, dass ich in jungen Jahren so eine tolle Karriere erleben durfte. Obwohl ich viele Entbehrungen in Kauf nehmen musste, hatte ich nie das Gefühl, etwas versäumt zu haben.“

Christian Reichel, Kronen Zeitung

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